Bagatell-Grenze

Zollämter an Aargauer Grenze stempeln kaum noch Zettel unter 50 Euro ab – Supermärkte fahren konsequente Linie

Nach Neujahr mussten kaum noch Belege unter 50 Euro abgestempelt werden.

Nach Neujahr mussten kaum noch Belege unter 50 Euro abgestempelt werden.

Die Bagatell-Grenze zeigt einen ersten Effekt: Die Zollämter an der Fricktaler und Zurzibieter Grenze stempeln nur noch wenige Belege für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer ab.

Seit Neujahr ist die 50-Euro-­Bagatell-Grenze in Kraft. Das neue Regime der deutschen Bun­desregierung zur Mehrwertsteuerrückerstattung ist angedacht, um den Stempelstau an den deutschen Zollämtern zu ­reduzieren. Gerade am Samstagnachmittag bilden sich zuweilen vor den Zollämtern wie etwa an den Grenzübergängen Stein/Bad Säckingen oder Koblenz-Waldshut lange Warteschlagen.

Zwar sind die deutschen Zollämter angewiesen, bis auf Weiteres alle vorgelegten Belege abzustempeln, dennoch zeigt das neue Regime bereits nach wenigen Tagen eine erste Wirkung. «Eine Nachfrage bei den Grenzzollämtern ergab, dass diese nur noch vereinzelt Ausfuhrscheine unter 50 Euro abstempeln müssen», sagt Mark Eferl vom Hauptzollamt Singen, dem etwa die Zollämter in Laufenburg, Bad Säckingen, Waldshut oder Küssaberg angeschlossen sind.

Grösste Supermärkte ­fahren konsequente Linie

Der Grund für diesen Rückgang ist, dass die grössten deutschen Supermärkte entlang der Aargauer Grenze, die etwa von Edeka, Rewe oder Kaufland betrieben werden, nur noch Ausfuhrscheine ab einem Rechnungsbetrag von über 50 Euro ausgeben. «Auf diese Regelung werden die Kunden durch die Mitarbeiter sowie zum Teil durch Flyer und Plakate in den Märkten hingewiesen», sagt Edeka-Südwest-Sprecher Florian Heitzmann.

Sollte bei Rewe ein Kunde doch bei einem Einkauf unter 50 Euro einen Ausfuhrschein verlangen, würde von einem Mitarbeiter die Bagatellgrenzen-Regelung entsprechend formuliert, sagt Rewe-Sprecherin Sabine Stachorski. «Generell machen die Schweizer Kunden aber eher grössere Einkäufe, sodass wir vorerst mit dem Bagatell-Betrag leben können.»

Die meisten wissen Bescheid

Kaufland hat die Erfahrung gemacht, dass seine Kunden gut informiert seien und sich entsprechende verhielten, so Sprecherin Anna Münzing. «Nur in zwei Fällen seit Inkrafttreten der Reglung wussten die Kunden noch nicht Bescheid», schiebt sie nach. Ob durch die neue Regelung höhere Einkäufe getätigt werden, damit die 50-Euro-Grenze überschritten wird, oder, im Gegenteil, Kunden ausbleiben, könne man noch nicht beurteilen.

Das Unternehmen May Mode + Sport mit seinen Geschäften in Bad Säckingen, ­Laufenburg und Waldshut hantiert anders mit der Bagatell-­Grenze. Hier geben die Mitarbeiter an die Schweizer Kunden auf Wunsch sogenannte Beleg-Sammler aus, wie Unternehmenssprecher Daniel Kistner sagt. In den Couverts könne der Kunde alle Belege sammeln, die er durch seine Einkäufe innerhalb eines Tages an den ­verschiedenen Kassen einer ­Filiale oder sogar in unterschiedlichen Filialen erhält.

Diese lässt er anschliessend am Zoll abstempeln und bringt sie im Couvert zurück. «Die einzigen Voraussetzungen sind eben, dass sie vom selben Tag stammen und zusammengerechnet einen Betrag von über 50 Euro ergeben», so Kistner.

Autor

Dennis Kalt

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