«Bei solchen Temperaturen geniessen wir es natürlich, nicht in einem Wohnwagen leben zu müssen», sagt Alexandra Nock, während sie durch den Schnee geht. Oeschgen ist wieder weiss geworden über Nacht. Das braucht die Zirkusfamilie Nock im Moment nicht zu stören, denn seit der letzten Show vergangenen November lebt sie hier im Winterquartier in einer Wohnung. In rund einem Monat muss der Wohnwagen aber wieder bezogen werden, zum 158. Mal zieht der Circus Nock mit seiner Karawane durchs Land.

Seit Jahren bereiten sinkende Zuschauerzahlen der Zirkusdirektorin Sorgen. «2017 war kein Super-Jahr», sagt Alexandra Nock. Ein Jahr verlaufe mal besser, mal schlechter. «Das Überleben in der heutigen Zeit mit einem Zirkus ist schwer», sagt sie. «Die Schweiz ist ein kleines Land mit einem Überangebot an Veranstaltungen und möglichen Aktivitäten. Es läuft immer viel», sagt Alexandra Nock. Zusammen mit Schwester Franziska führt sie den Traditionszirkus in der siebten Generation.

Sich dem Zeitgeist anpassen

Untätig schaut man dem gesellschaftlichen Wandel aber nicht zu. Neben der klassischen Zirkusaufführung haben die Nocks ihr Angebot in den vergangenen Jahren stets erweitert: Ferien im Zirkus, vergünstigte Eintritte für Schulklassen oder Apéros in der Manege. Diese kämen besonders gut an. An mangelndem Einsatz scheint der Zuschauerschwund also nicht zu liegen. Auch die Aufführungen seien nicht die Wurzel des Problems. «Wir haben ein hohes Niveau in unseren Shows», sagt Alexandra Nock. Auch entwickelten sich die Artisten mit ihren Darbietungen immer weiter: Dazu gehört, dass man die Abstimmung von Licht, Musikstilen und Kostümen immer wieder überdenkt und an den Zeitgeist anpasst.

Franziska Nock probt mit ihren Pferden.

Franziska Nock probt mit ihren Pferden.

Doch nicht nur die Zuschauerzahlen bereiten der Zirkusdirektorin Sorgen. «Obwohl unser Handwerk als eine der ältesten Kulturformen gilt, erhalten wir nach wie vor keinerlei Subventionen», sagt sie. Zudem seien die stetig steigenden Kosten für Platzmiete und Strom jedes Jahr eine grössere Belastung. «Ein Zirkusunternehmen in unserer Grösse kann seine Kosten nicht alleine mit den Eintrittsgeldern decken.»

 Doch Aufgeben ist beim Circus Nock keine Option. Zu kämpfen habe man schliesslich überall, gibt sich Alexandra Nock engagiert. «Wir haben einen Namen in der Schweiz. Man kennt uns.»

Zeit, um über die vergangenen glorreichen Jahre zu sinnieren, bleibt aktuell eh nicht. Die Vorbereitungen für die kommende Tournee sind in vollem Gang. Im November und Dezember habe man es ruhiger genommen. Es lagen sogar zwei Wochen Ferien in der kubanischen Heimat von Alexandra Nocks Ehemann Javier Perez drin.

Bilder vom Programm 2017:

Seither widmet man sich in Oeschgen wieder den Saisonvorbereitungen. In der Halle mit aufgebauter Manege probt Franziska Nock gerade ihr neues Programm. Die Pferde stehen mit den Vorderhufen auf dem Manegenrand, während die flinken schwarzen Ponys unter ihren Bäuchen durchjagen. Alexandra Nock krault eines der Pferde an den Nüstern. Dieses lässt sich davon nicht ablenken. Sein Boss ist schliesslich Franziska.

In Frick folgt der Feinschliff

Rund zehn Tage vor der ersten Aufführung am 17. März schliessen sich die Artisten dem Zirkus-Ensemble an. «Das Zelt steht dann schon in Frick bereit für die Proben» sagt Alexandra Nock. Geprobt werden vor allem die Übergänge. Die Artisten stossen mit ihren fast fertigen Nummern dazu. Bei den finalen Proben geht es darum, dass man Licht und Musik auf die einzelnen Acts abstimmen kann und alle Nummern ein harmonisches Ganzes bilden.

Wenn bei der Premiere alles so sitzt, wie sich die Zirkusfamilie Nock das vorstellt, erwarte das Publikum eine Vorstellung voller Action. «Zirkus ist in der Zeit von Social Media eine gute Möglichkeit, dem Ganzen mal zu entkommen. Die Show bietet für jeden etwas», sagt Alexandra Nock.