Heute räumt die Schweiz auf: Gemeinden, Schulen und Vereine beteiligen sich am nationalen Clean-up-Day und säubern Plätze, Strassen und Wiesen von weggeworfenen Pizzaschachteln, Bierdosen und Zigarettenstummeln. Auch Fricktaler Gemeinden gehen unter die Saubermänner, um ein «nachhaltiges Zeichen gegen Littering» zu setzen.

Da stellt sich die Frage: Wie gross ist das Littering-Problem im Fricktal? Eine Umfrage der az unter fünf Gemeinden zeigt: Es ist virulent. Von einem «Dauerthema und einem öffentlichen Ärgernis» spricht etwa Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden.

Immerhin: Vergrössert hat sich das Problem in den letzten Monaten nicht. Es habe «keine Verschärfungen» gegeben, sagt Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick. Die grössten Probleme, sprich: die grössten Abfallberge finden die Werkhofmitarbeiter jeweils am Montag vor, «besonders nach einem sonnigen Wochenende», sagt Sascha Roth, Gemeindeschreiber von Stein. In Rheinfelden hat man darauf reagiert und stellt in den Sommermonaten – hier ist das Littering-Problem besonders ausgeprägt – an hoch frequentierten Orten wie dem Stadtpark «zusätzliche grosse Abfallbehältnisse auf, wie man sie von Festivals kennt», so Erdin.

Hotspots sind neben den Parks das Rheinufer, Schulanlagen Feuerstellen im Wald, Bahnhöfe sowie Glas- und Wertstoff-Sammelstellen. «Bei Letzteren wird gelegentlich auch Hauskehricht illegal deponiert», sagt Erdin. Das kennt man auch in Gipf-Oberfrick. «In Einzelfällen kommt es auch immer wieder vor, dass Personen Haushaltabfälle ohne Gebührenmarke im Wald, am Strassenrand oder in öffentlichen Abfallkörben entsorgen.»

Ganz oben auf der Wegwerf-Hitparade der Littering-Aktivisten finden sich Zigarettenstummel, Bierdosen, PET- und Glas-Flaschen, Pizza- und andere Essensschachteln sowie Getränkeverpackungen.

Was kann die Gemeinde dagegen tun? Primär «zusammennehmen und reinigen», sagt Walter Marbot, Stadtschreiber von Laufenburg. Sein Schreiberkollege aus Magden, Michael Widmer, ergänzt: «Das Werkhof-Team ist permanent im Einsatz und räumt liegen gelassenen Abfall konstant weg.» Denn: «Wird dies unterlassen, verstärkt sich das Problem.»

Weiter setzen die Gemeinden auf Präventions- und Informationskampagnen. In Rheinfelden hat man zudem gute Erfahrungen mit «Trash-Heroes» gemacht. Das sind «Nachhaltigkeits–Helden», die gut zu erkennen an grösseren Festen unterwegs sind, Besucher auf die Abfallproblematik ansprechen und liegengelassene Bierdosen und Plastikbecher einsammeln.

Polizeikontrollen an den Hotspots

Die Hotspots lassen die Gemeinden zudem durch die Regionalpolizei regelmässig kontrollieren. In Rheinfelden sind in den Sommermonaten zusätzlich Patrouillen von privaten Sicherheitskräften unterwegs. Installiert haben die befragten Gemeinden auch Videokameras – vor allem rund um die Schulen. Kameras werden, so tönt es aus allen Ratsstuben, zurückhaltend montiert. Denn: «Die Vorschriften für Video-Überwachungen sind streng», so Widmer.

Littering wird immer mehr zum Problem – ein Gespräch mit Dominik Studer, Leiter Unterhalt im Aargauer Baudepartement

Littering wird immer mehr zum Problem – ein Gespräch mit Dominik Studer, Leiter Unterhalt im Aargauer Baudepartement (Juni 2016)

Die Abfallmengen und damit die Kosten für Aufwand und Entsorgung steigen weiter. Deshalb lanciert der Kanton Aargau nun eine neue Kampagne.

Können die Abfallsünder ermittelt werden, «gibt es eine Anzeige mit Verwarnung oder Busse», sagt Heinz Schmid, Gemeindeschreiber in Frick. Das kommt indes eher selten vor; in Gipf-Oberfrick werden pro Jahr zwei bis drei Bussen ausgesprochen.

Pech hatte ein Besucher eines privaten Festes in Magden. Die Festgesellschaft liess die Feurstelle «in einem erbärmlichen Zustand» zurück. Ein Besucher hatte allerdings sein Portemonnaie verloren. Die Gemeinde kontaktierte den Eigentümer und forderte ihn auf, den Platz zu säubern. «Er kam dieser Aufforderung ohne weiteres nach», erzählt Widmer. «Ohne den Schutz der Anonymität gäbe es viel weniger Littering.»