Es ist ein grosser Moment für die Gemeinde Möhlin, den Kanton und das Projektteam «eBau Aargau»: Für das allererste Baugesuch, das im Aargau elektronisch eingereicht wurde, liegt jetzt die Baubewilligung vor. Diese wird der Bauherrschaft, der Bauer Baumschulen AG, am kommenden Montag in Möhlin «feierlich übergeben», wie das kantonale Baudepartement in der Medieneinladung schreibt.

Rückblende. Vor rund vier Jahren fragte der Kanton seine 212 Gemeinden, was sie von einem elektronischen Baubewilligungsverfahren halten. Diese sagten grossmehrheitlich: viel und konnten sich als Pilotgemeinde melden. Möhlin tat es – und wurde, zusammen mit Aarburg und Surbtal, als Testgemeinde ausgewählt. «Weil wir von der Vision überzeugt sind», begründet Fabian Müller, Leiter Baubewilligungen in Möhlin.

Es folgten drei Jahre intensive Projektarbeit. Im Projektteam waren neben IT-Spezialisten und Vertretern des Kantons auch die drei Bauverwaltungen vertreten. Sie konnten auch ihre Anliegen für die tägliche Arbeit in der Praxis einbringen.

Dann, am 1. November 2017, geht «eBau Aargau» online. Drei Fragen beschäftigen die Macher besonders: Funktioniert alles? Wird das Angebot genutzt? Und: Wo geht das allererste elektronische Baugesuch in der Geschichte des Kantons ein?

Die Antworten: Ja, ja – in Möhlin. «Eine von den Pilotgemeinden musste es ja treffen», scherzt Müller auf die Frage, was es für ein Gefühl sei, das allererste eBauGesuch der Geschichte erhalten zu haben, fügt dann hinzu: «Es ist der Lohn des gesamten ‹eBau-Aargau›-Teams für die drei Jahre Entwicklung.»

«Die Erfahrungen sind sehr gut»

Vor allem freut die Macher eines: Die Akzeptanz von «eBau Aargau» ist von Anfang an hoch. Von den rund 70 Baugesuchen, die in Möhlin seit November eingereicht wurden, sind um die 45 online eingegangen. Das sind fast zwei Drittel aller Gesuche – ein sensationeller Wert für ein Pilotprojekt. Es zeigt zum einen das grosse Bedürfnis nach einem elektronischen System, zum anderen, dass das System praxistauglich ist.

«Die Erfahrungen sind sehr gut», bilanziert denn auch Müller. Natürlich habe das System noch einige Kinderkrankheiten. Diese würden von den Entwicklern laufend angepasst. Es seien vor allem Kleinigkeiten, so Müller. «Im Grundsatz funktioniert der Prozess durchgehend.»

Auch die Rückmeldungen, die Müller von den Kunden erhalten hat, sind durchweg positiv. «Die Bauherrschaften und Projektverfasser schätzen es, die Gesuche online einreichen zu können», konstatiert Müller. Ihnen bringt es eine Entlastung, wenn sie nicht alle Dokumente in x-facher Ausfertigung drucken müssen.

Zeitgewinn und mehr Transparenz

Auch für die Bauverwaltung bringt das neue System eine Entlastung – und damit einen Zeitgewinn. Wobei dieser, wie bei jedem Launch, am Anfang durch den nötigen Support etwas weggefressen wird. Die Fragen und Probleme der Kunden hätten sich aber im Rahmen gehalten, sagt Müller. Grundsätzlich sei das System, das vom Kanton betrieben wird und über die kantonalen Server läuft, selbsterklärend.

Der Kanton ist es auch, der sämtliche Entwicklungskosten übernommen hat. Dazu stehen ihm insgesamt 700 000 Franken zur Verfügung. Künftig werden die Gemeinden einen Gesamtbeitrag von 50 000 Franken pro Jahr an die Betriebskosten leisten müssen. Machen nach der Pilotphase alle Gemeinden mit – dies ist das Ziel des Kantons, aber (noch) freiwillig –, kommen auf jede Gemeinde Kosten von 235 Franken zu. Aktuell zahlt Möhlin nichts.

235 Franken sind wenig für den Profit, den die Gemeinden aus «eBau Aargau» ziehen können. Dieser besteht, erstens, aus einem Zeit- und damit auch einem personellen Ressourcengewinn. Einen Zeitgewinn bringt das System, zweitens, auch dem Bauherrn; Arbeitsschritte können elektronisch ausgelöst und Zusatzdokumente ebenso angefordert respektive zugestellt werden.

Drittens schafft das elektronische System mehr Transparenz; der Bauherr weiss jederzeit, wie es um sein Baugesuch steht und welche Schritte anstehen. Viertens spart «eBau Aargau» Platz; die Akten können elektronisch archiviert werden und müssen nicht mehr in Papierform abgelegt werden.

Nachteile? Fehlanzeige, findet Müller nach nunmehr sechs Monaten Erfahrung. Der Leiter Baubewilligungen ist denn auch überzeugt, dass der elektronischen Baugesuchseingabe die Zukunft gehört. Es werde die Zeit kommen, in der die Baugesuche nur noch elektronisch eingereicht würden, ist er überzeugt.

Aktenauflage noch in Papierform

Mehr noch: Auch die Aktenauflage, die in Möhlin derzeit noch in Papierform erfolgt, werde dereinst elektronisch sein, ist sich Müller sicher. Damit können die aufliegenden Baugesuche dann am heimischen PC oder Tablet konsultiert werden. Auf die Frage, wann er mit diesem Schritt rechne, sagt Müller: «In etwa fünf Jahren.»

Übrig bleibt dann (fast) nur noch ein Schritt, der nicht elektronisch läuft: das Einreichen von Einwendungen und Einsprachen. Eine solche Erweiterung sei derzeit auch nicht angedacht, sagt Müller. Aber eben: «Derzeit» hat im digitalen Zeitalter meist eine überaus kurze Halbwertszeit.