Zeiningen
Umnutzung: Was der Zivilschutz nicht mehr braucht, soll die Bevölkerung im Ernstfall schützen

Die Zivilschutzanlage unter dem ehemaligen Forstwerkhof in Zeiningen wird zu öffentlichen Schutzräumen für die Bevölkerung umgenutzt. Eine Massnahme, wie sie auch andernorts bereits umgesetzt wurde – oder noch umgesetzt werden soll.

Nadine Böni
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Ausgediente Zivilschutzanlagen werden zu öffentlichen Schutzräumen für die Bevölkerung umgebaut.

Ausgediente Zivilschutzanlagen werden zu öffentlichen Schutzräumen für die Bevölkerung umgebaut.

Gaetan Bally / Keystone

In der Schweiz gilt grundsätzlich eine Schutzraumbaupflicht. So schreibt es das Bundesamt für Bevölkerungsschutz vor. Der Grundsatz lautet: Jeder Einwohnerin und jedem Einwohner soll ein Platz in einem Schutzraum in der Nähe des Wohnorts zur Verfügung stehen.

Trotzdem wird bei Neubauten heute oftmals auf die Erstellung von Schutzräumen verzichtet und stattdessen eine Ersatzabgabe bezahlt. «Das funktioniert aber nur so lange, wie die Abdeckung durch die privaten und öffentlichen Schutzräume gewährleistet wird», sagt Beat Bühler von der Zivilschutzorganisation (ZSO) Unteres Fricktal.

«Viele der Gemeinden sind hier derzeit an der Grenze.»

Deshalb wird darauf geachtet, dass gerade bei grösseren Bauprojekten und Überbauungen entsprechende Schutzräume erstellt werden. In Wohnhaus-Neubauten mit mehr als 38 Zimmern respektive ab 25 Schutzplätzen ist es obligatorisch. So wurden etwa beim Projekt «Salmenpark 2» in Rheinfelden Schutzräume erstellt. «Rheinfelden verfügt bereits seit vielen Jahren über genügend Schutzräume. Aktuell liegt der Deckungsgrad bei 109 Prozent», sagt Stadtschreiber Roger Erdin.

Bundesamt übernimmt Umbaukosten

Eine andere Möglichkeit, Schutzräume zu schaffen, ist die Umnutzung ausgedienter Schutzanlagen des Zivilschutzes. Das passiert gerade in Zeiningen. Die Anlage unter dem ehemaligen Forstwerkhof wird ab Mitte April umgebaut. Sie diente der ZSO bisher als Bereitstellungsanlage und Kommandoposten. Als Schutzraum für die Bevölkerung seien die ausgedienten Anlagen des Zivilschutzes durchaus tauglich, sagt Bühler.

«Die Anforderungen an die Räumlichkeiten sind unterschiedlich, was die Einrichtung und Ausrüstung angeht, nicht aber beim eigentlichen Schutz. Beide Schutzbauten bieten den gleichen Schutz.»

Die Kosten für die Umnutzung und den Rückbau belaufen sich auf rund 75'000 Franken und werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz übernommen.

Kostengünstig zu mehr Schutzräumen

Im unteren Fricktal handelt es sich um die erste Umnutzung dieser Art, weitere sind geplant. Im oberen Fricktal hat man derweil schon Erfahrung damit, wie Raphael Lemblé, Kommandant der ZSO Oberes Fricktal sagt. «Umnutzungen gab es in Wittnau, Kaisten und Herznach.» Grund dafür sei, dass der Bund die Zivilschutzanlagen schweizweit dezimiert. Lemblé erklärt:

«Diese gehen an die Gemeinden als Eigentümer zurück und werden – was Sinn macht – zu öffentlichen Schutzräumen umgebaut.»

Auch Beat Bühler hält die Umnutzung für sinnvoll. «Die ZSO benötigt die Räumlichkeiten nicht mehr und kann sie abgeben und die Gemeinde kommt kostengünstig zu mehr Schutzräumen.» Kaisten etwa hat damit gute Erfahrungen gemacht. Hier wurden durch eine Umnutzung auf einen Schlag 150 Schutzplätze geschaffen. Gemeindeschreiber Manuel Corpataux sagt:

«Das wirkte sich entsprechend positiv auf die Schutzraumbilanz aus.»