Zeihen
Zeiher wollen nicht abwarten, sondern handeln

Die kleine Energiestadt vermarktet den Solarstrom vom Dach des Forstwerkhofs Homberg-Schenkenberg selber.Sollte die Nachfrage weiter steigen, könnte schon bald eine weitere Anlage geplant werden.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Prominente Lage direkt an der Bahnlinie Basel - Zürich
8 Bilder
Solarstromkunden auf dem Dach
Noch unklar ist die Verschmutzung der Module durch den Bahnverkehr
Von unten ist die Anlage kaum sichtbar
Strombezüger besuchen die Photovoltaikanlage beim Forswerkhof
Die Anlage produziert seit Ende August Strom
Hier entsteht unser Solarstrom
Angewinkelte Module für einen optimalen Wirkungsgrad

Prominente Lage direkt an der Bahnlinie Basel - Zürich

Claudia Meier

Weniger als ein Jahr ist es her, dass die Gemeindeversammlung in Zeihen den Kredit von 200 000 Franken für den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Forstwerkhofs Homberg-Schenkenberg guthiess. Die Anlage produziert bereits seit Ende August Strom, ganz nach dem Motto: Zeiher Solarstrom - aus dem Dorf für das Dorf. Am Samstag wurde das eigene Kraftwerk eingeweiht.

Kunden aus dem Dorf

Das Thema Energiestrategie 2050 und der Wunsch, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen, gebe viel zu reden und werfe unzählige Fragen auf, so Rolf Kern, Präsident der Energie- und Umweltkommission (EUK) Zeihen. Die Behandlung von Gesuchen für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) dauere bekanntlich Jahre.

Solange wollte die 1000-Seelen-Gemeinde Zeihen nicht warten. «Wir bekundeten zusammen als Energiestadt den Willen, eine Anlage zu realisieren», sagt Kern. «Und wir fanden Stromkunden im Dorf, die bereit sind, mehr zu bezahlen.» Die EUK klärte im Vorfeld die Nachfrage nach Solarstrom aus dem Dorf ab.

Direkt an der Bözberg-Bahnlinie

Die neue Photovoltaikanlage hat eine Leistung von 29,9 Kilowatt-Peak. Die Bauleitung lag bei der Elektrakommission Zeihen. Mitglied Pius Bussinger erklärte den Entstehungsprozess. Die 122 Solarmodule wurden diagonal und angewinkelt auf dem Dach des Forstwerkhofs montiert, um einen optimalen Wirkungsgrad zu erreichen. Die Anlage liegt auf der gleichen Höhe wie die Bahnlinie Basel - Zürich. Unzähligen Zugreisenden dürfte die ungewohnte Anordnung der Solarmodule auffallen.

Bussinger scheute keinen Aufwand den Bau bis in alle Details sorgfältig zu planen. So zeigte sich im Prozessverlauf etwa, dass mit einem Abstand von zwei Metern zwischen Dachrand und Anlage auf die Installation eines teuren Geländers verzichtet werden kann.

Die Gesamtkosten liegen mit rund 130 000 Franken weit unter dem Budget. Der Strom wird mit dem Label «Naturmade Star» zertifiziert und mit einem Aufpreis von 30 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) an Stromkonsumenten in der Region verkauft. Von der zu erwartenden Jahresproduktion von etwa 29 000 kWh konnten bereits 24 500 kWh vermarktet werden. Zu den Solarstrombezügern gehört auch die Gemeinde Zeihen, die fix 3000 kWh pro Jahr bezieht und als Puffer die unverkaufte Mengen übernehmen wird. Die gesamte Stromproduktion kann im Internet tagesaktuell mitverfolgt werden.

Kleiner Beitrag zur Energiewende

«Diese Anlage ist ein Projekt, das Freude macht», sagt der zuständige Gemeinderat Patrik Meier. «Alles ging sehr schnell über die Bühne. Bei grosser Nachfrage realisieren wir eventuell ein weiteres Projekt.» Die Rede ist von einer neuen Scheune neben dem Forstwerkhof. Auf dessen Dach könnte es eine weitere Anlage geben. Auch Peter Deiss von der Finanzkommission ist sehr zufrieden mit dem Projekt: «Unsere Forderung, sich bei den Baukosten an den Richtwert des Bundes zu halten, wurde voll erfüllt.»

Deiss unterstützt die lokale Solarstromproduktion auch als Bezüger für sein Kleinunternehmen: «Ich habe keine eigene Anlage.» Bei Leopold Loretan tönt es ähnlich: «Ich bin für den Ausstieg aus der Kernenergie. Der Bezug von Zeiher Solarstrom ist einfacher als die Installation einer eigenen Anlage.». Daniela Hossli sieht den Bezug von Solarstrom einerseits als wichtigen Beitrag zur Förderung erneuerbarer Energien. Andererseits ist sie der Meinung, dass der Solarstrom für alle ins Netz einfliessen und - unter Berücksichtigung der Mehrkosten - allen Bezügern standardmässig angeboten werden sollte.