Handwerk

Zeiher Strohflechterinnen lieferten einst nach Wohlen – nun wollen sie einen Award gewinnen

Elisabeth Glaser zeigt die Zwirn- oder Drähtlimaschine, die im 19. Jahrhundert fürs Strohflechten gebraucht wurde.

Elisabeth Glaser zeigt die Zwirn- oder Drähtlimaschine, die im 19. Jahrhundert fürs Strohflechten gebraucht wurde.

Der Jurapark verleiht den ersten Gemeinde-Award – Zeihen steigt mit einem alten Handwerk ins Rennen.

Der Jurapark Aargau verleiht in diesem Jahr den ersten Gemeinde-Award. 18 der 28 Parkgemeinden nehmen teil und präsentieren sich drei Wochen lang in einem Schaufenster in der Laufenburger Altstadt. Die Fenster geben dabei den Rahmen vor, inhaltlich sind den Gemeinden keine Grenzen gesetzt, wie sie das Fenster bespielen wollen. Historische Zeugen könnten ebenso präsentiert werden wie aktuelle Kunst, politische Brennpunkte, Brauchtum, typische Produkte oder lokales Handwerk.

Die Gemeinden nutzen diesen Freiraum. Biberstein etwa zeigt in Zusammenarbeit mit einer Firma, die sich der visuellen Vermittlung wissenschaftlicher Aspekte verschrieben hat, Fotos von einst und heute. In Wegenstetten ist die Jugendgruppe Salimander für das Fenster verantwortlich und widmet sich den Fledermäusen und Zeihen setzt auf altes Handwerk.

Geflechte wurden als Halbfabrikate verkauft

«Die Gemeinde hat uns angefragt, ob wir das Schaufenster bespielen würden», sagt Elisabeth Glaser von der Kulturkommission. Die Kommissionsmitglieder setzten sich zusammen und entschieden letztlich, die Gelegenheit zu nutzen und ein altes Handwerk einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren: das Stroh- oder Rädliflechten.

«Mitte des 19. Jahrhunderts war die Landwirtschaft praktisch die einzige Erwerbsquelle für die Zeiher Bevölkerung», sagt Glaser. Die Frauen hätten sich deshalb nach Heimarbeit umgesehen – und waren froh, dass sie den Wohler Strohfirmen Halbfabrikate liefern konnten. So hielt das Strohflechten in Zeihen Einzug und wurde beliebt. Fast zu beliebt: Wie Schulpflegeprotokolle von 1851 zeigen, beklagten sich Lehrpersonen über zunehmende Krankmeldungen von Kindern, die von den Eltern daheim behalten wurden, um zu flechten.

Maschinen und Hilfsmittel aus dem 19. Jahrhundert

Im Schaufenster zeigt die Kulturkommission Zeihen nun alte Maschinen, die für das Flechten gebraucht wurden. Eine Strohpresse etwa oder auch eine sogenannte Zwirnmaschine, in der das Stroh zu feinen Schnürli gedreht wurde. Und natürlich dürfen die Hartholz-Rädli nicht fehlen, die dem Rädliflechten ihren Namen gegeben haben. Sie wurden mit einer Schraubzwinge am Tisch befestigt, wie Elisabeth Glaser erklärt. Rechts und links waren Nägel eingeschlagen, um welche schliesslich die Stroh-Schnürli geflochten wurden. «Viele Zeiher Familien hatten noch solche Rädli zu Hause und haben sie uns zur Verfügung gestellt», so Glaser.

Und so hat die Zeiher Kulturkommission nun alle «Zutaten» für ihr Gemeinde-Schaufenster zusammen. «Am kommenden Dienstag werden wir das Fenster einrichten», so Glaser. Die Eröffnung der Schaufenster-Aktion findet dann am Samstag, 17. August, statt.

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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