Zeihen
Die Zeiher wünschen sich ihren Bancomat zurück – die Frage, wer ihn bezahlen soll, sorgt aber für Diskussionen

Vor einem halben Jahr schloss die Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal ihr Beraterbüro in Zeihen – und entfernte gleichzeitig den Bancomaten. Das sorgte im Dorf für grossen Unmut. Nun soll die Gemeinde wieder einen Bancomaten erhalten, aber nur, wenn sie einen Teil der Kosten übernimmt. Damit sind nicht alle einverstanden.

Simon Widmer
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Christian Probst, Gemeindeammann von Zeihen, vor dem ausgewählten Platz für den geplanten Bancomaten.

Christian Probst, Gemeindeammann von Zeihen, vor dem ausgewählten Platz für den geplanten Bancomaten.

Bild: Simon Widmer

«Ein Bancomat gehört in unser Dorf!» Dieser Satz von Ridvan Veseli (64) trifft den Konsens der Zeiher Bevölkerung ziemlich genau. Ein halbes Jahr ist es her, dass die Raiffeisenbank ihr Besprechungszimmer in Zeihen aufgelöst und den Bancomaten zurückgebaut hat. Damals war die Empörung gross und führte zu hitzigen Diskussionen an der Gemeindeversammlung.

In der Zwischenzeit hat sich aber einiges getan, weshalb am kommenden Freitag nun an der nächsten Versammlung darüber abgestimmt werden soll, ob es wieder einen Automaten gibt – mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde.

Ridvan Veseli (64).

Ridvan Veseli (64).

Bild: Simon Widmer

Nur Gemeindehaus kommt infrage

«Wir waren schon vor der letzten Gemeindeversammlung im Gespräch mit der Raiffeisenbank», sagt Christian Probst, Gemeindeammann von Zeihen. Es seien verschiedene Lösungsansätze im Raum gestanden, darunter eine Integrierung eines Bancomaten im Volg und die Möglichkeit auf Bargeldbezug auf der Gemeindeverwaltung.

Schlussendlich habe man sich aber für einen Bancomaten beim Gemeindehaus entschieden. Probst erklärt: «Die Gemeindeverwaltung ist abends nur bis 17 Uhr und am Wochenende gar nicht geöffnet, da ist ein Geldbezug dort keine Alternative zu einem Bancomaten. Der Volg kam nicht infrage, da wir keinen Konkurrenzkampf mit der Postfinance erzeugen wollten.»

Wer soll zahlen?

Einig sind sich alle: Es soll wieder einen Bancomaten geben. Die Frage ist nur, wer ihn bezahlt. Die Meinungen unter den Einwohnern gehen auseinander. Ridvan Veseli etwa meint:

«Die Gemeinde ist dafür da, sich um das Wohl ihrer Bürger zu kümmern. Dafür zahle ich schliesslich auch Steuern. Da kann sie sich auch am Bancomaten beteiligen.»

Dies findet auch Marc Brändle (44). Er wohne zwar erst seit zwei Monaten in Zeihen, doch er würde einen Bancomaten – auch wenn er mit Steuergeldern mitfinanziert wird – sehr begrüssen.

Anita Herzog (47).

Anita Herzog (47).

Bild: Simon Widmer

Einer ganz anderen Meinung hingegen ist Anita Herzog (47). Sie findet:

«Ein Bancomat ist eine gute Sache. Doch die Gemeinde soll das nicht finanzieren, die Bank muss schauen, dass ihre Kunden zufrieden sind.»

Was im Dorf auch Fragen aufwirft, ist die Tatsache, dass man im Grundsatz genau die gleiche Einrichtung, die man vor einem halben Jahr abgerissen hat, nun wieder aufbaut. Stattdessen hätte man die alte Anlage weiter nutzen können, da man auch beim jetzigen Vorschlag nur einen Occasion-Bancomaten einbauen würde, ist zu hören.

Die Gemeindeversammlung entscheidet

An der Gemeindeversammlung am Freitag wird darüber abgestimmt, ob die Gemeinde die Kosten für einen Einbau eines Occasion-Bancomaten in das Gemeindegebäude mit 20'000 Franken für die Umbaukosten sowie jährlich 1'000 bis 1'500 Franken für Strom übernimmt.

Die Raiffeisenbank würde 30'000 Franken für den Bancomaten und die Einbaukosten sowie sonstige Kosten übernehmen und jährlich 15'000 Franken für den Unterhalt bezahlen. Für den Einbau ist die Räumlichkeit der sowieso praktisch unbenutzten Aussentoiletten des Gemeindehauses angedacht.