Fricktal

Zebrastreifen: Gefahr droht wegen unterschiedlicher Ursachen

Anspruchsvolle Situation: Fussgängerstreifen beim Drei Könige in Rheinfelden erfordert volle Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmern.

Anspruchsvolle Situation: Fussgängerstreifen beim Drei Könige in Rheinfelden erfordert volle Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmern.

Der Bund hat es abgelehnt, den Fussgänger wieder mehr für ihre Sicherheit am Fussgängerstreifen sorgen müssen. Doch was sagen Polizei, Fahrlehrer und die Beratungsstelle für Unfallverhütung zur Situation?

Zwei Personen unterhalten sich am Strassenrand. Eine betritt plötzlich den Fussgängerstreifen. Jemand geht über die Strasse mit Kopfhörer in den Ohren und achtet kaum auf den Verkehr. Ein anderer wiederum lässt den Blick nicht von seinem Handy – er riskiert Kopf und Kragen auf der Strasse. Mit solchen oder ähnlichen Situationen sind motorisierte Verkehrsteilnehmer oft konfrontiert.

Das sollte nach Meinung der Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger anders werden. Doch der Bundesrat hat ihre Motion abgelehnt, die verlangte, es sei dafür zu sorgen, dass Fussgänger zu ihrer Sicherheit auf dem Fussgängerstreifen wieder selber beitragen müssen.

Die az hat sich bei einem Fahrlehrer, der Polizei und der Beratungsstelle für Unfallverhütung erkundigt, wie sich die Situation um das Thema Fussgängerstreifen in der Region präsentiert.

«Die Situation ist problematisch, seitdem die Fussgänger beim Überqueren der Strasse kein Handzeichen mehr geben müssen», sagt Daniel Leutenegger, der in Möhlin eine Auto- und Motorradfahrschule führt.

Er rät seinen Fahrschülern zur Bremsbereitschaft im Bereich von Fussgängerstreifen. «Und wenn man nicht sicher ist, ob jetzt die Person auf dem Trottoir über die Strasse gehen will oder nicht, ist das Fahrzeug im Zweifelsfall anzuhalten.»

Denn ungefährlich sei das Überqueren der Strasse auch auf einem Fussgängerstreifen nicht. Leutenegger hat festgestellt, dass an der Salinenstrasse in Rheinfelden ein Fussgängerstreifen derart unübersichtlich platziert ist, dass ein Autofahrer einen Fussgänger erst erblickt, wenn dieser hinter der Hausmauer auftauche.

«Besonders heikel sind Fussgängerstreifen bei Bushaltestellen, wie zum Beispiel bei der Reha in Rheinfelden. Jener Streifen befindet sich hinter der Haltestelle und ist nicht signalisiert», sagte Leutenegger. «Die Übersicht dort ist gleich null.»

Vom Bahndamm auf die Strasse

Ein weiteres Beispiel eines gefährlichen Fussgängerstreifens befindet sich bei der Fussgängerunterführung am Bahndamm in Möhlin, wo die Fussgänger direkt an die Strasse gelangen. «Wenigstens ist vor dem Zebrastreifen eine Abschrankung montiert», sagt Leutenegger, dem auch aufgefallen ist, dass die beiden Fussgängerstreifen beim Pausenplatz des Möhliner Schulhauses Obermatt nicht signalisiert sind. «Das ist sehr heikel», findet der Fahrlehrer.

Wer in Frick vom Oberdorf in die Kaistenbergstrasse abbiegen will, sieht sich oft unvermittelt Fussgängern gegenüber, da der Streifen etwas verdeckt ist.

Wer in Frick vom Oberdorf in die Kaistenbergstrasse abbiegen will, sieht sich oft unvermittelt Fussgängern gegenüber, da der Streifen etwas verdeckt ist.

Bereits im Verkehrskundeunterricht mache er deshalb darauf aufmerksam, dass bei Fussgängerstreifen stets erhöhte Aufmerksamkeit gefordert ist. Aus Sicht des motorisierten Verkehrsteilnehmers appelliert er an die Fussgänger: «Nehmt die Kopfhörer ab und macht die Augen auf, bevor ihr die Strasse überquert.» Der Möhliner Fahrlehrer plädiert für die Wiedereinführung des Handzeichens für Fussgänger an Zebrastreifen.

Werner Bertschi, Chef der Polizei Oberes Fricktal, sagt: «Für alle Verkehrsteilnehmer heisst es, im Bereich eines Fussgängerstreifens besonders aufmerksam zu sein. Das gilt für motorisierte Verkehrsteilnehmer, aber auch für Fussgänger.»

Grundsätzlich hätten Fussgänger auf einem Fussgängerstreifen Vortritt und die übrigen Verkehrsteilnehmer müssten diesen den Vortritt gewähren. Motorisierte Verkehrsteilnehmer sollen vor einem Fussgängerstreifen immer ganz anhalten – alle Räder müssen still stehen.

«Auf keinen Fall darf im Bereich eines Fussgängerstreifens überholt werden.» Fussgänger, die am Fussgängerstreifen warten, sollen sich vor dem Betreten der Fahrbahn immer vergewissern, dass der Fahrzeuglenker sie wahrgenommen hat. «Dies klappt am besten mit Blickkontakt zwischen Fussgänger und Fahrzeuglenker», so Bertschi.

Welche Unsitten haben sich an Fussgängerstreifen bei Fussgängern eingebürgert? Dazu Bertschi: «Wenn man von Unsitten sprechen kann, dann sind es vor allem Fussgänger, die im Bereich von Fussgängerstreifen stehen, den Fussgängerstreifen aber nicht überqueren möchten.

Dies führt dazu, dass Fahrzeuglenker vergeblich anhalten und sich dann verständlicherweise ärgern.» Es kommt laut Bertschi auch immer wieder vor, «dass Fussgänger trotz vorhandenem Fussgängerstreifen die Strasse nicht auf dem Fussgängerstreifen überqueren.»

«Tendenziell können wir keine Häufung von Unfällen auf Fussgängerstreifen in der Region feststellen», sagt Bertschi. «Generell kann man sagen, dass bei viel befahrenen Strassen mit Fussgängerstreifen ohne Mittelinsel auf beiden Seiten besondere Vorsicht angezeigt ist.»

Für Daniel Menna, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung, ist Unaufmerksamkeit bei Unfällen auf Fussgängerstreifen der Hauptgrund: «In der Regel werden Fussgänger von Fahrzeuglenkern übersehen. Deshalb ist der Blickkontakt von grosser Wichtigkeit.»

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