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Zahlen Sie noch oder App-en Sie schon?

Das elektronische Portemonnaie hält auf den Gemeindekanzleien Einzug: Obermumpf hat es bereits eingeführt, Oeschgen und Laufenburg folgen.

Das elektronische Portemonnaie hält auf den Gemeindekanzleien Einzug: Obermumpf hat es bereits eingeführt, Oeschgen und Laufenburg folgen.

Auf den ersten Gemeindekanzleien im Fricktal hält das elektronische Portemonnaie Einzug. Wo und wo nicht, lesen Sie hier.

Macht 40 Franken: Wer bei der Gemeinde eine Dienstleistung kauft, etwa eine SBB-Tageskarte, und diese mit EC- oder anderem Plastikgeld bezahlen will, staunt bisweilen nicht schlecht: 19 der 35 Gemeinden im Fricktal akzeptieren keine Karten (siehe Tabelle). Bei ihnen gilt die Devise: Nur Bares ist Wahres.

Die Gemeinde-Übersicht

«Wir haben keine elektronischen Zahlungsmittel im Einsatz, weil sich die Kosten bei rund einem Dutzend Kassabewegungen nicht lohnen», erklärt Gianni Profico, Gemeindeschreiber von Zeihen, die Bargeldstrategie. Meist sind es kleinere Gemeinden, die auf Kartenzahlungen verzichten. Eine Ausnahme ist Gipf-Oberfrick: Auch hier gibt es kein Kartenterminal. «Weil in unserer Gemeinde für Wohnsitzbescheinigungen und andere Bestätigungen vom Bürger keine Gebühren verlangt werden, halten sich die Transaktionen in Grenzen.»

Zudem befinde sich ein Bancomat in unmittelbarer Nähe. Aus diesen Gründen «haben wir bisher auf die Möglichkeit, mit Kreditkarten zu bezahlen, verzichtet, weil dies relativ kostenintensiv ist». Auch Profico verweist, hat jemand nicht genug Bargeld dabei, auf den nahen Bancomaten. «Dabei zeigen die Leute Verständnis, dass sie bei uns nicht mit Kreditkarte bezahlen können.»

Oeschgen ist bereit

Dort, wo sie es könnten, ist es bisweilen nicht einmal ein grosses Bedürfnis. In Sisseln beispielsweise gibt es pro Woche rund 10 bis 15 Transaktionen; nur eine davon wird per EC bezahlt. Ganz anders in Mettauertal: Hier schätzt Priska Meyer, Leiterin Finanzen, den Kartenanteil auf 33 Prozent.

Einen ganz anderen Weg geht Oeschgen. «Wir führen in den nächsten Tagen das digitale Portemonnaie ein», erklärt Gemeindeschreiber Roger Wernli. «Twint» heisst die imaginäre Geldbörse und ist eine App fürs Handy. Man lädt ein Guthaben hoch und zahlt dann am Schalter oder im Laden bargeldlos. «Bislang konnten unsere Einwohner nur bar bezahlen», erklärt Wernli. «Wir wollen ihnen eine Alternative bieten.»

Eine, welche die Gemeinde deutlich günstiger zu stehen kommt, als die Kommissionen, die sie den Kartenfirmen abliefern müssen. Auch deshalb sagen 14 der 35 Gemeinden: Das digitale Portemonnaie ist eine Option, wenn es sich bewährt. «Sobald wir solche Zahlungen mit unseren Programmen abwickeln können, sind wir dieser Möglichkeit gegenüber offen», sagt etwa Josef Bernet, Leiter Finanzen in Frick. In Magden, so Gemeindeschreiber Michael Widmer, sei man bestrebt, der Bevölkerung ein attraktives Dienstleistungspaket zu bieten, wozu auch moderne Zahlungsformen gehören.

Obermumpfer waren die Ersten

Für Urs Treier hängt eine Einführung von der Nachfrage ab und für Heribert Meier, Gemeindeschreiber von Sisseln, ist es auch eine Frage des Supports: «Sollte der Kanton dies unterstützen und eine App zertifizieren, ist dies auch für uns denkbar.»
Die Denkphase bereits abgeschlossen hat dagegen Obermumpf. Die Gemeinde hat «Twint» vor rund einem Monat eingeführt – als erste Kommune im Fricktal. Als dritter Ort wird Laufenburg das digitale Portemonnaie «in Kürze» einführen, so Roland Obrist, Leiter Finanzen in Laufenburg.

Skeptischer sieht es Gianni Profico. Er glaubt nicht, dass das digitale Portemonnaie derzeit am Schalter einer Landgemeinde ein grosses Bedürfnis ist. «Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft und versuchen, diese Dienstleistungen so gut wie möglich anzubieten.» Auch Susanne Siegrist, Leiterin Finanzen in Schupfart, erachtet den Zahlungsverkehr – pro Monat gibt es auf der Gemeindekanzlei in Schupfart 10 bis 15 Transaktionen – als zu gering, um ein digitales Portemonnaie einzuführen.

Als Alternative bleibt die Rechnung. Diese Bezahlform bieten zwar 15 der 35 Gemeinden an, bei den meisten heisst es aber: «Im Ausnahmefall» oder «bei grösseren Beträgen». Eine Ausnahme von der Ausnahme gibt es: die Hundesteuer. Diese ziehen heute sämtliche Gemeinden per Rechnung ein.

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