Rheinfelden

Zahlen für den Bus oder spazieren gehen?

Ein Ärgernis: uneinheitliche Tarife beim zwischen Rheinfelden und Deutschland.

Zahlen oder spazieren gehen

Ein Ärgernis: uneinheitliche Tarife beim zwischen Rheinfelden und Deutschland.

An der alten Rheinbrücke scheiden sich die Tarifgeister. Wer über die alte Rheinbrücke will, muss entweder 1.70 Euro oder 2.70 Franken bezahlen.

Der grenzüberschreitende Stadtbusverkehr zwischen den beiden Rheinfelden erhält viel Lob und wird als modellhaft im öffentlichen Verkehr angesehen. Allerdings gibt es auch tarifliche Ungereimtheiten, die manchen potenziellen Passagier verärgern.

Die ältere Dame steht mit zwei Einkaufstaschen an der Haltestelle Untere Marktgasse beim Hotel Schiff und möchte wieder hinüber ins Badische. Sie denkt nichts Böses, weil sie ja ein Job-Ticket vom Regio-Verkehrsverbund Lörrach (RVL) im Sack hat. Doch das gilt hier nicht auf Schweizer Territorium. Konsequenz: Entweder 1.70 Euro für den Trip über die alte Rheinbrücke dem Buschauffeur hinklempern oder aber die 200 Meter vollbepackt zu Fuss über die Brücke bis zum alten deutschen Zollamt und dort in den Bus zum Bahnhof einsteigen. Weil erst dann wieder ihr Ticket gilt.

In umgekehrter Richtung verhält es sich übrigens gleich. Nur mit einem Billett vom Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) darf das Stadtbusnetz in der Zähringerstadt benutzt werden. Einzelpreis 2.70 Franken. Ansonsten Endstation alte Rheinbrücke. Entweder zahlen oder einen kleinen Spaziergang absolvieren.

Stadtschreiber Roger Erdin kennt die Problematik. Die Idee sei schon vorhanden gewesen, einen grenzüberschreitenden Tarif zu schaffen. Aber es gebe nun mal zwei unterschiedliche Organisationen; und Betreiberin der Stadtbuslinie sei die Südbaden Bus GmbH. Sie hatte nämlich im März vor zwei Jahren die Konzession erhalten, mit der grenzüberschreitenden Tour auch das schweizerische Rheinfelden tagsüber im Halbstundentakt zu bedienen. Eigentlich eine optimale und vom Prinzip her gut funktionierende Lösung, auch aus Sicht des Stadtschreibers.

Seine Kollegin im badischen Rathaus, Hauptamtsleiterin Ingrid Assfalg, sieht die Schwierigkeiten eher bei den Tarifverbünden. Als Fortschritt wertet sie jene Vereinbarung, dass Behindertenausweise auf der Stadtbuslinie gegenseitig anerkannt werden.

In zwei Betriebsjahren liess sich die Fahrleistung des Busses von 64 710 auf 143 000 Kilometer steigern, was vor allem mit Streckenoptimierungen zusammenhängt. Im vergangenen Jahr nutzten knapp 170 000 Passagiere den Bus; allein auf dem Schweizer Netz fuhren fast 80 000 Personen. Die Statistik für 2010 liegt noch nicht vor. Dass die grenzüberschreitende Verbindung ein Zuschussgeschäft ist, wissen die Rathausverantwortlichen in beiden Rheinfelden. Die Gesamtkosten beliefen sich 2009 auf rund 645 000 Euro, die Einnahmen aus dem Billettverkauf erreichten gegen 200 000 Euro. Zur Defizitabdeckung flossen 154 000 Euro aus der Zähringerstadt an die Busbetreiber.

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