Mumpf

Yannick Käser gibt vollen Einsatz für eine Topzeit in Tokio

Noch sitzt Yannick Käser entspannt auf dem Startblock – in vier Jahren will er in Tokio top vorbereitet auf dem Startblock stehen. mf

Noch sitzt Yannick Käser entspannt auf dem Startblock – in vier Jahren will er in Tokio top vorbereitet auf dem Startblock stehen. mf

Yannick Käser hat bereits Olympia 2020 im Kopf – für sein Ziel trainiert er 26 Stunden pro Woche.

Zwei Starts an den Olympischen Spielen in Rio, zweimal im Vorlauf ausgeschieden, zweimal den eigenen Schweizer Rekord nicht unterboten: Schaut man sich die nackten Resultate an, hat der Mumpfer Schwimmer Yannick Käser seine Ziele nicht erreicht. Und doch ist die erste Enttäuschung etwas gewichen. «Klar, ich hatte mehr erwartet», sagt Käser mit etwas Abstand im Schwimmbad in Frick, wo er einst seine ersten Trainingsbahnen schwamm. «Aber, ich kann mit den Zeiten halbwegs zufrieden sein.» Es seien immerhin jeweils seine zweitbesten Zeiten. Und: «Alle Teilnehmer wollten in Rio persönliche Bestzeit schwimmen», sagt Käser, «90 Prozent haben es nicht geschafft.»

Zurück in der Schweiz

Viele Spitzensportler denken in Vier-Jahres-Zyklen. Und so heisst es auch bei Yannick Käser: Nach den Olympischen Spielen ist vor den Olympischen Spielen. «Ich möchte meinen Karrierehöhepunkt in vier Jahren an den Olympischen Spielen in Tokio erleben», sagt er.

Die Vorbereitung darauf wird anders ausschauen als während der letzten vier Jahre. Von 2012 bis 2016 hat Käser in den USA Marketing und Management studiert – mit einem Vollstipendium der University of Virginia in Charlottesville. Er schwärmt von der Infrastruktur und den Trainingsbedingungen: Fünf Coaches für das 50-köpfige Schwimmteam, zusätzlich Physiotherapeuten und Ernährungsberater. «Solche Bedingungen findet man in der Schweiz nicht.» Und doch war es anspruchsvoll und anstrengend, das Studium und das Schwimmen unter einen Hut zu bringen.

Den neuen Zyklus nimmt Käser in der Schweiz in Angriff. Zunächst in der Spitzensport-RS. Will er als Profi leben, braucht Käser zusätzliche Sponsoren. Schwierig sei es, solche zu finden, sagt Yannick Käser. «Schwimmen ist in der Schweiz eher eine Randsportart. Und viele Firmen unterstützen lieber Teams als Einzelsportler.» Klagen will er aber nicht. «Dank der Unterstützung von Swiss Olympic, der Schweizer Sporthilfe und des Kantons Aargau kann ich meine Auslagen fürs Schwimmen decken.» Darüber hinaus wird er von privaten Sponsoren unterstützt.

«Es ist für mich auch vorstellbar, dass ich Erfahrungen im Job sammle oder als Sportsoldat arbeite», sagt Käser. Klar ist aber: «Ich will mich hauptsächlich aufs Schwimmen konzentrieren», so Käser. Dafür benötigt er 24 bis 26 Stunden Training pro Woche in Schwimmbecken und Kraftraum. Hinzu kommen Physiotherapie und Regenerationszeit.

Drei bis vier Sekunden liegen drin

«Ich weiss, woran ich arbeiten muss», sagt Yannick Käser, «an den Starts und an den Wenden.» Auch beim Kraft- und Muskelaufbau liege noch etwas drin. Und: «Ich habe nicht bereits mit acht Jahren angefangen, intensiv zu trainieren, deshalb fehlen mir im Vergleich mit Konkurrenten schlicht Trainingsstunden und Trainingskilometer.» Abspulen will er seine Kilometer künftig wieder bei seinem Club, den Limmat Sharks in Zürich. «Und vielleicht kann ich ja doch nochmals für ein Jahr in die USA und dort meinen Master machen und daneben von der guten Infrastruktur profitieren.»

Und welche Zeiten peilt er an? «Über die 200 Meter Brust könnte eine Steigerung um drei bis vier Sekunden drinliegen», so Käser. Ein ambitioniertes Ziel wie zwei Vergleiche zeigen. In Rio schwamm Käser 1,7 Sekunden schneller als vier Jahre zuvor in London. Und: Mit einer vier Sekunden schnelleren Zeit, hätte er fast im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitreden können und Rang vier belegt.

«Ich habe in meiner Karriere immer wieder grössere Sprünge innerhalb eines Jahres gemacht», sagt Käser. Und um mit der Konkurrenz mithalten zu können, brauche es ohnehin eine Steigerung. «Die absoluten Top-Zeiten waren dieses Jahr etwas langsamer als im Vorjahr, dafür wurde die Breite dahinter schneller.»

Kommen die Topzeiten auch mit unlauteren Mitteln zustande? Doping war in Rio schliesslich auch im Schwimmen ein Thema. «Es gibt Athleten, die erwiesenermassen schon gedopt waren», so Käser. Bei der einen oder anderen Leistung habe man dann schon seine Bedenken. «Es sollte deshalb in Sachen Kontrollen etwas passieren, damit wieder faire Bedingungen herrschen.»

Käser will seine Leistungen sauber erbringen. Nach den Ferien steigt er wieder ins Training ein. Vier Jahre Arbeit stehen bevor, um auf dem Startblock in Tokio am Tag X bereit zu sein.

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