Die Stadtgeiss von Rheinfelden ist nicht verhungert, sondern in sehr hohem Alter an Wurmbefall gestorben: Mit diesem Befund hat das kantonale Veterinäramt am Montag Entwarnung gegeben. Doch die Auseinandersetzungen um die Haltung der Zwergziegen gehen weiter. Die Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen will ein eigenes Gutachten erstellen.

«Meine Expertise wird anders ausfallen als jene des Veterinäramts», sagt Marianne Brunner, Leiterin der im Schanfigg beheimateten Forschungsstation. Sie zweifelt an den Aussagen des Veterinäramts. «Ein leichter Wurmbefall führt nie zum Tod», erklärt Brunner. Und wenn es sich um einen leichten Befall mit Parasiten handle, seien keine Entwurmungen nötig.

Von Besuchern gefüttert

Die 2002 gegründete Forschungsstation, die weltweit einzige ihrer Art, wird laut Brunner ein unabhängiges Gutachten abliefern. Sie schreibe die Expertise aus eigener Initiative, betont Brunner. Ihr gehe es um das Wohl der Tiere. Die Ziegen-Expertin kennt nach eigenen Angaben die Rheinfelder Geissenherde seit 2001. Im Frühling 2008 sei der Kontakt mit Rheinfelden abgebrochen.

Schon damals waren sich die Tierpflegerin und der Geissenvater in die Haare geraten, weil ihre Ansichten über die Haltung der Zwergziegen weit auseinander gingen. Sie habe damals vorgeschlagen, die Tierpflegerin und den Geissenvater zusammenzuführen und beiden die richtige Pflege und Haltung beizubringen, so Marianne Brunner. Obwohl der Termin feststand, habe sie einfach nichts mehr gehört.

Früher seien die Tiere zu dick gewesen, und deswegen habe es immer wieder Probleme bei Geburten gegeben. Schuld daran seien die Besucher gewesen, die trotz Verbot die Geissen fütterten. Als Folge davon wurde der Futterplan angepasst. Dieser sieht im Winter zwei Ballen Heu pro Woche vor, von Frühling bis Herbst maximal einen Ballen pro Woche.

Viel zu wenig, finden die Tierpflegerin Esther Senn und ihr Partner Ruedi Müller. Sie vertreten auch in einem Leserbrief diese Meinung. Der Geissenvater hüllt sich in Schweigen. Nach der Beurteilung der Forschungsstation reicht diese Futtermenge bei dieser Haltung auf einer kleinen Weide nicht aus.

Derweil überlegt sich die Stadt, wie der Streit beendet werden kann. «Es bedarf nun der nötigen Gespräche, um den Arbeitskonflikt zu analysieren und gegebenenfalls organisatorische Anpassungen bei der Betreuung der Geissen zu prüfen», erklärt Stadtschreiber Roger Erdin.

Entwarnung: Rheinfeldens Stadtgeissen werden nicht vernachlässigt

Die Sage von der fetten Geiss

Rheinfelden hält eine Geissenherde, weil die Tiere für die Stadt eine besondere Bedeutung haben. Während des Dreissigjährigen Kriegs belagerten die Schweden die Stadt und wollten sie aushungern. Einer alten Sage nach hüllte sich ein listiger Schneider in ein kunstvoll angefertigtes Geissenfell und lief meckernd auf der Stadtmauer hin und her. Die Schweden sahen das wohlgenährte Tier und fanden, die Belagerung habe keinen Sinn mehr, da die Rheinfelder noch im Besitz grosser Nahrungsreserven seien. Enttäuscht zogen sie ab. Rheinfelden war gerettet.