Coronavirus
Wunderle organisiert normalerweise das grenzüberschreitende Feuerwerk in Rheinfelden – nicht dieses Jahr

Mit der Absage des Rheinfelder Feuerwerks hat Klaus Wunderle aus Murg (D) zum Jahreswechsel 2020/21 erstmals ganz viel Zeit. Doch die wegen Corona verordnete Arbeitslosigkeit geht an die Substanz.

Hans Christof Wagner
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Klaus und Monika Wunderle vermieten neuerdings Feuerschalen.

Klaus und Monika Wunderle vermieten neuerdings Feuerschalen.

Horatio Gollin (Murg, 2. November 2020) Bild: hgr (31. Dez

Klaus Wunderle ist einer, der an Silvester eigentlich nie frei hat. Es ist einer, der zum Jahreswechsel normalerweise im Stress ist. Sein Beruf ist es, farbenfrohe und atemberaubende Effekte an den nächtlichen Himmel zu zaubern, den Betrachtern beim Blick nach oben «Ahs» und «Ohs» zu entlocken. Klaus Wunderle aus dem deutschen Murg, vis-a-vis von Kaisten gelegen, ist professioneller Pyrotechniker und berichtet auf Nachfrage der AZ: «Ich hatte noch nie so viel Zeit wie dieses Jahr.»

2019 gab es in Rheinfelden ein Feuerwerk.

2019 gab es in Rheinfelden ein Feuerwerk.

Horatio Gollin (Murg, 2. November 2020) Bild: hgr (31. Dez

Nun würde Wunderle liebend gerne arbeiten. Aber weil sämtliche öffentliche Silvester-Feuerwerke wegen Corona abgesagt sind, darunter das in Rheinfelden, erlebt er eine behördlich verordnete Zwangspause. In der Region hat Wunderle schon drei Mal das grenzüberschreitende Feuerwerk in Rheinfelden inszeniert: 2020 wäre es das vierte Mal gewesen. Dass nichts daraus wird, wusste er schon seit Monaten. So hat er für dieses, eben nicht normale Jahr, bei seinem Lieferanten erst gar nichts für die öffentliche Pyroshow eingekauft.

«Verdirbt ja nicht»

Dennoch fuhr er die 600 Kilometer von Murg nach Wuppertal, dem Sitz des Lieferanten, um sich dort mit Böllern, Raketen und Batterien einzudecken. Mitgefahren ist die Hoffnung, mit deren Verkauf an private Kunden – Wunderle betreibt das seit rund 20 Jahren – Einnahmen erzielen zu können. Doch auch diese Hoffnung wurde enttäuscht. «Kaum wieder zu Hause in Murg, zwei Tage nach dem Ausladen, erfuhr ich vom Verbot des Verkaufs von Feuerwerk an Privatleute in Deutschland», berichtet er. Jetzt sei er mit dem Händler in Verhandlungen, ob eine Rückgabe der Ware in Frage kommt. Womöglich könnte er sie auch bis 2021 aufbewahren. «Verdirbt ja nicht», sagt er und lacht. Auf den zehn Prozent Stornokosten, den Ausgaben für Werbung und den Spesen für die Fahrt nach Wuppertal aber bleibe er in jedem Fall sitzen.

«Im Moment leben wir in den Tag hinein. Wir verbringen die Zeit damit, aufzuräumen, Neues auszuprobieren, uns weiterzubilden», sagt der 65-jährige Deutsche.

Neujahrswünsche endlich mal direkt an Mitternacht

Wie er und Ehefrau Monika 2020 Silvester feiern bei der vielen Musse, die sie derzeit haben, wissen sie noch nicht. Er könnte sich ein schönes Abendessen zu zweit vorstellen. Und um Punkt Mitternacht hätten sie dann, zum ersten Mal wieder seit Jahren, Gelegenheit, auf ein «Gutes Neues» anzustossen, was sonst der Arbeit wegen erst im weiteren Verlauf des Neujahrstages möglich war. Aber so richtig entspannt können die beiden nicht sein. Mischt sich doch der Abschied von einem für sie düsteren 2020 mit der Aussicht auf ein 2021, in dem wohl noch immer vieles abgesagt bleiben wird, auch in der Event- und Konzertbranche, für die Wunderle als zweites Unternehmensstandbein Licht- und Tontechnik bereitstellt.

Klaus Wunderle: «Wir wissen für 2021 noch gar nichts.» Was er mit Sicherheit weiss: Die wegen Corona verordnete Arbeitslosigkeit geht an die Substanz: «Wir leben aktuell von privaten Rücklagen. Wir haben schon Fahrzeuge stillgelegt. Wir sparen, wo es nur geht.»