Wohnen
Teuer wie noch nie – und dennoch ist der Run aufs Einfamilienhaus im Fricktal ungebrochen

Die Preise für Wohnimmobilien kennen schon länger nur eine Richtung – nach oben. Und das vergangene Jahr hat die Preise noch einmal nach oben getrieben. Das zeigt der neue Aargauer Wohnmarkt-Bericht. Auch das Fricktal macht da keine Ausnahme. Fricktaler Immobilienmakler aber warnen: Wie lange können sich die Leute das noch leisten?

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen

In den eigenen vier Wänden zu wohnen, wird ein immer kostspieligerer Luxus. Zu dem Schluss kommt der neuste Aargauer Wohnmarkt-Bericht der Primus Property AG aus Aarau. Demnach sind die Verkaufspreise für Einfamilienhäuser im mittleren Segment auf einem neuen Rekordniveau angelangt. Innerhalb eines Jahres hätten sich Einfamilienhäuser im Aargau im Schnitt um 6,1 Prozent verteuert, heisst es darin – trotz Corona.

Mehr 1,4 Millionen Franken in und rund um Rheinfelden

Günstig, mit unter 1,1 Millionen Franken durchschnittlichem Transaktionspreis fürs Einfamilienhaus, ist es nur noch in 9 der 32 Fricktaler Gemeinden. Wirklich teuer, mit mehr 1,4 Millionen Franken, ist es in fünf Gemeinden: Rheinfelden, Kaiseraugst, Möhlin, Wallbach und Magden. Der grosse Rest liegt preislich dazwischen. Lukas Rüetschi von Remax Oberes Fricktal sagt:

«Noch 2020 ist prognostiziert worden, dass Corona zu einem Preisverfall führen wird. Das Gegenteil ist jetzt eingetreten.»

Tatsächlich hat die Pandemie noch mehr Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, hält der Aargauer Wohnmarkt-Bericht fest: Der Trend zum Homeoffice steigert den Raumbedarf und macht die Distanz zum Arbeitsort weniger wichtig. Heisst: Wer weniger oft aus dem Haus muss, für den kommt jetzt auch eine Liegenschaft in der Peripherie in Frage. Die Folge: Auch dort ziehen die Preise an.

«Vor Corona lag der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus bei mir bei rund einer Million, jetzt sind die 1,4 Millionen erreicht», bestätigt Daniel Jetzer von Jetzer Immobilien aus Rheinfelden. Und er schiebt nach:

«Vor Corona hat es im Schnitt rund 3 bis 6 Monate gedauert, bis ich ein Einfamilienhaus verkauft habe. Das hat sich aktuell auf einen Monat verkürzt.»

Und die Warteliste von Kaufinteressenten werde immer länger. Dominik Eckert, Geschäftsführer der Tierstein AG in Frick, nennt «ein bis drei Monate», die es von der Besichtigung bis zum Notartermin heute nur noch brauche. Eckert sagt:

«Bei den Einfamilienhäusern ist das Angebot äusserst mager. Gerade freistehende gehen weg wie warme Semmeln.»

Obwohl: Der Boom hat auch bei den Verkäufern die Gier geweckt, wie Eckert weiss: «Da werden viele Liegenschaften zu überhöhten und unrealistischen Preisen angeboten.» Solvente Käufer aus den Räumen Basel und Zürich – zu Hause sei auch für sie Wohneigentum unerschwinglich – akzeptierten diese oft. Andere könnten sich bei der Bank bedienen. Rüetschi ist überzeugt: «Das extrem günstige Geld ist zum Grossteil verantwortlich für die Teuerungen.»

Keine Entspannung in Sicht

Die Fricktaler Immobilienmakler sind sich einig: Entspannung auf dem Immobilienmarkt ist in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Die Region bleibt Zuzugsgebiet, neue Jobs auch im Sisslerfeld halten den Druck hoch. «Der Preistrend nach oben wird sich fortsetzen», ist Jetzer überzeugt. Aber er könne auch wieder einmal stagnieren oder sogar sinken. Jetzer:

«Irgendwann werden vielleicht die Einkommen der Leute nicht mehr hoch genug sein, um genug Eigenkapital mitzubringen, Bankkredite zu bekommen oder diese zu bedienen.»

Aktuelle Nachrichten