Wie kann das Wohnen im Alter regional organisiert werden? Welche Wohnformen und Hilfsmittel sind möglich, um einen definitiven Eintritt in ein Alterszentrum zu verzögern? Welche Rolle kommt den Anbietern, den Planungsverbänden und dem Kanton zu? Mit solchen Fragen befasst sich die Studie «Wohnen im Alter im Fricktal: Planen in der Region».

In der Studie hat Joëlle Zimmerli vom Büro Zimraum sieben Projekte (siehe Box) des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal (VAOF) während zweier Jahre begleitet und evaluiert. Entstanden ist sie auf Initiative des VAOF und des Planungsverbands Fricktal Regio; finanziert wurde sie mit Geldern aus dem Lotteriefonds des Kantons Aargau und der Age-Stiftung für gutes Wohnen im Alter, die auch die Umsetzung von Teilprojekten finanzierte. Der Schlussbericht ist derzeit in der Vernehmlassung bei den beteiligten Organisationen.

Vernetzung und Innovationen

Die Studie hält fest, dass der demografische Wandel nicht nur die zahlenmässige Zunahme der Senioren meint, sondern auch die veränderten Bedürfnisse und Lebensstile. Deshalb brauche es alternative Wohn- und Betreuungsangebote, wie beispielsweise die betreute Alterswohngruppe in Frick oder Temporärstationen in den Alterszentren.

Zudem, so eine weitere Erkenntnis der Studie, ist die Planung in grösseren Versorgungsregionen, wie sie im Fricktal gehandhabt wird, sinnvoll. Weiter hält die Autorin des Schlussberichtes fest: «Die Vernetzung, Koordination und Wissensvermittlung ist genauso wichtig wie das Schaffen von neuen Angeboten.»

Der VAOF, der im konventionellen Sinn ein Anbieter von Pflegeplätzen ist, habe mit seinen neuen Angeboten seine Rolle ausgebaut und nehme mittlerweile auch eine wichtige Rolle als Wissensvermittler und in der Erarbeitung von Grundlagen ein.

Die Age-Stiftung koppelte ihre Unterstützung aber auch an die Bedingung, dass die Studie öffentlich zugänglich gemacht wird. «Uns haben die gewählte Netzwerkperspektive und die zukunftsgerichteten Projekte überzeugt», erklärt Karin Weiss, stellvertretende Geschäftsführerin der Age-Stiftung.

Für die Fricktaler Verantwortlichen ist sie voll des Lobes und lobt deren Kreativität und Tatkraft. «Es ist ein Glücksfall für die Region, dass sich die Akteure auf der politisch-behördlichen Ebene auskennen, aber auch den Praxisbezug haben.» Urs Niffeler, Leiter Gesundheitsversorgung beim Kanton Aargau, ergänzte, im Fricktal werde «systematisch und genau» gearbeitet, so wie sich das der Kanton bei der Verabschiedung des neuen Pflegegesetzes (2007) gewünscht habe.

Dort heisst es, die Gemeinden seien für die «Planung und Sicherstellung eines bedarfsgerechten und qualitativ guten Angebots der ambulanten und stationären Langzeitpflege» zuständig. Dies solle durch «verstärkte Vernetzung, Koordination und Synergienutzung der Angebote» erreicht werden. «Im Fricktal wird diese Verantwortung offensichtlich wahrgenommen», so Niffeler.

Vorreiterrolle in der Schweiz

Karin Weiss lobt auch die Studie. «Die vernetzte Herangehensweise wurde dokumentiert. Es ist eine der ersten abgeschlossenen Studien in der Schweiz. Wir wollen sie breit streuen, damit auch andere Regionen von den Erfahrungen im Fricktal profitieren können.» Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigte sich bei der Präsentation der Studie. Rund 100 Interessierte fanden sich in Frick ein – «aus dem ganzen Kanton», wie VAOF-Geschäftsführer Andre Rotzetter sagt. «Wir wurden vom Andrang überrascht.»