Wölflinswil
Braune Sturzflut schiesst durchs Dorf: «Das Wasser stand bis unter die Kellerdecke»

Der Druck durch die Wassermassen war so gewaltig, dass es sogar Kellertüren wegriss. Rund 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um vollgelaufene Keller auszupumpen. Gemäss Vizeammann habe man mit solch einer Überschwemmung nicht rechnen können.

Dennis Kalt
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Bei Fabian Henzmann stand das Wasser bis unter die Kellerdecke. Derzeit ist er mit den Aufräumarbeiten und dem Entsorgen des beschädigten Hausrates beschäftigt.

Bei Fabian Henzmann stand das Wasser bis unter die Kellerdecke. Derzeit ist er mit den Aufräumarbeiten und dem Entsorgen des beschädigten Hausrates beschäftigt.

Dennis Kalt

Die Sturzflut, die den Hang in Wölflinswil herunterschoss, traf das Haus von Fabian Henzmann und Diana Zymeri am Montagabend mit voller Wucht. Das Kellergeschoss des Paares füllte sich im Nu bis unter die Decke mit Wasser. Henzmann sagt:

«Die Wucht des Wassers war so stark, dass es die Kellertüre einfach weggerissen hat.»

Das Paar fürchte darum, dass das Wasser noch höher steigen würde, und auch vom Wohnraum im Erdgeschoss keinen Halt machen würde. «Wir hatten in diesem Moment grosse Angst», so Zymeri. Doch das Erdgeschoss blieb trocken.

Trotzdem: Die Schäden sind massiv. Sofa, Tumbler, Waschmaschine, der Fitnessraum sowie viele Erinnerungsstücke – das alles ist zerstört. Auch der Boiler funktioniert nicht mehr. «Derzeit haben wir kein warmes Wasser», sagt Henzmann. Unabhängig davon, was die Versicherung reguliert, kosten die Aufräumarbeiten und das Managen des Alltags viel Kraft und Nerven, sagt Zymeri. Bereits vor zwei Wochen, erzählt sie, stand das Wasser 80 Zentimeter hoch im Keller. So habe sie nun, wenn dunkle Wolken am Himmel aufziehen, immer Sorgen, dass die nächste Sturzflut den Hang herunterschiesst.

Ein Unwetter sorgte am Montagabend dafür, dass eine braune Sturzflut durch das Dorfzentrum schoss.

Ein Unwetter sorgte am Montagabend dafür, dass eine braune Sturzflut durch das Dorfzentrum schoss.

Zvg

Vizeammann Gebhard Maier sagt, dass eine Gewitterfront am Strihen Ursache für die braune Sturzflut war, über die Tele M1 berichtet hatte.

«Die Böden konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen, sodass es nur noch oberflächlich den Hang ablief.»

Der Talbach, der mit seinen kleinen Durchlässen Richtung Dorfplatz läuft, vermochte das Wasser nicht mehr zu schlucken. Dass es zu solch einer Überschwemmung kommt, damit habe man nicht rechnen können, so Maier. In jedem Fall müsse man sich aber nun mit dem Gewässerschutz des Kantons den Talbach anschauen, so sei der Bachlauf nicht tief genug.

Sturzflut überschwemmt ganz Wölflinswil: So berichtete Tele M1.

Wassermassen 200 Meter um den Dorfplatz verteilt

Maier schätzt, dass sich die Wassermassen in einem Perimeter von etwa 200 Meter rund um den Dorfplatz verteilt haben und dort etwa 30 Zentimeter über dem Terrain standen. Wie Maier sagt, haben die Wassermassen auch den Mergelbelag einiger Flurstrassen weggespült. «Der Schaden beträgt hier einige Zehntausend Franken.»

Gemäss Gabriel Schmid, Kommandant der Feuerwehr Wölflinswil-Oberhof, ging der erste Alarm um kurz 19.05 Uhr ein. Etwa 50 Leute waren im Einsatz. Er sagt:

«Wir haben alle Einsatzkräfte aufgeboten, die zur Verfügung standen.»

Bis 1 Uhr nachts war die Feuerwehr unter anderem damit beschäftigt, vollgelaufene Keller auszupumpen. «Etwa 20 bis 30 Objekte waren betroffen», sagt Schmid. Vorsorglich sperrte die Feuerwehr während ihres Einsatzes die Hauptverkehrsroute durch das Dorf – bis auf das Postauto – für den Verkehr. Auch um zu verhindern, dass Autofahrer nicht mit dem Rad in ein Loch durch einen unter den Wassermassen gelösten Schachtdeckel fahren.

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