Sie lauerten einander auf und prügelten sich, einer spannte dem anderen die Freundin aus und dem Rivalen wurde das Velo geklaut – das sind Müsterchen von Grenzkonflikten, wie sie sich während Jahren und Jahrzehnten in Gemeinden zugetragen haben, zwischen denen es immer wieder Nachbarschaftsstreitigkeiten gab. War das auch in den beiden Fricktaler Gemeinden Rheinfelden und Möhlin so? Immerhin ist bekannt, dass die einen über die anderen manchen lockeren Spruch auf Lager haben oder vielmehr hatten. «Nein, nein! Bei uns sind nicht die Fäuste geflogen», ist vom ehemaligen Rheinfelder Stadtschreiber Paul Weber zu erfahren.

Im Jahr 1945 kam der inzwischen 90 Jahre alte, aus Menziken stammende Weber nach Rheinfelden. Während seiner Zeit im Rathaus dauerte ein Streit nie über längere Zeit: «Es gab regelmässige Zusammenkünfte und Gespräche zwischen dem Rheinfelder Stadtammann und dem Möhliner Gemeindeammann. Da stoben schon mal die Funken. Es hat sich aber alles immer wieder eingerenkt und in Minne aufgelöst», erinnert sich Paul Weber, der betont: «Rheinfelder und Möhliner waren nicht etwa dauernde Streithähne, sondern über weite Strecken sogar Verbündete. Man denke doch nur an die schlimme Zeit der Fluorimmissionen, als viele Kühe wegen der verseuchten Weiden verendeten. Der Möhliner Gemeindeammann Franz Metzger kämpfte an vorderster Front vehement und erfolgreich gegen die Umweltverschmutzung.»

Das alles ist längst Geschichte, und alt Gemeindeschreiber Paul Weber bemerkt mit einem Augenzwinkern: «Die Möhliner geben sich zwar nach wie vor redlich Mühe, so gross zu werden, wie Rheinfelden.» Ob ihnen das nach seiner Einschätzung jemals gelingen wird, lässt er offen . . .

Es gab Zeiten, in denen die Atmosphäre zwischen den Rheinfeldern und den Möhlinern dennoch spannungsgeladen war. Aber eben nicht auf persönlicher und privater Seite, sondern auf politischer Ebene. Einer, der sich an manche dieser Ereignisse erinnert, ist Marino Studer: «Rheinfelden ist halt einfach der Bezirkshauptort, das war immer schon so und das hat früher viel mehr durchgeschlagen, als heute.» Der nach wie vor als Fussballschiedsrichter (heute auf der deutschen Seite) aktive ehemalige Möhliner Gemeindeschreiber und Grossrat führt Beispiele an: «Da war die Zonenplanung der Gemeinde Rheinfelden, deren Industriezone bis an die Gemeindegrenze von Möhlin heranreichte.»

Südlich der Bahn endete die Rheinfelder Gewerbezone bei der Wohnzone von Möhlin. «Das passte bei uns natürlich längst nicht allen Leuten und war deshalb zwischen den beiden Gemeindebehörden und den Planern immer wieder Gegenstand von Diskussionen», erwähnt Marino Studer.

Beim Autobahnzubringer gab es ebenfalls Meinungsverschiedenheiten: «Möhlin sah die Lage des Anschlusses an die Nationalstrasse zwischen Möhlin und Rheinfelden. Nein, er musste im Rheinfelder Engerfeld gebaut werden. Später wollten die Rheinfelder den Zubringer doch dort, wo ihn die Möhliner ursprünglich wollten – da war es halt schon zu spät.»

Eine weitere Planungsgeschichte, die nicht enden wollte und über Jahre gewälzt wurde, betrifft den Industriezubringer. Rheinfelden wollte den Lastwagenverkehr auf der Strasse weg haben, die beim Spital vorbei nach Möhlin führt. Inzwischen ist die NK 495 gebaut. Sie führt von der Landstrasse dem Wald entlang, der die beiden Gemeinden optisch voneinander trennt (auf der Illustration zwischen den beiden Ortstafeln zu sehen). Ein Bauer wehrte sich bis vor Bundesgericht und blitzte ab.

Ein gewisses Unverständnis bestand also in manchen Situationen, und geneckt hat man sich immer wieder, betont Marino Studer: «Etwa dann, wenn Möhlin einen Grossrat mehr nach Aarau schicken konnte, als die Rheinfelder Nachbarn. «Man hat sich immer gefunden und hört heute eigentlich nicht mehr sehr viel. Auch seitens der Bevölkerung, wo es schon etwa geheissen hat: ‹Rheinfelden ist ein schönes Städtchen, aber eben – es ist Rheinfelden›.»