Die Hauptstrasse in Mumpf wird derzeit für fast neun Millionen Franken saniert, verbreitert und mit einem durchgehenden Gehweg ergänzt. Seit März laufen die Bauarbeiten. In den vergangenen Wochen nun kamen diverse Funde aus der Zeit der Römer zum Vorschein.

Für die Kantonsarchäologie war das keine Überraschung: «Im Bereich des Restaurants Anker wurde bereits 1913, also vor über 100 Jahren, ein spätrömischer Befestigungsbau archäologisch ausgegraben», sagt Kantonsarchäologe Georg Matter.

In unmittelbarer Nähe dieses sogenannten Kleinkastells seien ausserdem weitere Mauerreste vorhanden. Unter anderem die Überreste einer kleinen Badeanlage. Diese stammt vermutlich aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und verfügte neben einem Heizraum auch über Heiss- oder Lauwarmbaderäume und ein Schwitzbad.

Genauere Erkenntnisse zur Fundstelle ermöglicht

Die Kantonsarchäologie führt das Inventar aller aktenkundigen Fundstellen im Kanton und hat in ihrem Archiv entsprechend auch Unterlagen zu den damaligen Untersuchungen. «Deshalb wussten wir schon vor Beginn der Sanierung der Kantonsstrasse, dass mit archäologischen Funden zu rechnen sein wird», so Matter.

Ende Mai nun seien im Bereich östlich des «Ankers» die ersten Münzen und Keramikstücke gefunden worden. Anfang Juli wurden dann die Überreste der bereits 1913 ausgegrabenen Badeanlage untersucht. Und: Letzte Woche wurden im Bereich der Terrasse des Restaurants Fundamentteile der Befestigungsanlage selbst oberflächlich freigelegt.

«Die nun untersuchten Befunde und die geborgenen Funde werden helfen, die Befestigungsanlage und ihr damaliges Umfeld besser zu verstehen», sagt Matter. Die Anlage ist ein Teil der aus zahlreichen Kastellen, Kleinkastellen und Wachtürmen bestehenden Befestigungskette, die von den Römern Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christus am Hochrhein errichtet wurde. Die Archäologen hoffen, die nun untersuchte Anlage besser in diesen Kontext einordnen zu können.

Die Fundamentreste bleiben erhalten

«Beispielsweise kannten wir die ausgedehnte Zerstörungsschicht östlich des Restaurants Anker bislang nicht. Sie deutet darauf hin, dass sich östlich des Kleinkastells wahrscheinlich weitere Gebäude – möglicherweise eine zugehörige, bislang unbekannte Siedlung – befunden haben», erklärt Matter. Die Analysen nach Abschluss der Untersuchungen sollen genauere Erkenntnisse etwa zur Datierung und Chronologie der Befestigung und Siedlung liefern.

Das Mumpfer Kleinkastell ist im Kulturgüterschutzinventar des Bundes als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft. Die Fundamentreste bleiben trotz Strassensanierung erhalten. Ein Teil der römischen Mauer im Umfeld der Befestigungsanlage – etwa Teile der Badeanlage – hingegen können aus technischen Gründen nicht erhalten werden. «Sie liegen im Bereich der Kofferung der neuen Fahrbahn und würden die Stabilität der Strasse gefährden», so Matter.

Die Bauarbeiten an der Hauptstrasse sollen im Herbst 2020 abgeschlossen sein. «Auf die Gesamtdauer der Bauarbeiten werden die Funde voraussichtlich keinen Einfluss haben», sagt David Probst von der Abteilung Tiefbau beim Kanton. «Allenfalls wird die betroffene Etappe beim Restaurant wenige Tage länger dauern.»