Fricktal

Wo gibts den nächsten Kebab? Der Kantonsschul-Test aus Schüleroptik

Vier Gemeinden bewerben sich als Standort für die Kantonsschule im Fricktal. Die AZ macht den Praxis-Test – nach möglichen Kriterien der Schülerinnen und Schüler.

Hurra, die Schule kommt: Das Fricktal bekommt, voraussichtlich, ab 2028 eine eigene Kantonsschule. Genaueres weiss man im Sommer; der Kanton erstellt derzeit den Planungsbericht zur künftigen Mittelschullandschaft.

Die Fricktaler Gemeinden konnten dem Bildungsdepartement schon mal ihre valablen Standorte melden. Vier Gemeinden sowie das Oberstufenzentrum Fischingertal, das ab Sommer leer steht, sandten ihre Dossiers ein. Das rege Interesse erstaunt nicht. Denn zum einen ist eine Kantonsschule im Dorf ein Standortvorteil, wenn es um die Akquisition von neuen Einwohnern geht. Eltern von Mittelschülern gehören dabei häufig zu den Gutverdienenden.

Zum anderen ist eine Kantonsschule auch ein Wirtschaftsfaktor, bringen die Schüler doch Cash ins Dorf. Sie kaufen ein, essen zu Mittag, kaufen sich (Energy-)Drinks, gehen auch mal in die Badi oder ins Freizeitcenter. Über den Daumen gepeilt gibt jeder Schüler pro Tag wohl – vorsichtig gerechnet – an die 15 Franken für Essen, Getränke und Freizeit aus. Das ergibt bei gut 600 Schülern – so viele Fricktaler besuchen aktuell eine Kantonsschule – dann übers Jahr, die Ferien nicht mitgerechnet, doch die stolze Summe von 1,8 Millionen Franken. Selbst wenn es eine Mensa sowie Selecta-Automaten in der Schule geben wird, wovon auszugehen ist – für die Detaillisten im Dorf fällt dennoch ein ansehnlicher Brocken ab.

Der Kanton wird in seine Überlegungen, wo eine Kantonsschule am zielführendsten ist, verschiedenste Kriterien einfliessen lassen. Die Erreichbarkeit ist sicher eines, die verfügbare Infrastruktur ein zweites, die Verkehrsströme, die mit der Schule ausgelöst werden, ein drittes.

Viele dieser Faktoren interessieren die Schüler – wenig. Sie interessiert ganz Banales. Etwa: Wo gibt es den nächsten Döner? Oder: Wo hat es einen günstigen Supermarkt? Oder: Wie weit muss ich an den Bahnhof laufen?

Die AZ hat den Test gemacht und für alle vier Standorte die Distanzen sowie die Gehzeit mithilfe von Google Maps berechnet. Dass es von manchen Bahnhöfen bereits heute auch Postauto-Verbindungen gibt, die in die Nähe der Schulstandorte führen, haben wir bewusst ausgeblendet, denn hier dürfte es, je nach Standort, zu zusätzlichen Angeboten kommen. Im Fall von Mumpf beispielsweise wäre eine Busverbindung ab dem Bahnhof Stein sinnvoll.

Bewertet man die Schulstandorte alleine nach ihrer Nähe von Bäckereien, Supermärkten, Take-aways und Freizeitangeboten, so ergibt dies die folgende Rangliste. Auch hier sei nachgetragen: Beim Standort, der schliesslich gewählt wird, dürfte sich das Food-Angebot bis zur Eröffnung der Schule noch anpassen. Denn es wäre nicht die dümmste Geschäftsidee, unmittelbar neben der Schule einen Take-away einzurichten.

1. Möhlin/Rheinfelden

Möhlin und Rheinfelden haben einen gemeinsamen Standort unmittelbar beim Bahnhof in Möhlin eingegeben. Der Nachteil hier ist, dass aktuell keine Schnellzüge halten. Dafür sind die Distanzen deutlich am kürzesten. Vom Bahnhof zur Schule sind es 300 Meter und auch Bäckerei, Imbiss – der Pizza-Take-away am Bahnhof – sind in maximal fünf Minuten erreichbar.

2. Frick

Auch in Frick ist der Weg vom Bahnhof zur Schule kurz. Läden und Dorfzentrum sind zwar etwas weiter weg als in Möhlin und in Stein, dafür trumpft Frick mit Freibad und Kino in Gehdistanz auf. Der nächstgelegene Laden ist dabei die Bäckerei – in Gipf-Oberfrick.

3. Stein

Stein punktet ganz klar mit seiner zentralen Lage mitten im Fricktal. Der grösste Nachteil aus Schülersicht ist sicher die Distanz vom Bahnhof zur Schule. Natürlich kann die Strecke mit dem Postauto oder einem (noch einzurichtenden) Dorfbus überbrückt werden – aber sich in einen der vollgestopften Busse zu quetschen, ist auch nicht jedermanns Sache. Wenig Wünsche lässt dafür das Verpflegungsangebot offen.

4. Mumpf

Der Standort hat es aus Schüleroptik schwer. Er ist recht abgelegen und aktuell gibt es keinen Laden im Dorf. Die nächste Verpflegungsmöglichkeit ist ein Restaurant, 950 Meter entfernt.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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