Auf einem der massiven Betonpfeiler ist ein Nähmuster für einen Turnschuh aufgemalt. Es ist eine Erinnerung an die Vergangenheit. In der ehemaligen Produktionshalle der Schuhfabrik Bata in Möhlin sind derzeit Handwerker daran, Küchen einzubauen, Böden zu verlegen, Türrahmen zu montieren. Wo einst Schuhe gefertigt wurden, soll schon bald gewohnt werden.
Die ersten der insgesamt 50 Wohnungen sind ab März bezugsbereit, weitere folgen im Sommer, in der zweiten Halle gleich gegenüber. Interessenten gibt es auch schon: «Über ein Dutzend Wohnungen sind bereits vermietet», sagt Reto Kuoni, Leiter Immobilien der Eigentümerin Bata-Park AG.

Ziehen die Mieter ein, ist ein Meilenstein im Bata-Park geschafft. Die Jakob Müller Immobilien AG hat das über 180 000 Quadratmeter grosse Areal vor über zehn Jahren aus einer Konkursmasse gekauft. Das Areal bot dem Unternehmen Raum für eine Erweiterung der Produktion und Entwicklungspotenzial. Und: «Die Vision von Bata, eine Einheit von Wohnen und Arbeiten, ist nach wie vor faszinierend», sagt Kuoni.

Park unter Denkmalschutz

Inzwischen hat die Jakob Müller AG Frick ihren Standort in Möhlin wieder geschlossen. Das Areal hat sie der Tochterfirma Bata-Park AG übergeben. Sie ist für die Sanierung der Gebäude zuständig. Und die birgt einige Herausforderungen. So ist das Areal im schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung aufgenommen. Die ehemaligen Produktionshallen 1 und 2 sowie das Clubhaus sind kantonal denkmalgeschützt.
Entsprechend sind in die Planungen der Sanierung nicht nur Architekt und Bauherr, sondern auch Gemeinde sowie Denkmal- und Heimatschutz involviert. Reguliert ist alles – bis hin zum Standort und zur Art einzelner Bäume im Park. Bis zur Grösse der Sitzplätze vor den Wohnhäusern. Und bis zur Art des Kitts zwischen Fensterrahmen und Glas. «Gewusst, auf was man sich hier genau einlässt, hat man beim Kauf wohl nicht», sagt Kuoni und lacht.

Es habe etwas gedauert, aber mittlerweile sei das Einvernehmen mit Gemeinde und Denkmalschutz mehr als gut. «Wir wissen, dass wir verschiedene Ansichten haben. Alle Seiten gehen aber auch einen Schritt auf die anderen zu», so Kuoni. Diese Balance hat dazu geführt, dass heute nicht nur die beiden Fabrikhallen kurz vor dem Abschluss stehen, sondern auch rund die Hälfte der Wohnhäuser saniert ist.

Bei Häusern und Hallen musste die Backsteinfassade belassen werden. Die Häuser sind innen komplett neu ausgebaut. Ein anderes Konzept gibt es bei den Hallen: «Wir bauen mit einem Haus-in-Haus-Konzept», sagt Kuoni. Hinter der Fassade mit Backsteinen und Fensterfronten wurde eine zweite Fassade erstellt. Sie besteht grösstenteils aus raumhohen Fenstern. So entstand eine Art Loft.

Den Charakter erhalten

«Der Denkmalschutz und dann auch die technische Umsetzung der Massnahmen sind eine Herausforderung», sagt Kuoni. «Aber die positiven Aspekte überwiegen gegenüber den negativen Seiten bei Weitem.» Das Ziel sei, den Charakter von Batas Werk zu erhalten. «Dass uns das zu gelingen scheint, macht Spass», sagt Kuoni.

In einem der Lagerräume auf dem Areal hat die Bata-Park AG verschiedene Elemente aus dem Bestand der alten Fabrik aufbewahrt. Schuhschränke, Deckenlampen, Trinkbrunnen, ein Wählscheibentelefon. «Ziel ist es, einiges davon wieder einzubauen. Wir werden in den kommenden Monaten sehen, was alles möglich ist», sagt Kuoni. Im Bata-Park soll die Erinnerung an die Vergangenheit als Schuhfabrik weiterleben – nicht nur, was die Fassade betrifft.

Die Siedlung im Bata-Park von oben: Das Clubhaus, die Wohnhäuser und Fabrikhallen wurden und werden nach und nach renoviert und ausgebaut.

Die Siedlung im Bata-Park von oben: Das Clubhaus, die Wohnhäuser und Fabrikhallen wurden und werden nach und nach renoviert und ausgebaut.