Fricktal

Wo die Äxte durch die Lüfte fliegen

Bereit für den Wurf: Markus Rütti (v.l.), Jacqueline Rohrbeck und Andreas Rettig.

Bereit für den Wurf: Markus Rütti (v.l.), Jacqueline Rohrbeck und Andreas Rettig.

Die Doppelaxtwerfer Zeiningen sind eine Schweizer Spezialität – jetzt müssen sie einen neuen Trainingsplatz suchen.

Es lässt einen Hauch Holzfäller-­Feeling aufkommen, wenn man den Doppelaxtwerfern bei ih­rem Sport über die Schultern schaut. Wobei: Direkt hinter ihnen zu stehen, empfiehlt sich nicht, denn hier nimmt der Wurf seinen Anfang. Von hier aus wird die rund zwei Kilogramm schwere Doppelaxt beidhändig über den Kopf nach vorne geschleudert, wo sie nach einer Umdrehung um die eigene Achse möglichst in der Mitte der 6,10 Meter entfernten Scheibe einschlagen (sollte).

«Die Kunst ist das richtige Zusammenspiel von Bewegung, Loslassen und Fokussiert-Sein», erklärt Markus Rütti das Wurfgeheimnis. Rüti ist Präsident der Doppelaxtwerfer Zeiningen und gehörte 2016 zu den vier Gründungsmitgliedern um Initiant Andreas Rettig. Heute zählt der spezielle Sportverein – es gibt nur 6 weitere in der Schweiz – 14 Mitglieder, darunter vier Frauen.

Es habe ihm schon nach dem ersten Training «den Ärmel reingezogen», erzählt Rütti. Die Sportart sei für ihn ein optimaler Ausgleich zum Job, wo er den ganzen Tag über in zwei Monitore blicke. «Beim Doppelaxtwerfen bewegt man sich und die Koordination muss stimmen.» Das Wichtigste sei aber, auf das Ziel zu fokussieren und gleichzeitig den Kopf abzuschalten. Rütti hört das «Ähm» durch das Telefon – das Interview wurde in Coronazeiten auf Distanz geführt –, lacht. Was wie ein ­Widerspruch tönt, erklärt er dann so: «Wenn man mit dem Willen wirft, kommt es nicht gut. Man muss den Körper machen lassen.»

Am Willen liegt es in diesem Jahr allerdings nicht: Die Saison ist, wie in vielen Sportarten, coronabedingt grösstenteils ins Wasser gefallen. Das Bull’s Eye Event, der wichtigste Anlass 2020, musste abgesagt respektive auf 2021 verschoben werden. Im nächsten Jahr will Rütti mit seinen Kollegen auch an der WM teilnehmen, die in Kanada – neben Schweden der zweite Doppelaxtwurf-Hotstpot – stattfindet. Bei der WM im letzten Jahr in Schweden war der beste aus dem Fricktaler Verein immerhin 10.

Neuer Trainingsplatz wird gesucht

Einen Strich durch die Rechnung gemacht hat die Coronakrise den Doppelaxtwerfern aus dem Fricktal jedoch auch noch aus anderem Grund: Ihren Trainingsplatz in Zeiningen mussten sie aufgeben; nun stehen sie derzeit ohne Trainingsplatz da, können aber immerhin bei einem befreundeten Verein in der Innerschweiz trainieren.

«Unser Ziel ist es, möglichst schnell wieder einen eigenen Platz zu haben», sagt Rütti. Nur eben: Die Coronakrise hat die Suche nicht gerade vereinfacht. Bisher haben Vereinsmitglieder 23 Plätze rekognosziert. Sieben davon kämen in Frage, bei einigen hat die Findungskommission auch bereits Gespräche mit den Landbesitzern geführt. «Bisher leider ohne Erfolg», so Rütti. Er hofft, bald einen rund 300 Quadratmeter grossen Platz zu finden. «Am liebsten im Aargau», so der Präsident. Aber Bedingung sei dies nicht. Hauptsache, die Äxte können wieder durch die Lüfte fliegen.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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