«Lebenstraum im ‹Fabriggli› verwirklicht». So titelte die AZ vor fast zehn Jahren. Damals hatten Willi und Anna Kaufmann das Bistro am Wallbacher Rheinufer gerade eröffnet. «Während 20 Jahren haben mein Mann und ich zueinander gesagt: Im ‹Fabriggli› sollte man ein Bistro einrichten», erklärte Anna Kaufmann. Mit dem Kauf der Liegenschaft 2008 klappte es. Aus der ehemaligen Produktionsstätte für Damen-Konfektion – daher der Name – wurde ein idyllischer Platz zum Einkehren für Wanderer, Velofahrer, Spaziergänger oder Handwerker.

Nun verlassen Willi und Anna Kaufmann das «Fabriggli» wieder. «Wir haben uns entschlossen, das Bistro in neue Hände zu geben», sagt Willi Kaufmann. Es sei kein zwingender Abschied, kein «Müssen», wie er betont. «Wir haben immer gewusst, dass wir das Bistro nicht bis ins Pensionsalter oder sogar darüber hinaus führen werden.» In den vergangenen Monaten sei der Gedanke immer stärker geworden, dass es Zeit für eine Veränderung werde. Auch aus familiären Gründen. «Wir sind vor kurzem Grosseltern geworden», sagt Kaufmann. «Das möchten wir geniessen.»

Neuer Start im Februar

Diese Woche sind die Verträge mit den neuen Pächtern unterzeichnet worden. Gefunden hat sie das Wirtepaar über ein Treuhandbüro. Namen sollen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genannt werden, aber: Es handle sich um ein junges Paar, das über einige Gastroerfahrung verfüge, sagt Kaufmann. Die neuen Pächter werden in den kommenden Wochen ihr genaues Konzept für das «Fabriggli» erarbeiten. Klar ist aber jetzt schon: «Es wird nicht alles anders werden. Sie werden auf dem Bewährten aufbauen», sagt Kaufmann.

Ebenso ist jetzt klar: Der Freitag, 21. Dezember wird der letzte Arbeitstag der Kaufmanns im «Fabriggli». Danach schliesst das Bistro wie gewohnt für einige Wochen und geht Anfang Februar wieder auf – dann unter neuer Führung. «Wir haben eine Lösung gefunden, die uns absolut glücklich macht», sagt Kaufmann.

Er und seine Frau ziehen Ende Jahr von der Wohnung im Obergeschoss des «Fabrigglis» ins Dorf. Die Wohnung beim Bistro übernimmt das neue Wirtepaar. Auch beruflich werden sich Kaufmanns dann neu orientieren. Als Mittfünfziger seien sie «zu jung zum nichts machen», sagt Willi Kaufmann mit einem Lachen. Was genau die beiden aber nach dem Abschied vom «Fabriggli» beruflich machen werden, ist noch offen. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns für diesen Entscheid etwas Zeit nehmen können.»

Ein neuer Lebenstraum

Die letzten Wochen im «Fabriggli» sollen nicht anders werden als die vergangenen zehn Jahre. «Wir möchten es ganz normal zu Ende bringen», sagt Kaufmann. Aber natürlich werden er und seine Frau den einen oder anderen Moment speziell geniessen. Denn natürlich sei es ein Abschied nicht nur mit lachendem, sondern auch mit einem weinenden Auge, sagt Kaufmann. «Wir haben uns zehn Jahre lang mit Leib und Seele für das Bistro eingesetzt und in dieser Zeit viele tolle Menschen kennen gelernt, die uns fehlen werden. Ihnen gilt unser Dank.» Nun sei es Zeit für einen neuen Lebensabschnitt, einen neuen Lebenstraum vielleicht auch. «Darauf freuen wir uns ungemein», sagt Kaufmann und fügt dann mit einem Lächeln an: «Es ist doch schön, dass durch unseren Abschied jetzt andere Menschen hier ihren Lebenstraum verwirklichen können.»