Sie gehören zu den wohl grössten Ärgernissen im Alltag eines Wirtes: Gäste, die zwar reservieren, dann aber nicht auftauchen. Astrid Thoma vom Rheinfelder «White House» kennt das nur zu gut. «Das gibt es leider immer häufiger, gerade bei Reservationen für Zweiertische», sagt sie. Für das bekannte Speiserestaurant ist das gleich doppelt ein Problem. Das «White House» ist oft ausgebucht, Reservationen seien das «A und O», sagt Thoma. Das wiederum hat sich herumgesprochen. «Laufkundschaft haben wir deshalb kaum, weswegen es schwierig ist, reservierte Tische weiterzugeben.»

Erscheinen Gäste nicht, fehlt also meist der Tagesumsatz eines Tisches – obwohl die Gastgeber zuvor andere Gäste, die reservieren wollten, vertrösten mussten. «Kommt das mehrmals im Monat vor, ist das schon ärgerlich», sagt Thoma. Für die Zweiertische im Restaurant haben Astrid und Philipp Thoma deshalb eine Art Absicherung vorgenommen. Sie verkaufen die Tische zwei Mal an einem Abend, quasi in zwei Schichten: zu einer frühen und einer etwas späteren Zeit. Erscheint ein Gast nicht, wird der Tisch so wenigstens einmal verkauft.

Es gibt kein Patentrezept

Das helfe, aber: Ein Patentrezept gegen das Phänomen habe sie auch nicht gefunden, sagt Thoma. Sie wünscht sich deshalb wieder «ein bisschen mehr Verbindlichkeit in der Gesellschaft», wie sie es ausdrückt. Und: Dass frühzeitig abgesagt wird, wenn eine Reservation nicht eingehalten werden kann. «Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn jemand beispielsweise krank ist», sagt Thoma. Dasselbe gelte, wenn von einer grösseren Gruppe nicht alle erscheinen könnten. «Für uns wäre es aber wichtig, dies möglichst früh zu wissen, damit wir reagieren können», sagt Thoma.

Mit diesem Wunsch steht sie nicht alleine da. Auch in anderen Fricktaler Restaurants kommt es vor, dass Tische, die reserviert sind, leer bleiben. Allerdings: Böse Absicht vermutet niemand hinter dem Fernbleiben. Die von der AZ befragten Fricktaler Wirte machen vielmehr die Erfahrung, dass es sich dann meist um ein Missverständnis handelt. «Ein falsch notiertes Datum, eine unklare Angabe, ein verwechselter Tag, ein vergessener Termin – all das kommt vor», sagt Laura Lüdi vom Landgasthof Krone in Möhlin. «Aber das sind Einzelfälle.»

Tische werden freigegeben

Viele Restaurants haben, was die Reservationen angeht, zudem einen entscheidenden Vorteil verglichen mit dem «White House»: Bei ihnen gibt es mehr Laufkundschaft – also Gäste, die spontan vorbeischauen, um zu essen. Die reservierten Tische würden erst einmal freigehalten, sagt Lüdi. In dieser Zeit versucht sie, die fehlenden Gäste telefonisch zu erreichen oder wirft einen Blick auf die Verkehrslage. «Es gibt Gäste, die kommen von etwas weiter her zu uns. Es kann immer mal vorkommen, dass es einen Stau gibt», erklärt Lüdi. «Viele geben uns in so einem Fall aber von sich aus Bescheid.»

Hört sie aber nichts, entscheidet Lüdi nach einer gewissen Zeit, die Tische an dere Gäste weiterzugeben. Wie lange sie freigehalten werden, hänge vom Andrang ab, sagt Lüdi. So handhaben auch andere Wirte im Fricktal Verspätungen. «Wir gehen pragmatisch damit um und halten die Tische nach Möglichkeit frei», sagt etwa Barbara Nebiker vom Landgasthof Adler in Kaiseraugst. Und auch Peter Jegge von Gasthaus Zum weissen Rössli in Eiken räumt den Gästen «Kulanzzeiten» ein. «Sowohl bei zu frühem als auch bei zu spätem Erscheinen», wie er sagt.

Kaum Probleme mit Anlässen

Immerhin: Dass jemand gar nicht erscheine, komme selten vor. Erst recht nicht bei grösseren Gruppen, etwa Geburtstagsfeiern oder anderen festlichen und familiären Anlässen. Das betonen mehrere Wirte. «Noch nie» habe er so etwas erlebt, sagt etwa Kurt Treier vom Gasthaus «Zur Blume» in Magden. «Ein Mal in 40 Jahren» passierte es bei Peter Jegge in Eiken. Gerade bei grösseren Reservationen aber fragen die Wirte kurz vor dem Termin noch mal nach. Um sich danach nicht ärgern zu müssen.