Noch vor einem Jahr war Roger Märki voller Vorfreude. In der ehemaligen Güterhalle am Bahnhof Rheinfelden hatte er einen Velo-Laden eingerichtet, wollte so schnell wie möglich eröffnen. «Schliesslich ist jetzt im Frühling und Sommer die Hauptsaison der Velofahrer», sagte Märki damals gegenüber der AZ. Nur: Aus der schnellen Eröffnung wurde nichts.

«Ich wusste von Anfang an, dass es einige Auflagen zu erfüllen geben würde», sagt Märki nun, fast ein Jahr später. Was er hingegen nicht ahnte: Wie sehr ihn diese Auflagen beschäftigen und im Zeitplan zurückwerfen würden. Unter anderem musste er ein Geländer entlang des alten Gebäudes und im Ausstellungsraum bauen. «Aber als das Geländer fertig war, sagte man mir bei der Abnahme, dass es bekletterbar und somit nicht erlaubt wäre», erzählt Märki. Er musste den Bau erneut anpassen.

Alles umsonst?

Märki erfüllte die Auflagen, der Laden aber blieb während dieser Zeit zu. Der Velo-Händler musste Gelegenheitsjobs annehmen, um die Familie und gleichzeitig den Umbau im Laden zu finanzieren. Er erledigte alles in Eigenarbeit, gemeinsam mit Frau Carole, die half, wo sie konnte. «Am Tag arbeitete ich und abends war ich im Laden – die Familie kam in dieser Zeit sicher zu kurz», sagt Märki.

Dann, als alles endlich gut zu kommen schien, die Hiobsbotschaft: In der Zeitung lasen Märkis von den Plänen der SBB, den Bahnhof Rheinfelden zu erneuern. Märki rechnet damit, dass er mit seinem Laden bis dahin wieder ausziehen muss. Er schüttelt den Kopf, er ist enttäuscht. Bis heute sei er vonseiten der SBB, die ihm die Halle vermieten, nicht über die Pläne informiert worden. «Von einem Bundesbetrieb hätte ich mit eine klarere Kommunikation gewünscht», sagt er.

Die SBB bestätigen auf Anfrage der AZ die Baupläne für den Bahnhof Rheinfelden. «Wir stehen erst ganz am Anfang und sind im Austausch mit der Gemeinde», sagt Mediensprecher Oli Dischoe. Allerdings: «Nach jetzigem Stand wird die Güterhalle der Neugestaltung weichen müssen.» Ein Zeitplan liege noch nicht vor. Die Frage, inwiefern Roger Märki über die Pläne zur Umgestaltung informiert wurde, lässt Dischoe unbeantwortet, sagt aber: «Selbstverständlich halten sich die SBB an die Vereinbarungen im laufenden befristeten Vertrag mit dem jetzigen Mieter.»

Für Märki bedeutet dies wohl, dass er nach Vertragsende einen neuen Standort suchen muss. Ein Nachbar zeigte ihm kürzlich eine Präsentation, mit der die Anwohner des Bahnhofareals über die Pläne informiert wurden. 2021 oder 2022 soll es demnach losgehen. Märki aber will sich nicht entmutigen lassen. Die Vorfreude von vor einem Jahr ist in den letzten Tagen zurückgekehrt. Am Gründonnerstag hat die letzte Bauabnahme stattgefunden, Märki hat grünes Licht für seinen Laden erhalten. «Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen», sagt er mit einem Lachen.

Velo, Reparatur, Kunst

Am nächsten Freitag öffnet er den Laden erstmals, das ganze Wochenende hat er offen. Ab Montag dann gelten die ordentlichen Öffnungszeiten. Märki hat neue und gebrauchte Fahrräder aller Art im Sortiment. Ausserdem bietet er Reparaturen an. Hier hofft er, dass gerade Pendler, die mit dem Velo an den Bahnhof kommen, dieses Angebot nutzen. «Sie können das Velo morgens vorbeibringen und abends wieder heimnehmen», sagt er. Daneben will er ein zweites Standbein aufbauen: In den neuen Räumlichkeiten hat er eine Werkstatt für Holz- und Metallarbeiten eingerichtet. Dort stellt er funktionale Kunstwerke her.

Märki hofft, dass der neue Veloladen gut anlaufen wird. «Ich bin motiviert und voller Elan. Ich hoffe, es hilft mir, die ganze Geschichte hinter mir zu lassen, wenn ich mich endlich auf das Tagesgeschäft konzentrieren kann.»