Für das öffentliche Leben in Rheinfelden spielt der Bahnhofsaal eine wichtige Rolle. Das Lokal am Bahnhof wird sowohl für öffentliche Anlässe und kulturelle Veranstaltungen als auch für private Feste genutzt. «In den beiden vergangenen Jahren war der Saal an jeweils 90 Tagen im Jahr belegt», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. Darin eingeschlossen seien jedoch auch die Tage vor und nach den Veranstaltungen, die für Auf- und Abbau sowie Proben benötigt werden.

Wie es in Zukunft mit dem Kulturlokal weitergeht, ist allerdings offen. Das gesamte Bahnhofsareal, inklusive Saal, hat vergangene Woche den Besitzer gewechselt. Die neue Besitzerin ist die Realstone SA, ein Immobilienfonds mit Sitz in Lausanne. Sie plant auf dem Areal Wohnungen und Gewerbeflächen – was den Saal angeht, werde man «mit der Stadt das Gespräch und eine gemeinsame Lösung suchen», heisst es beim Immobilienfonds.

Einzige so grosse Räumlichkeit

Was aber passiert, wenn der Bahnhofsaal künftig nicht mehr wie bis jetzt genutzt werden kann? Das Problem wären wohl weniger die kommunalen Anlässe. «Mit der Gemeindeversammlung könnten wir auch in eine Turnhalle ausweichen», sagt Erdin. Er denkt vielmehr an grössere kulturelle Veranstaltungen. Tatsächlich: Wer mit Veranstaltern dieser Anlässe spricht, kriegt immer wieder einen Satz zu hören: «Es gibt in Rheinfelden keine Alternativen in dieser Grösse.»

Der Saal ist die mit Abstand grösste Räumlichkeit in der Stadt. Er hat eine maximale Belegung von 1410 Personen ohne Bestuhlung, bei Konzert- und Bankettbestuhlung sind es rund 600 Personen. Die nächstkleineren Lokale haben einige hundert Plätze weniger. Der Musiksaal im Kurbrunnen etwa hat bei Konzertbestuhlung 300 Plätze.

«Gäbe es den Bahnhofsaal nicht mehr, wäre das für uns ein enormer Verlust», sagt Christian Weidmann, Intendant von «Argovia Philharmonic». Das Aargauer Symphonie-Orchester spielt jedes Jahr eines seiner Konzerte im Bahnhofsaal. «Er ist eine der einzigen Möglichkeiten im Fricktal für einen Auftritt eines Symphonie-Orchesters», so Weidmann. Als Alternative nennt er die Laufenburger Stadthalle, betont aber gleichzeitig die «hervorragende Akustik» im Bahnhofsaal.

Kulturanlässe in Gefahr

Ebenfalls umplanen müssten die Rheinfelder Fasnächtler. Sie führen im Bahnhofsaal die Kinderfasnacht sowie den traditionellen «Füürball» durch. Beide Anlässe haben jeweils mehrere hundert Besucher. Für Roger Wendelspiess, Präsident der Fasnachtsgesellschaft, ist deshalb klar, dass nicht viele andere Räumlichkeiten infrage kämen. Das sieht auch Urs Zumsteg von der Guggemusik «Gasseschränzer» so. «Aus kultureller Sicht wäre es deshalb schade, wenn das Lokal verloren geht und Rheinfelden keine Räumlichkeiten in dieser Grösse mehr hat.»

Vor ein Problem würde das auch die «Fricktaler Bühne» stellen. Sie ist derzeit in den Vorbereitungen für die nächste Produktion. Die Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» wird 2019 gezeigt. Auf diese Produktion habe der Besitzerwechsel beim Bahnhofsaal keinen Einfluss, sagt Stiftungsratspräsident Walter Herzog. Entsprechende Signale habe er von den neuen Eigentümern erhalten. Und Herzog ist zuversichtlich, was die Zukunft angeht: «Der Bahnhofsaal ist für Rheinfelden eine wichtige Institution. Ich gehe davon aus, dass er das bleibt.»

Stadt will Kauf thematisieren

Beruhigen dürfte die Kultur-Veranstalter, dass auch die Stadt von einem Erhalt des Saals als öffentliche Räumlichkeit ausgeht. «Derzeit rechnen wir nicht damit, dass es den Bahnhofsaal nicht mehr gibt – im Gegenteil: Wir sind zuversichtlich, dass wir uns mit der neuen Eigentümerin auf eine Fortsetzung des Mietverhältnisses einigen können», sagt Stadtschreiber Erdin.

Rheinfelden hatte schon für das gesamte Areal ein Kaufangebot abgegeben, den Zuschlag allerdings nicht erhalten. Nun ist ein anderes Szenario denkbar: Dass die Stadt nicht das Areal, aber wohl den Bahnhofsaal übernimmt. «Langfristig werden wir einen Kauf des Saals thematisieren», sagt Erdin, möchte zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht auf weitere Details eingehen.