Gesundheitszentrum Fricktal
«Wir sind auf deutsche Ärzte angewiesen»

44 Prozent der Ärzte am Gesundheitszentrum sind Deutsche – der Anteil ist stabil. Vereinzelt gibt es Bewerbungen aus der Slowakei. Zeichnet sich damit ein neuer Trend für eine Ersatznation der deutschen Ärzte ab?

Marc Fischer
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35 der 80 Ärzte am Gesundheitszentrum Fricktal stammen aus Deutschland. Symbolbild: key/archiv

35 der 80 Ärzte am Gesundheitszentrum Fricktal stammen aus Deutschland. Symbolbild: key/archiv

KEYSTONE

Derzeit sind nach Auskunft von Miriam Crespo Rodrigo, Leiterin Unternehmenskommunikation des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), rund 80 Ärzte am Gesundheitszentrum tätig. Davon sind 35 Deutsche. Das entspricht einem Anteil von rund 44 Prozent. «Besonders bei den Kaderärzten sind die deutschen Ärzte mit 52 Prozent sehr gut repräsentiert», so Crespo. Der medizinische Nachwuchs auf Assistenzarztstufe stamme dafür mehrheitlich aus der Schweiz (17 Schweizer, 10 Deutsche und 4 aus verschiedenen Nationen).

Damit liegt der Anteil deutscher Ärzte am Gesundheitszentrum Fricktal höher als etwa am Unispital Basel (knapp 40 Prozent) oder am Universitätsspital Zürich (rund ein Drittel). Kurz: «Das Gesundheitszentrum Fricktal ist auf Ärzte und Pflegepersonal aus Deutschland angewiesen», so Crespo.

Vorteilhafte Grenzlage

Von einer Trendwende berichtete die «Schweiz am Sonntag» in ihrer letzten Ausgabe. Schweizweit nehme der Anteil der deutschen Mediziner derzeit ab und es werde schwierig, Ärzte aus Deutschland zu rekrutieren.

Beim GZF ist dieser Trend laut Miriam Crespo jedoch noch nicht angekommen. Die Ärzteschaft habe sich zwar in den letzten Jahren vergrössert, so Crespo, das Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen sei dabei aber relativ stabil geblieben. Die Lage in der grenznahen Region Fricktal sei aber «natürlich auch speziell vorteilhaft».

Deutschkenntnisse sind wichtig

Ist der Rekrutierungsprozess dennoch auch im Fricktal schwieriger geworden? «Generell gestaltet sich die Personalrekrutierung in der gesamten Gesundheitsbranche anspruchsvoll, aber bisher können wir unsere Vakanzen besetzen», so Crespo. Allerdings: «Es bedarf gerade bei spezialisierten Berufen einer beachtlichen Vorlaufzeit und es gibt sicherlich kein Überangebot auf dem Markt.»

Die Bewerbungen kommen dabei «mehrheitlich aus dem deutschsprachigen Raum» und «vereinzelt aus der Slowakei». Tatsächlich stammt einer der Kaderärzte am GZF bereits aus der Slowakei. Eine Art «Ersatznationalität» für die deutschen Mediziner zeichne sich aber deswegen «definitiv nicht ab», so Crespo. Zumal die Sprache ein wichtiges Einstellungskriterium ist. «Wichtig ist stets, dass Kandidaten der deutschen Sprache schriftlich und mündlich mächtig sind.»

Obwohl sich der nationale Trend im Fricktal (noch) nicht ablesen lässt – einer gesamtschweizerischen Forderung schliesst sich auch Miriam Crespo an: «Es braucht unbestritten mehr Studienplätze in der Schweiz.» Aktuell bildet die Schweiz knapp zehn Ärzte pro 100 000 Einwohner aus. In der «Schweiz am Sonntag» prangerte Jürg Schlup, Präsident des Ärzteverbandes FMH, diese Situation an. «Wir bilden seit Jahren viel zu wenige Ärzte aus», so Schlup.