Gipf-Oberfrick

«Wir setzen das gute Verhältnis im Fricktal aufs Spiel, wenn wir Schüler abwerben»

Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Soll Gipf-Oberfrick in Frick Schüler abwerben, um eigenständig zu bleiben? Während man den Vorschlag der IG bei der Gemeinde zur Kenntnis nimmt, kritisiert man im Dorf auch die Idee.

Die Idee hat Zündstoff: Damit die Oberstufe von Gipf-Oberfrick eigenständig bleiben kann, soll die Schule moderat wachsen – mit Schülern aus umliegenden Gemeinden. Diesen Vorschlag machte Ignaz Heim, Mitglied der IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick», in der gestrigen az.

Er möchte die kleine Oberstufe von Gipf-Oberfrick auf dem «Schulmarkt» als Alternative zur grossen Schule in Frick positionieren – für Schüler, «die auf ihrem schulischen Weg eine nähere pädagogische Begleitung und Förderung brauchen».

Konkret: Gipf-Oberfrick soll Frick Schüler abwerben. Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick, nimmt den Vorschlag auf Anfrage der az «zur Kenntnis», will ihn aber derzeit nicht weiter kommentieren.

Eine andere Stimme aus Gipf-Oberfrick, die namentlich nicht genannt sein will, sagt: «Im Fricktal haben wir unter den Gemeinden derzeit ein gutes Verhältnis. Das setzen wir aufs Spiel, wenn wir anfangen, uns gegenseitig Schüler abzuwerben.»

In Frick ist man «überrascht»

«Erstaunt» über die Idee zeigt sich auch die Fricker Schulgemeinderätin Susanne Gmünder Bamert. Denn Frick führe eine integrative Schule und werde somit den Schülern, die eine nähere pädagogische Begleitung und Förderung brauchen, bereits jetzt gerecht. Sie hält einen «Handel» mit Schülern für problematisch, denn das sei kaum im Sinne der Schüler. «Erste Priorität muss stets das Wohl der Schüler haben.»

Die bikommunale Arbeitsgruppe, die verschiedene Varianten geprüft habe, sei genau aus diesem Grund zum Schluss gekommen, dass eine Zusammenführung der Oberstufen von Frick und Gipf-Oberfrick die beste Lösung sei. Gmünder Bamert sagt aber auch: «Es liegt nicht an Frick, die von der IG vorgeschlagene Variante zu beurteilen. Das ist Sache der Gipf-Oberfricker.»

Beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) gibt man sich zum Schulmarkt-Vorschlag von Ignaz Heim bedeckt. Man könne sich zur Idee nicht äussern, weil man diese zu wenig genau kenne, erklärt BKS-Sprecherin Simone Strub Larcher. Sie sagt aber auch: «Der Kanton empfiehlt, eher grössere Standorte zu bilden, als die Mindestvorgaben prädisponieren, um eine gute Funktionsfähigkeit zu erreichen.»

BKS stellt Eigenständigkeit infrage

Und weiter: «Die bisherigen Ausnahmebewilligungen und die künftige Entwicklung der Schülerzahlen zeigen, dass der Oberstufenstandort im Sinne einer eigenständigen Schule nicht mehr gehalten werden kann.» Strub Larcher macht auch klar: Ausnahmebewilligungen wie in der Vergangenheit (siehe Box) wird es nicht mehr geben. «Die Schule Gipf-Oberfrick wurde vom BKS orientiert, dass sie ab 2017/18 nicht mehr mit weiteren Ausnahmebewilligungen rechnen kann.» Die von der Gemeinde getroffenen Massnahmen gingen demnach «in die richtige Richtung».

Möglich macht die Idee, Schüler aus anderen Gemeinden aufzunehmen, eine Eigenheit von Frick: Anders als andere Regionen hat die Zentrumsgemeinde mit den 15 Gemeinden, die ihre Schüler an die Oberstufe nach Frick schicken, keinen schriftlichen Schulvertrag abgeschlossen. Die Gemeinden sind demnach frei, einen Teil ihrer Schüler nicht nach Frick zu schicken.

Trotz diesem «Absprung-Risiko» ist für Gmünder Bamert klar: «Dieses Konzept hat sich bewährt und wir fahren damit seit 1866 gut. Darauf basiert auch das Erfolgsmodell der Schule Frick.» Es sei immer selbstverständlich gewesen, dass Frick bei der Schulraumplanung auf die Bedürfnisse der Region achtet – «und das werden wir auch in Zukunft tun.»

Frick will langfristige Lösung

IG-Mitglied Ignaz Heim warnte in der gestrigen Ausgabe davor, dass Frick dereinst das Interesse am Regos-Schulhaus in Gipf-Oberfrick verlieren könnte und die Gemeinde dann mit einem leeren Schulhaus dastünde. Gmünder Bamert teilt diese Befürchtung nicht. «Wir sind an einer langfristigen Lösung interessiert.» Zumal: «Die Modalitäten werden erst ausgehandelt. Dabei kann Gipf-Oberfrick seine Vorstellungen über Mietdauer und -preis einbringen.» Werde man sich nicht einig, «dann kommt die gemeinsame ‹Oberstufe Fricktal Süd› nicht».

Nicht einig geht Gmünder Bamert noch in einem anderen Punkt mit Heim: Dass eine kleine Schule die Schüler per se besser fördern und enger begleiten kann. «Auch in Frick gehen die Lehrer individuell auf die Schüler ein und bringen sie weiter.»

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