Einbürgerungs-Serie
Wir Schweizer - zwei Einbürgerungen in sechs Akten

Die Familien Güctemur und Ramadanovski wurden am Freitag in Frick eingebürgert. Nun dauert es nochmals sechs Monate: Dann gilt schwarz auf weiss, was für die beiden Familien vom Gefühl her längst Realität ist.

Thomas Wehrli
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Einbürgerungs-Serie Frick

Einbürgerungs-Serie Frick

Thomas Wehrli/Archiv
Sind nun Schweizer: Die Eltern Kutlay und Semra Güctemur sowie die beiden Söhne Kahraman (rechts) und Dogukan. Tochter Ajcan wird vermutlich im kommenden Jahr eingebürgert.

Sind nun Schweizer: Die Eltern Kutlay und Semra Güctemur sowie die beiden Söhne Kahraman (rechts) und Dogukan. Tochter Ajcan wird vermutlich im kommenden Jahr eingebürgert.

Thomas Wehrli/Archiv

Geschafft. Die beiden Familien, welche die az in den letzten sechs Monaten auf ihrem Weg zum Schweizer Pass begleitet hat, übersprangen am Freitag die letzte Hürde: die Abstimmung an der Gemeindeversammlung.

Die 150 anwesenden Fricker sicherten den Familien Güctemur und Ramadanovski (wie auch allen anderen Bewerbern) das Bürgerrecht zu – mit grossem Mehr und ohne eine Wortmeldung.

«Es ist ein Super-Gefühl, Schweizer zu sein», freut sich Bashkim Ramadanovski. Und auch Semra Güctemur ist «überaus froh», dass es geklappt hat.

Gezweifelt hat sie daran zwar nicht. Doch die Gewissheit zu haben, «tut trotzdem gut». Sie weiss auch schon, was sie als Erstes mit dem roten Pass machen will: «Abstimmen und wählen. Das war bislang leider nicht möglich.»

Einbürgerung in sechs Akten
Für die beiden Familien endete am Freitag eine neunmonatige Reise durch Instanzen und Tests. Eine Schweizermacher-Geschichte in sechs Akten.

Erster Akt. Im Frühling entscheiden die beiden Familien, sich einbürgern zu lassen. «Ich bin im Fricktal geboren und kenne nichts anderes. Ich bin hier zu Hause», begründete Semra Güctemur im ersten Teil der az-Serie ihren Wunsch, Schweizerin zu werden. Bashkim Ramadanovski sagte: «In Mazedonien machen wir Ferien. Unser Leben spielt sich hier ab.»

Die beiden Familien reichen ihre Unterlagen bei der Gemeinde ein. Das Dossier der Familie Ramadanovski aus Mazedonien umfasst fünf Personen: Vater Bashkim, 38, Teamleiter bei Creabeton in Brugg; Mutter Lavdurima Iljazoska, 38, sowie die drei Töchter Mazlame, Sanela und Anisa.

Das Dossier der türkischen Familie Güctemur umfasst Vater Kutlay, 46, der bei Novartis arbeitet; Mutter Semra, 43, Kassiererin bei Ikea, sowie die beiden Söhne Kahraman und Dogukan. Tochter Ajcan muss noch ein Jahr warten, da sie den Führerausweis kurzfristig abgeben musste und dies automatisch einen Eintrag im Strafregister zur Folge hatte. Dieses muss – wie das Betreibungsregister – blütenweiss sein, sonst kann ein Einbürgerungsantrag nicht behandelt werden.

45 Fragen rund um die Schweiz
Zweiter Akt. Die Unterlagen werden von der Gemeinde geprüft, die benötigten Informationen eingeholt. Alles ist in Ordnung. Die Einbürgerungsgesuche werden, wie es das neue Bürgerrechtsgesetz verlangt, öffentlich ausgeschrieben. Zwei Stellungnahmen gehen insgesamt ein – beide sind positiv. Alles ist in Ordnung also.

Dritter Akt. Franz Wülser, Gemeindeschreiber II, bietet die Familien Mitte September zum Sprach- und Staatskundetest auf. «Ich bin nervös», sagt Semra Güctemur vor dem Test zur az. 45 Multiple-Choice-Fragen rund um Staat und Gesellschaft gilt es, innert 45 Minuten zu beantworten. Etwa: «Welche Kammer des Bundesparlaments ist nach der Bevölkerungsstärke der Kantone zusammengesetzt?». Antwort: der Nationalrat. Alle Kandidaten bestehen den Test mit 73 bis 100 Prozent richtigen Antworten. «Ein guter Wert», bilanziert Wülser.

Gespräch vor dem Gemeinderat
Vierter Akt. Anfang Jahr waren in Frick insgesamt 21 Personen in den Einbürgerungsprozess gestartet. Zwei Personen mussten zurückgestellt werden, da sie die Voraussetzungen nicht erfüllt haben.

Für alle anderen, darunter die Familien Güctemur und Ramadanovski, findet Ende September das Einbürgerungsgespräch vor dem Gemeinderat statt. 15 Minuten dauert dieses für Einzelpersonen, 30 Minuten für Familien. Auch hier: alles bestens.

Fünfter Akt. Die Gemeindeversammlung sichert den 19 Personen am Freitag diskussionslos das Bürgerrecht zu. Es ist gleichzeitig eine Derniere: Ab kommendem Jahr sichert der Gemeinderat und nicht mehr die Gemeinversammlung das Bürgerrecht zu. Die Fricker haben ihm die Kompetenz dazu im Oktober erteilt.

Letzter Akt. Bis die Familien Güctemur und Ramadanovski den roten Pass real in den Händen halten können, dauert es noch rund sechs Monate.

Dann gilt auch schwarz auf weiss, was für die beiden Familien vom Gefühl her schon längst Realität ist.

«Ich lebe, fühle und denke als Schweizer», formulierte es Kahraman Güctemur, Student an der Uni Basel, beim Auftakt zur az-Serie im Mai. Nun können sie sagen: wir Schweizer.