Coronavirus

«Wir rechnen derzeit mit fast nichts»: Absagen machen den Wirten zu schaffen

Ernst Urich denkt darüber nach, einen «Drive-in» einzurichten.

Ernst Urich denkt darüber nach, einen «Drive-in» einzurichten.

Wegen der Coronakrise fällt für die Gastronomen und Cateringbetriebe in der Region ein Grossteil des Weihnachtsgeschäfts weg. Im Moment ist ihr sehnlichster Wunsch eine konkrete Ansage für die nächsten Wochen. Nur so können Lösungen gefunden werden.

Normalerweise klingeln um diese Jahreszeit die Telefone in den Restaurants und Gasthäusern der Region häufiger. Es ist die Zeit der Reservationen für Weihnachtsessen und -feiern von Unternehmen, Vereinen und Organisationen. Auch dieses Jahr klingeln die Telefone. Nur: «Meist werden dann Termine und Reservationen abgesagt», sagt Jörg Lenzin, Wirt im Landgasthof Ochsen in Wölflinswil. Mittlerweile seien etwa 90 Prozent der Reservationen wieder gestrichen, neue kommen kaum rein. «Wir rechnen derzeit damit, dass kaum oder gar keine klassischen Weihnachtsessen stattfinden werden», so Lenzin.

So oder so ähnlich tönt es vielerorts in der Region. Die Pandemie scheint den Wirten nach einem ohnehin schwierigen Jahr – samt Lockdown über Ostern und Muttertag – auch das wichtige Weihnachtsgeschäft zu verderben. Getroffen davon werden auch die Cateringbetriebe.

Markus Müller von der Steiner «Dorfmetzg Gebrüder Müller» etwa muss gar nicht erst in den Kalender schauen. Er weiss: «Wir haben derzeit genau noch einen Strohhalm – einen grösseren Anlass, der noch nicht abgesagt ist.» Ein Auftrag für eine Feier mit 300 Personen, deren Veranstalter auf ein Schutzkonzept bauen will. Aber Müller sagt: «Wir müssen auch hier abwarten, was der Bundesrat und der Kanton in den nächsten Tagen an Massnahmen und Restriktionen bekanntgeben. Dann werden wir sehen.» Zuversicht tönt anders.

Wie ein Blick in die Kristallkugel

Diese nicht vorhandene Planungssicherheit – weder für die kommenden Tage, geschweige denn für die kommenden Wochen oder gar Monate – macht den Wirten genauso zu schaffen, wie die Absagen an sich. «Es kommen Anfragen rein von Personen, die sich erkunden, ob und wie ein Anlass durchführbar ist», sagt Lenzin. «Nur wissen wir auf viele Fragen leider auch keine Antworten.» Franz Dominik Brogle von der Sissler «Pinte» vergleicht es mit einem «Blick in die Kristallkugel». Er sagt: «Die Menschen gehen nach wie vor gerne auswärts essen, wenn sie sich sicher fühlen – das Problem ist, dass viele nicht sicher sind, was überhaupt noch erlaubt ist.»

Entsprechend zeigten sich die Leute zurückhaltend, was die mittel- und langfristige Planung angeht. Das merkt auch Ernst Urich von der Metzgerei Urich in Möhlin und das bereits weit über die Weihnachtsfest­tage hinaus. Im Herbst würden normalerweise beim Partyservice schon Reservationen für das Frühjahr eingehen, etwa für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern, sagt Urich. «Bis jetzt läuft das aber alles sehr verhalten.»

«Wir können Lösungen finden»

Es klingt angesichts der Umstände fast unmöglich – und trotzdem ist es der derzeit sehnlichste Wunsch vieler Wirte und Caterer: Eine konkrete Ansage, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. «Wir können mit Massnahmen und Restriktionen umgehen und Lösungen finden», sagt Jörg Lenzin. Er ist überzeugt: Mit dem «à la carte»-Angebot könnte er einen Teil des wegfallenden Weihnachtsgeschäfts kompensieren.

So tönt es auch bei Franz Dominik Brogle. Und auch die Caterer zeigen sich kämpferisch. Die Metzgerei Müller etwa baut ihren Lieferservice aus. Und Ernst Urich denkt darüber nach, beim Laden einen «Drive-in» einzurichten, um das Abholen von Bestellungen zu vereinfachen und Menschenansammlungen zu vermeiden.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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