Als der Straumutti sich von einem Helfer Wasser nicht nur in den Mund, sondern auch unter die dicke Verkleidung schütten liess, lachte eine Zuschauerin am Oeschger Strassenrand: «Der kann nicht mehr.» Doch dann sprang der Helfer des Winters schon wieder brüllend einem Läufer des Frühlings entgegen, der ihn kurzerhand umstiess.

Der Straumutti streckte alle viere von sich, bis ihn Helfer vom Streckenrand wieder auf die Beine stellten, während der Läufer am Ziel bei der Pfarrkirche Sankt Kosmas und Damian das Ei in den Sammelkorb warf und sein Teamkollege auf alten Skis loszog. Der Tradition gemäss lagen am Eierlesen auf zwei Bahnen zwischen der Kirche und dem ehemaligen Gasthaus Schwanen für jedes Team wieder 100 Eier aus.

Viel Action auf der Strecke

Zahlreiche Zuschauer hatten sich an der 100 Meter langen Strecke versammelt, um dem jährlichen Spektakel beizuwohnen. Bei der Kirche betrieb der Turnverein Oeschgen eine Festwirtschaft und Andrea Bur und Nino Teutsch vom Turnverein kommentierten das Geschehen auf der Strecke für die Zuschauer. Die Läufer des Winters erkämpften zunächst einen Vorsprung, den sie anfangs noch ausbauen konnten.

Als Helfer für den Winter versuchten Schneemann, Pappdeckel, Jasskärtler und Straumutti die Läufer des Frühlings zu behindern sowie dem Bräutigam die Braut zu rauben. Tannenästler, Stechpalme und Gmeschti hielten für den Frühling dagegen.

Den Maskenträgern auszuweichen, war für die wendigen Läufer kein Problem, aber Teile der Strecke galt es mit alten Ski, Velos ohne Bereifung und Bremsen, auf alten Karren oder im Sack hüpfend zurücklegen. «Es geht darum, den Winter zu vertreiben. Wenn der Frühling gewinnt, dann wird es auch ein guter Frühling», erklärte Bur die Tradition des Eierlesens.

In der Woche vor dem Lauf hatte der Verein im Dorf Eier gesammelt. Rund 600 Eier hatte er für das Eierlesen erhalten und die brauchte es auch, da beim Wettlauf einige Eier zu Bruch gingen. Als Unparteiischer wachte der Eierpfarrer über das Geschehen und ersetzte auch kaputte Eier auf der Strecke. Die gesammelten und nicht zerbrochenen Eier verarbeitete der Turnverein direkt zu Omeletten.

Dann wendete sich das Blatt auf der Strecke und der Vorsprung des Winters schmolz dahin. Zwar gelang es Schneemann und Pappdeckel noch, die Braut zu rauben und in einen Brunnen zu werfen, aber den Sieg des Frühlings konnte das nicht mehr verhindern. Mit einem Ei Vorsprung gewann der Frühling das diesjährige Eierlesen.

Um die 100 Eier aufzulesen, brauchte das Team keine ganze Stunde und die Winterläufer waren nur wenige Sekunden im Rückstand. Beim anschliessenden Eiertätsch berichteten Reto Struchen und Michael Riner in Versform über Ereignisse im Dorf.