Wölflinswil
Windkraftgegner: «Unsere Landschaft verdient diesen Einsatz»

Der Verein Pro Burg setzt seinen Kampf gegen die geplante Windkraftanlage fort. Sein fünfter Informationsanlass über Naturwerte wurde gut besucht. Beim Projekt gehe es nicht nur um Burg, sondern um den ganzen Jura, sagen die Gegner.

Peter Bircher
Merken
Drucken
Teilen
Geplanter Windpark Burg bei Oberhof und Kienberg von Wölflinswil aus gesehen.

Geplanter Windpark Burg bei Oberhof und Kienberg von Wölflinswil aus gesehen.

Marc Böller

Der bereits fünfte Informationsanlass des Vereins Pro Burg war am Dienstagabend im Ochsensaal in Wölflinswil sehr gut besucht und bot einerseits zwei kompetente Referate über den Wert der Landschaft und die Bedeutung der Erhaltung der Artenvielfalt und machte einmal mehr den Standpunkt des Vereins klar: Es darf keine hochindustrielle Grossanlage bis zu 200 Meter Höhe auf Burg in einer bis heute intakten und weitgehend unberührten Landschaft geben.

Dr. Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, zeigte diesen Landschaftsraum eindrücklich mit dem Vergleich der aktuellen Landeskarte und derjenigen vor rund 100 Jahren. Was entlang den Flüssen, im Mittelland in den städtischen Agglomerationen in den letzten Jahrzehnten vor sich geht, können alle täglich mitverfolgen.

Genau diese Entwicklung ruft dringend nach Freiräumen, nach Natur und der Erhaltung der Schönheit und Einmaligkeit der Landschaft. Die Suche nach Harmonie, Schönheit, Ruheinseln, nach Ausgleich zur Hektik in den Ballungsräumen, gehört nach Rodewald zur elementaren Triebkraft des menschlichen Daseins.

Über die Jahrhunderte haben Künstler und Gelehrte, Dichter und Wissenschaftler, das Wohlbefinden, das Licht, die Farbigkeit und das Mosaik einer Naturlandschaft als für unsere Gesundheit bedeutend bezeichnet. «Wir brauchen Sehnsuchtsorte, wie sie hier die liebliche Hügellandschaft des Aargauer Juras zu geben vermag», betonte der Referent.

Artenvielfalt ist überlebenswichtig

Dr. Marc Kery als engagierter Biologe, Umweltwissenschafter und Privatdozent an der Universität Zürich schilderte das Öko-System, die Artenvielfalt und letztlich den Schutz der Landschaft als «überlebenswichtig», die Grundlage des menschlichen Lebens. «Allein schon für unseren Selbstschutz müssen wir diese Naturwerte hoch einstufen, aber vor allem auch im Blick auf kommende Generationen». Er zeigte für die Brut- und Zugvögel ein grosses Gefährdungspotenzial auf.

Kleine Populationen sind sofort gefährdet, wenn diese durch Fremdeinwirkung dezimiert werden. Er nannte als Beispiele im Waadtländer Jura den Bartgeier, im näheren Jura die Heidelerche, den Rotmilan und die Fledermauskolonien.

«Wir dürfen keine subventionierte Landschaftszerstörung zulassen», forderte Kery und meinte damit den fragwürdigen Subventionsfluss über die kostendeckende Einspeisevergütung. Wie die Vereinigung «Wind still», die gegen ähnliche Anlagen auf der Challhöhe kämpft, feststellte, ist zurzeit der Subventionstarif für Windenergie in der Schweiz 21,5 Rappen pro Kilowattstunde und in Deutschland aktuell 11 Rappen (8,8 Cent).

Übereinstimmend lässt sich aufgrund der beiden Referate festhalten: Windkraft ist labil, unberechenbar und sichert keine konstante Versorgung. Gefährdet die Versorgungssicherheit sogar, wenn zum Beispiel die Wasserkraft teilweise ausgebootet wird. Halbiert sich beispielsweise die Windgeschwindigkeit, sinkt die erzeugte elektrische Energie um das Achtfache.

Aus wirtschaftlicher Sicht können nur wenige Standorte in der Schweiz mithalten, zum Beispiel das Untere Rohnetal im Wallis. Wollte man das Kernkraftwerk Gösgen mit Windturbinen ersetzen, müssten 1522 MW-Turbinen landesweit erstellt werden, die aber nur eingesetzt werden könnten im Mix, im Verbund mit anderen Produktionsanlagen. Strom muss bekanntlich jederzeit an der Steckdose verfügbar sein.

Das Markenzeichen des Juras

Es geht nicht nur um das Burg. Wenn im vorderen Jura, Solothurn, Baselland und Aargau Anlagen trotz Juraschutz, trotz Jurapark, trotz Gutachten und Umweltverträglichkeitsprüfung und so weiter gebaut werden, ist das sensibelste Kleinod, das den Gebirgszug auszeichnet, zerstört: die weite, grosszügige Krete, das Markenzeichen des Juras.

Genau diese Kreten waren es doch, die längst vor jeglicher Raumplanung den Kanton Solothurn eine strenge Juraschutzgesetzgebung erlassen liessen.

Was denn ohne Windkraft? Auf das Wasser setzen, unsere erprobte heimische Naturenergie. Die Solarnutzung entschieden weiter fördern, mit jeglicher Energie sparsamer umgehen und eine engagierte Forschung weiterführen. Nach einer lebhaften Frage- und Antwortrunde betonte Präsident und Förster Werner Habermacher unter Applaus, dass der Verein Pro Burg unentwegt am Ball bleiben werde: «Unsere Landschaft verdient diesen Einsatz».