Fricktal
Windeln statt Winden in der Grüngutsammlung

Viele Gemeinden setzen auf ausgeklügelte Systeme bei der Grüngut-Entsorgung – Missbrauch bleibt jedoch ein Thema. «Es gibt immer wieder Leute, die ihr Grüngut illegal deponieren», sagt der Fricker Gemeinderat Daniel Suter.

Nadine Böni
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Die gebührenpflichtigen Grüngutcontainer können neben dem Kehricht am Strassenrand deponiert werden.nbö

Die gebührenpflichtigen Grüngutcontainer können neben dem Kehricht am Strassenrand deponiert werden.nbö

25 Verbotstafeln brachte die Gemeinde Frick im vergangenen Jahr an Waldrändern und verschiedenen Stellen im Wald an – sie nützten wenig. Im Mai dieses Jahres musste der Gemeinderat die Bevölkerung noch einmal dazu aufrufen, Grünmaterial und Schnittgut nicht im Wald, an Waldrändern, Hecken oder Gewässern zu entsorgen.

Missbrauch trotz System

Und jetzt, wo die Sonne die Gräser, Büsche und Bäume rasch spriessen lässt und fleissige Hobby-Gärtner entsprechend oft mähen und häckseln, landen schon wieder nicht alle Abfälle dort, wo sie hingehören.

«Es gibt immer wieder Leute, die ihr Grüngut illegal deponieren», sagt der Fricker Gemeinderat Daniel Suter. Der Missbrauch bei der Grüngut-Entsorgung ist ein leidiges Thema, nicht nur in Frick: In praktisch allen grossen Fricktaler Gemeinden kennt man die Problematik. Und das, obwohl sämtliche Gemeinden seit Jahren verschiedene Angebote für die Grüngut-Entsorgung bieten.

In Frick ist es die Abfuhrunternehmung P.Pfister, die einen kostenpflichtigen Grüngutsammeldienst anbietet, der ausser in den Wintermonaten alle zwei Wochen die Grünabfälle abholt. Das Grüngut wird in die Biopower-Anlage in Pratteln und in die Kompogas Bioriko AG in Klingnau gebracht und dort zu Energie und anderen Wertstoffen verarbeitet.

Ausserdem wird Rasen- und Strauchschnitt im RE-Center Fricktal ebenfalls kostenpflichtig entgegengenommen.

Schlüssel gegen Depot

Laufenburg und der Ortsteil Sulz sammeln und kompostieren das Grüngut auf zwei Entsorgungsplätzen. Der Platz in Sulz ist nur während der Öffnungszeiten zugänglich. Dadurch hält sich der Missbrauch in Grenzen.

Für den Platz in Laufenburg können gegen ein Depot Schlüssel bezogen werden, die Entsorgung ist so jederzeit möglich. Der Platz ist zwar mit einer Kamera überwacht. Aber: «Hier entstehen öfters zusätzliche Kosten, weil das Grüngut sortiert und die nicht kompostierbaren Abfälle separat entsorgt werden müssen», sagt Roland Obrist, Leiter Finanen II.

Bioklappe und Häckseldienst

Im unteren Fricktal gehören die grossen Gemeinden dem Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) an. Dieser organisiert für insgesamt 15 Gemeinden die Entsorgung der Siedlungsabfälle und damit auch des Grünguts. In einem Abfallkalender ist festgehalten, an welchen Tagen in welchen Gemeinden und Ortsteilen der Abfall abgeholt wird.

Recycling: Sammelstellen auf einer Online-Karte

Nach einem lauen Sommerabend steht am nächsten Morgen schon einmal die eine oder andere leere Weinflasche auf der Küchenablage. Weg damit und ab ins Recycling. Eine Website gibt jedoch Auskunft darüber, wo die nächste Sammelstelle liegt: www.recycling-map.ch. Nach Eingabe der Postleitzahl oder des Namens der Ortschaft erscheinen alle Sammelorte in der Umgebung. Sortiert werden kann je nach zu entsorgendem Material: Alt-Öl, Aluminium, elektrische Geräte, Batterien, Glas, PET-Flaschen oder Schuhe. Dazu gibt es auf der Website weitere Informationen über Wertstoffe in verschiedenen Sprachen. (nbö)

Die Entsorgung läuft über gebührenpflichtige Grüngutcontainer, welche neben dem Kehricht am Strassenrand deponiert werden können und wöchentlich geleert werden. Landwirte aus der Region bieten daneben einen Häckseldienst. In Bioklappen können ausserdem Rüst- und Speiseabfälle aus der Küche entsorgt werden. Der Klappenschlag kostet dabei 50 Rappen.

Seit neun Jahren ist das GAF-System in Betrieb. Nach und nach entschlossen sich immer mehr Gemeinden, sich anzuschliessen. Mittlerweile sind rund 4500 Grüngutcontainer im Umlauf. «Nach anfänglicher Zurückhaltung wäre das System jetzt nicht mehr wegzudenken», sagt Erika Abt, GAF-Geschäftsstellenleiterin.

Anfangsschwierigkeiten vorbei

Auch in Möhlin, wo sich die Bevölkerung lange schwer tat mit der kostenpflichtigen Grüngut-Entsorgung, stosse man mittlerweile auf Akzeptanz. Und: Der Missbrauch habe abgenommen. Auswärtige, die früher noch in Möhlin gratis ihr Grüngut auf den Deponien abluden, mussten sich inzwischen eine andere Lösung suchen.

Ein Kränzchen windet Erika Abt den Kunden im GAF-Einzugsgebiet: «Wir stellen so selten Missbrauch fest, dass es fast nicht erwähnenswert ist.» Nur eine Ausnahme fällt ihr ein: In einem grösseren Quartier musste eine Bioklappe wieder entfernt werden.

In der Klappe landeten fast mehr Windeln, als Grüngut. Weil sich die Situation trotz mehrmaliger Informationsschreiben nicht besserte, wurde die Klappe wieder entfernt.