Drohnen, Wärmebildkameras, Zielfernrohre – in einer Interpellation fordert SVP-Grossrat und Schweinezüchter Hansjörg Erne drastische Massnahmen, um den Jagddruck auf Wildschweine zu erhöhen. Laut Erne soll durch die Erhöhung der Abschusszahlen verhindert werden, dass die afrikanische Schweinepest aus Osteuropa in die Schweiz eingeschleppt wird. Zu den Forderungen des Grossrates gehört auch, Schwarzkittel in Naturschutzgebieten jagen zu dürfen, insofern die Tiere im entsprechendem Revier besonders grosse Schäden anrichten. Die AZ hat vier Fricktaler Jagdaufseher gefragt, was sie von der Interpellation halten.

Willy Itin, Jagdaufseher im Revier Möhlin Süd, steht der Standortermittlung von Wildschweinen durch den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras skeptisch gegenüber. «Die Wildschweine schrecken bei Geräuschen schnell auf, werden panisch und die Gefahr besteht, dass sie über die Strasse rennen.» So kam es in seinem Jagdrevier schon öfters zu Wildschäden, weil die Tiere vom Rattern der Kette eines Mountainbikes aufgeschreckt wurden und ihre Flucht am Frontspoiler eines Autos endete. «Anstatt des Einsatzes von Drohnen würde uns das Schiessen mit Zielfernrohren mit Nachtsichtgeräten mehr bringen», sagt Itin. Geht er bei Dunkelheit auf die Jagd, so muss er das Wildschwein mit einer Lampe anvisieren. «Die Rotte weiss dann jedoch schnell, was los ist, und ergreift die Flucht.»

Die Rotte vertilgt das Maisfeld

Weiter erschwere die Intelligenz der Tiere die Jagd, weil sie sich oftmals in Gebiete zurückzögen, in denen nicht geschossen werden dürfte. Dies musste Itin kürzlich im eigenen Revier erfahren: Eine Rotte hielt sich trotz des Lärms bei der Saline auf, wo Bohrarbeiten stattfanden. «Wir konnten nicht schiessen, weil dort Menschen arbeiteten.» Diese Situation nutzte die Wildschweinrotte aus und vertilgte 80 Prozent eines Maisfeldes, das sich in der Nähe des Bohrplatzes befand. Aufgrund der Intelligenz der Tiere befürwortet Itin, sichere Rückzugsorte für Wildschweine einzuschränken und darum auch Jagd auf diese in Naturschutzgebieten machen zu können. Für Itin ist klar, dass «die Schweinepest auf dem Vormarsch ist» und für deren Bekämpfung auch drastischere Mittel legitim sein müssen.

Alex Rüfenacht, Jagdaufseher im Revier Gipf-Oberfrick, findet es gut, dass man sich Gedanken über die Schweinepest im Grossen Rat macht, hält jedoch eine Umsetzung der geforderten Massnahmen für übertrieben: «Klar, wir müssen den Bestand in jedem Fall im Auge behalten. Doch zum jetzigen Zeitpunkt die Jagdgesetze zu lockern, ist mehr als voreilig.» Die Wildschweinjagd im Naturschutzgebiet lehnt er generell ab. Nicht nur aus ethischen Gesichtspunkten: «Uns Jägern wird sowieso schon stark auf die Finger geschaut. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf solch eine Massnahme wird nicht angenehm ausfallen.»

Fritz Ledermann, Jagdaufseher im Revier Laufenburg-Sulz, hält nichts von Drohnen zur Standortermittlung. «Dadurch wird nicht nur das Schwarzwild unnötig aufgescheucht, sondern auch anderes Wild.» Sinnvoller findet er es, wenn die Zielfernrohre mit Nachtsichtgeräten nicht mehr der kantonalen Bewilligungspflicht unterliegen würden. «Durch den Einsatz von Nachtsichtgeräten steigt die Abschussquote. Ohne Bewilligungspflicht könnte der Jäger unverzüglich reagieren und damit einen grösseren Wildschaden abwenden.»

Der Druck, den Schuss zu setzen

Etwas anders sieht es Daniel Gerber, Jagdaufseher von Revier Olsberg-Nord. Durch Zielfernrohre mit Nachtsichtgeräten würde zwar auch die Quantität der Abschusszahlen leicht steigen, wichtiger sei jedoch die Qualität des Abschusses. «Schiesst man mit einem Gewehr mit einer Lampe, hat man nur zwei bis drei Sekunden Zeit, bevor sich die Rotte in Bewegung setzt. Unter diesem Zeitdruck ist das Risiko, das falsche Tier einer Rotte zu erwischen, erhöht», erklärt er. Im schlimmsten Fall erlege man ein Führungstier, was dazu führe, dass der Nachwuchs auf der Suche nach dem Futter den Weg des geringsten Widerstandes nehme. «Die Wildschweine schwärmen dann auf die Felder aus und richten dort erheblichen Schaden an», erklärt Gerber, der vor diesem Hintergrund das Schiessen mit Nachtsichtgeräten befürwortet. Ebenso solle auch in Naturschutzgebieten Jagd auf die Schwarzkittel gemacht werden, jedoch nur wenige Male und ausserhalb der Brutlegezeit. Den Einsatz von Drohnen hält er hingegen für «illusorisch». So sei es erstens aufgrund des Laubbebstandes der Bäume nicht möglich, eine Rotte im Frühling oder Sommer zu orten, und zweitens müsste bei einer Ortung die Jäger des entsprechenden Reviers unverzüglich vor Ort sein.