Frick
Wieso Massagen an Kälbchen beim Metzger gutes Fleisch bringen

Fische, Honig, Äpfel, Wein – alles, was die Bio-Knospe trägt, beschäftigt die Mitarbeiterdes Forschungsinstituts fürbiologischen Landbau (FiBL) in Frick, das dieses Jahr den 40. Geburtstag feiert. Auch mit Streicheleinheiten widmen sie sich am FiBL.

Manuel Bühlmann
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Nicht nur Kälbchen, sondern auch ausgewachsene Kühe freuen sich über Streicheleinheiten von Johanna Probst
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Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick feiert dieses Jahr den 40. Geburtstag
Genau nach Waage giesst Carla Mosimann die Maispflanzen
Das Gerät misst, wie die Apfelbaumblätter mit Stickstoff versorgt sind
Salvador Garibay, früher Imker in Mexiko, kümmert sich um die Bienen
Auch Bio-Reben brauchen von Zeit zu Zeit Pflanzenschutzmittel, um gesund zu bleiben: Praktikantin Marissa Schraner bei der Arbeit.
Der FiBL-Champagner, präsentiert von Kellermeister Andi Tuchschmid

Nicht nur Kälbchen, sondern auch ausgewachsene Kühe freuen sich über Streicheleinheiten von Johanna Probst

Mathias Marx

Die beiden weissen Gestalten im Rebberg oberhalb von Frick sehen von weitem aus wie Spurensicherer der Polizei.

Doch zwischen den Blauburgunder-Reben ist kein Verbrechen passiert: Ausgerüstet mit Schutzanzug, Brille, Handschuhen, Atemschutz und dem Sprühgerät auf dem Rücken testen die Mitarbeiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) neue Pflanzenschutzmittel – biologische versteht sich.

«Auch im Bio-Landbau müssen Reben vor Pilzkrankheiten geschützt werden», sagt Hansjakob Schärer, Projektleiter Pflanzenschutz im FiBL.

«Wir testen laufend neue, biotaugliche Mittel. Zum Beispiel wollen wir herausfinden, wie gut Mittel auf Basis nützlicher Pilze gegen die gefürchtete Graufäule wirken.»

Weiter unten am Hügel in Frick – umgeben von Obstbäumen und Weiden – steht das Herzstück der Schweizerischen Bio-Landwirtschaft: Das FiBL, das 1997 nach Frick zog, feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Weinbau, Bienensterben, Fischzucht, Nachhaltigkeitsberatung, Tierverhalten, Bodenqualität – kaum etwas, womit sich die 140 Mitarbeitenden nicht beschäftigen.

«Forschung und Beratung im Biolandbau», so bringt Direktor Urs Niggli die Tätigkeit seines Instituts auf den Punkt. «Wir wollen aber nicht im Elfenbeinturm forschen.»

Deshalb steht das FiBL in engem Kontakt mit den rund 6500 Biobauern des Landes. Auf Merkblättern – «Rezeptbücher», wie sie Niggli nennt – werden die Ergebnisse des Forscherteams verständlich und praxistauglich unter die Landwirte gebracht.

Mit Massagen gegen Stress

Auch was Johanna Probst in ihrer Doktorarbeit schreibt, dürfte den einen oder anderen Viehzüchter interessieren. Denn sie fand heraus, wie Kälbern im Schlachthof Stress erspart und die Fleischqualität erhöht werden kann: mit Massagen.

«Am zweiten Tag nach der Geburt habe ich mit den Behandlungen begonnen», sagt Probst. Kreisförmige Bewegungen am ganzen Körper der Kälbchen, während sechs Tagen zweimal täglich für jeweils zehn Minuten.

Dadurch verlieren sie ihre Scheu. «Das Schlachten ist für die Tiere auch deshalb stressig, weil sie in der Mutterkuhhaltung nicht an Menschen gewöhnt sind.» Die Fleischqualität sei bei der massierten Hälfte der 27 Kälber merklich höher gewesen.

Alternative Düngmethoden gesucht

Zwischen Weide und Labor liegen nur wenige Schritte. Dort arbeiten einige der rund 50 Studenten, die jedes Jahr am FiBL für ihre Abschlussarbeiten forschen. In einem abgeschlossenen Raum mit grellem Licht und konstanten 23 Grad Temperatur lässt Carla Mosimann Maispflanzen wachsen.

Sie ist auf der Suche nach alternativen Düngmethoden. Bakterien, die beim Säen dazugegeben werden, sollen helfen, den Pflanzenertrag zu steigern. Erste Ergebnisse würden in diese Richtung deuten, sagt Mosimann. Bis zum endgültigen Resultat und der Abgabe ihrer Masterarbeit brauche es allerdings noch monatelange Forschung.

Kaum aus dem Labor rausgetreten, sticht einem ein unangenehmer Geruch in die Nase. In den Labors am Ende des Ganges waschen Projektleiterin Veronika Maurer und ihr Team Dünndärme und Mägen von Rindern aus – der letzte Teil eines Versuchs, um neue Methoden gegen Wurmbefall zu finden.

Die Idee: Um die Weiterverbreitung der Parasiten zu unterbinden, soll der Befall der Gräser auf den Weiden verringert werden. Der gesiebte Mageninhalt der zwei Testgruppen soll zeigen, ob die Methode wirkt.

Diese Ergebnisse werden über kurz oder lang in die Arbeit der Bio-Bauern einfliessen – wie schon so oft in der Geschichte des FiBL. Zu den grössten Erfolgen zählt Direktor Urs Niggli ein Projekt, das aufzuzeigen vermochte, wie auf Milchviehbetrieben weitgehend auf Antibiotika verzichtet werden kann.

Zudem gelang der Beweis, dass Milch auch ohne Zugabe von Kraftfutter aus China oder Brasilien, nur mit Heu und Gras, wirtschaftlich produziert werden kann.

Das Know-how, das in Frick über die Jahre aufgebaut wurde, gibt das FiBL auch im Ausland weiter. Zurzeit helfen Mitarbeiter, in Nordkorea einen Biobetrieb sowie Forschung und Beratung aufzubauen.

Doch bei allen Erfolgsmeldungen musste das FiBL auch schon Rückschläge einstecken. Im Winter mussten aus finanziellen Gründen erstmals seit der Gründung 1973 zehn Mitarbeiter entlassen werden. Stockt die Wirtschaft, spürt das das Institut. Denn der Grossteil der Gelder – rund 15 Millionen Franken – stammt aus Projekten; knapp fünf Millionen zahlt der Bund.

«Zurzeit prüft der Bundesrat, ob der Beitrag auf zehn Millionen Franken jährlich verdoppelt werden soll», sagt Niggli.

Nicht nur deshalb rechnet er in den nächsten Jahren mit einem Boom. Eine Verbesserung der angespannten Finanzlage erhofft sich Niggli auch davon, dass sich einige Forschungsergebnisse in naher Zukunft zu Geld machen lassen dürften. «Wir haben Produkte in der Pipeline, zum Beispiel ein neues Verfahren, um aus Lebensmittelabfällen eiweissreiche Futtermittel herzustellen.»

Weitere Informationen finden Sie unter www.fibl.org.

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