Hornussen
«Wieso lässt sich so jemand wählen?» – Politiker fordert Rücktritt des Ammanns Winet

SVP-Politiker Oliver Kohli übt scharfe Kritik an George Winet. Der Gemeindeammann von Hornussen fehlte bei den Arbeiten zur möglichen Gemeindefusion.

Nadine Böni
Merken
Drucken
Teilen
Der Gemeindeammann informierte die Gemeinde nicht über die Gründe seiner Abwesenheit.

Der Gemeindeammann informierte die Gemeinde nicht über die Gründe seiner Abwesenheit.

Thomas Wehrli

Er war der prominente Abwesende am Dienstagabend, als in Bözen das erste Treffen der Arbeitsgruppen zur Zukunft der Gemeinden Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen stattfand: der Hornusser Gemeindeammann George Winet.

Während die Ammänner der drei anderen Gemeinden den Vorsitz in je einer der acht Arbeitsgruppen haben, fehlt Winet in der Auflistung der Engagierten komplett. Auch im Projektausschuss nimmt er nicht teil, dort wird Hornussen stattdessen von Vizeammann Guy David vertreten.

Im Dorf sorgt Winets Abwesenheit für Kritik. «Der Gemeinderat und vor allem der Ammann haben doch die Pflicht, die Gemeinde in die richtige Zukunft zu führen», sagt SVP-Politiker Oliver Kohli. Er sass noch bis im letzten April selber im Hornusser Gemeinderat, trat dann per sofort zurück, weil «die Zusammenarbeit im Gremium für mich nicht mehr länger tragbar war».

Nun schiesst Kohli scharf gegen seinen ehemaligen Ratskollegen: «Für mich stellt sich die Frage, wieso sich jemand als Gemeindeammann wählen lässt, aber anschliessend an einem so wichtigen Projekt nicht teilnehmen möchte.»

Er wusste, was kommt

Kohli kritisiert, dass die Gemeinde nicht über die Gründe für Winets Abwesenheit informierte. Auf Anfrage der AZ gibt George Winet eine Erklärung ab: «Der Grund dafür, dass ich mich in den Arbeitsgruppen und im Projektausschuss nicht beteilige, ist ein berufliches Projekt. Dieses beansprucht mich zeitlich derzeit derart, dass ich keine Möglichkeit gesehen habe, an den Arbeiten teilzunehmen.»

Chronologie

- 2013 In Hornussen fehlen Gemeinderatskandidaten. Im letzten Moment finden sich zwei: Rosmarie Bühler und George Winet, der auch gleich zum Ammann gewählt wird. In der Nachmeldefrist wird Oliver Kohli in stiller Wahl gewählt. Der Gemeinderat ist komplett.

- April 2017 Oliver Kohli tritt per sofort zurück. Ein Grund: Die Zusammenarbeit im Gemeinderat habe sich immer weiter verschlechtert, teilt er mit.

- 21. Mai 2017 George Winet verpasst im ersten Wahlgang der Gesamterneuerungswahl die Wiederwahl als Ammann, obwohl er der einzige Kandidat war. Er sagt: «Ich trete im zweiten Wahlgang nicht an (stille Wahl). Ich möchte an der Urne gewählt werden, also bei den Ersatzwahlen. Dies würde ich als Zeichen verstehen, dass mich das Dorf will.»

- 24. September 2017 Winet schafft die Wahl zum Ammann mit 136 Stimmen.

- Januar 2018 Gemeinderätin Rosmarie Bühler tritt zurück, kaum hat die neue Amtsperiode begonnen. Grund: Ein Graben zwischen ihr und dem Gemeinderat, sagt Bühler.

Ein Grund, den Oliver Kohli allerdings nicht gelten lassen will: «Er wusste bei seiner Wiederwahl, was auf ihn zukommt.» Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2017 verpasste Winet in der Gesamterneuerungswahl für die Amtsperiode 2018/21 die Wiederwahl als Ammann (siehe Chronologie).

Danach liess er sich in der AZ so zitieren: «In der kommenden Legislaturperiode stehen Fusionsverhandlungen an, das bringt viel Arbeit mit sich.» Er sei nicht sicher gewesen, ob er dies zeitlich hätte bewältigen können und habe deshalb gezögert, sich zur Wiederwahl zu stellen.

Als dann im Herbst eine Ergänzungswahl für das Amt des Ammanns anberaumt wurde, kandidierte er trotzdem wieder und wurde doch noch gewählt.

19 von 20 Gemeinderäte dabei

Für Winet stellt es kein Problem dar, dass er nun nicht direkt in die Vorabklärungen involviert ist. «Wichtig ist in erster Linie, dass die Hornusser Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung kundtun können», sagt er. Und ebenso wichtig sei, dass der gesamte Gemeinderat das Projekt unterstütze. «Das tue ich. Ich erachte es nach wie vor als sinnvoll, dass diese Vorabklärungen getroffen werden», so Winet.

Die direkte Beteiligung des Ammanns «wird überschätzt», sagt er. «Ich bin einer von vielen.» Winet ist allerdings das einzige Ratsmitglied, das in die Fusions-Vorabklärungen nicht direkt involviert ist. Die anderen 19 Gemeinderatsmitglieder der vier Gemeinden sind alle in einer Arbeitsgruppe vertreten.

Oliver Kohli ist mit der Ansicht des Ammanns nicht einverstanden. «Er ist der Kopf des Gemeinderats und vertritt die Interessen von Hornussen nach aussen.» Entsprechend sei eine Teilnahme an den Vorabklärungen Pflicht. «Wenn das zeitlich nicht drin liegt, sollte ein Ammann sein Amt jemandem abgeben, der das machen kann», sagt Kohli. Auf die Frage, ob dies eine konkrete Rücktrittsforderung sei, antwortet er schlicht mit: «Ja.»

Davon würde sich Kohli auch eine Verbesserung der Situation im Hornusser Gemeinderat erhoffen. Erst im Januar trat mit Rosmarie Bühler eine weitere Gemeinderätin zurück, wenige Wochen nach Beginn der Amtsperiode. Kohli kreidet Winet zumindest eine Mitschuld für die «bestehenden Spannungen im Gremium» an. «Er hätte als Ammann etwas tun müssen, um das Problem zu lösen.»

Von einem Rücktritt will Winet aber nichts wissen. «Das kommt für mich nicht in Frage, wieso auch?», fragt er. Der Gemeinderat sei nach Bühlers Rücktritt bereits in einer schwierigen Situation. «Aus Erfahrung wissen wir, dass es in Hornussen schwierig ist, genügend Kandidaten zu finden. Ausserdem benötigen Gremiumsmitglieder immer einige Zeit, bis sie sich in ihre Aufgaben eingearbeitet haben.»

Auch die Situation innerhalb des Gremiums, die innerhalb von rund zehn Monaten zu zwei Rücktritten geführt hat, sieht er weniger dramatisch: «In einem politischen Gremium gibt es immer Differenzen und andere Ansichten. Das ist normal.»