Die sibirische Kaltluft beschert dem Fricktal derzeit frostige Temperaturen. Bei zweistelligen Minusgraden liegt wohl den meisten der Gedanke an einen Camping-Urlaub fern. Dennoch gibt es sie: Diejenigen, die sich derzeit in Wohnmobilen und kleinen Camping-Häuschen mit der klirrenden Kälte arrangieren müssen. Die AZ hat bei zwei Dauer-Camperinnen nachgefragt, wie sie die eisige Zeit erleben und in ihren vier Wänden Frostbeulen vermeiden.

Streetworkerin Peli Senn, 48, die seit zehn Jahren in ihrem Wohnwagen lebt, hat auf dem Camping-Platz in Frick schon den einen oder anderen harten Winter erlebt. Dennoch kann sie nicht verhehlen, dass sie von den eisigen Temperaturen gestern Morgen ein wenig überrascht wurde. «Als ich aus dem Wohnraum in den Küchen-Vorbau ging, musste ich feststellen, dass die Kälte meinen Trinkwasservorrat in Eisblöcke verwandelt hat.»

Nun deponiert sie ihr Trinkwasser im Wohnraum, den sie tagsüber mit einer Gasheizung auf 15 Grad Celsius aufheizt. «Das finde ich angenehm. Nur wenn ich Besuch habe, schaue ich, dass es im Wohnwagen etwas wärmer ist», erzählt sie.

Peli Senn lebt seit zehn Jahren in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Frick. Auf mehr als 15 Grad Celsius heizt sie den Innenraum nur bei Besuch. Dennis Kalt

Peli Senn lebt seit zehn Jahren in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Frick. Auf mehr als 15 Grad Celsius heizt sie den Innenraum nur bei Besuch. Dennis Kalt

Barfuss durch Eis und Schnee

Senn bezeichnet sich selbst als abgehärtet und kälteresistent. Dies geht so weit, dass sie morgens und abends den Gang von ihrem Wohnwagen in den Waschraum barfuss antritt – auch bei Schnee oder Eis. «Das bringt den Kreislauf schön in Schwung», sagt sie. Die ideale Schlafzimmertemperatur liegt bei ihr zwischen fünf und sechs Grad Celsius. «Mit meiner grossen Flanell-Bettdecke und meinem Kirschsteinkissen, das ich für fünf Minuten in die Mikrowelle lege, kann ich wunderbar schlafen», sagt Senn. Weil die Dauer-Camperin mit Gas heizt, sind am Boden ihres Wohnwagens kleine Öffnungen angebracht, durch die Sauerstoff in den Innenraum dringen kann. Weht die Bise stark, ist es deswegen auf Knöchelhöhe des Wohnwagens um einiges kälter als auf Schulterhöhe. «Damit niemand kalte Füsse bekommt, habe ich auf den Boden unter dem Tisch eine Heizmatte gelegt», sagt Senn.

Wenn Rentnerin Elisabeth Schmidlin, 68, auf dem Camping-Platz in Mumpf in ihrem kleinen Holzchalet aufwacht, beträgt die Raumtemperatur acht Grad Celsius. Die Kühlschranktemperaturen sind Ausdruck ihrer Sparsamkeit. Immer, wenn sie zu Bett geht, stellt sie den mit Gas betriebenen Durchlauferhitzer aus. «Ich bin abgehärtet, weil wir früher zu Hause nur einen Holzofen hatten. In einigen Winternächten haben sich an der Innenseite des Fensters im Kinderzimmer sogar Eisblumen gebildet.» Erkältet sei sie in den vier Jahren in denen sie auf dem Campingplatz wohnt nie gewesen. «In beheizten Räumen haben es die Viren leichter», erklärt sie dies. Ihre beiden Hunde sorgen dafür, dass Schmidlin nachts im kühlen Chalet nicht frieren muss. «Meistens schlafen beide bei mir im Bett. Das wärmt», sagt sie. Am Morgen, nachdem sie den Durchlauferhitzer wieder eingeschaltet hat, geht es dann mit den Hunden nach draussen. «Solang man sich bewegt, wird es einem nicht kalt», sagt sie.

Weil die Gefahr zu gross ist, dass bei Minusgraden die Wasserleitungen zu den Chalets einfrieren, werden diese vom Campingplatz-Betreiber vor Winterbeginn abgestellt. Dann muss Schmidlin alle drei Wochen den 2200 Liter Tank unter ihrem Chalet befüllen. «Wenn es richtig kalt ist, kann man dabei ganz schön ins Frieren kommen. Dadurch lernt man aber auch sparsam mit dem Wasser umzugehen», so Schmidlin, die beispielsweise die Fressnäpfe ihrer Hunde immer mit dem übrig gebliebenen Trinkwasser auswäscht.