Rheinfeldern

Wie weiter im Chleigrüt? IG präsentiert Naturraum-Projekt – Stadt will Raumentwicklungskonzept

Für die Nutzung des alten Abbaugebiets Chleigrüt gibt es verschiedene Ideen.

Für die Nutzung des alten Abbaugebiets Chleigrüt gibt es verschiedene Ideen.

Im Juni 2018 stimmte der Rheinfelder Souverän über den Dienstbarkeitsvertrag mit der Holcim Kies und Beton AG zum Kiesabbau im Gebiet Grossgrüt ab. Im Abstimmungskampf wurde auch das von Holcim geplante Kieswerk auf dem Areal des alten Abbaugebiets Chleigrüt thematisiert.

Damals meldete sich die IG Chleigrüt zu Wort und präsentierte auf einer eigenen Website Ideen für die künftige Nutzung der alten Kiesgrube – Badesee und Reitparcours inklusive.

An der Gemeindeversammlung setzten sich schliesslich die Kiesabbau- und Kieswerk-Gegner knapp durch. Nach geschlagener Abstimmungsschlacht wurde es um die Gebiete Chlei- und Grossgrüt wieder ruhig. Die IG Chleigrüt hat sich jedoch weiter mit der Thematik befasst und Unterstützer gefunden.

Mittlerweile unterstützen die CVP, die Grünen und die Grünliberalen das Projekt ebenso wie die Aargauer Sektionen von Birdlife, Pro Natura und WWF. Auch der Verein Hot Spots, der sich für den Erhalt und die Aufwertung von Kulturlandschaften mit hoher Artenvielfalt einsetzt, ist mit im Boot.

Badesee und Pavillon

«Die Idee ist es, im Chleigrüt einen ausgetrockneten Flussarm zu simulieren», sagt IG-Mitglied Stève Piaget. Dazu solle das Gebiet renaturiert und «eine einzigartige Teich-, Hügel-, Kies- und Gehölzlandschaft» geschaffen werden, heisst es im Projektbeschrieb auf der Website. «Das Gebiet soll frei zugänglich und nachhaltig nutzbar für alle sein», heisst es weiter.

Der Badesee und der Pferdeparcours gehören immer noch zu den Ideen, daneben schlägt die IG auch einen kleinen Pavillon für Kindergärten und Schulen vor. Weiter schlägt die IG eine Verlegung des Gewerbegebiets an eine «weniger problematische Lage» vor. Der Kanton würde dazu Hand bieten, ist Piaget überzeugt.

Insgesamt ist die IG der Meinung, das Projekt habe das Potenzial, Rheinfelden in den Bereichen Naturschutz, Lebensqualität, Tourismus und Wirtschaft «substanziell voranzubringen». «Im Dezember haben wir deshalb das Projekt als Input dem Stadtrat eingereicht», so Piaget.

Dieser habe jedoch geantwortet, er werde keine Stellung nehmen, bevor das Raumentwicklungskonzept (REK) vorliege. Stadtschreiber Roger Erdin bestätigt dies. Er weist darauf hin, dass an der Gemeindeversammlung von verschiedener Seite angeführt worden sei, dass der Gemeinderat die Kiesabbau-Pläne in den Gesamtzusammenhang des REK stellen müsse. «Der Stadtrat erachtet die eingereichte Idee als Mitwirkungsbeitrag im Rahmen des REK-Prozesses», so Erdin.

Der Entwurf des Konzeptes soll bis Mitte 2019 vorgestellt werden. Anschliessend ist eine breite öffentliche Mitwirkung geplant. Bis Ende Jahr solle der Prozess abgeschlossen werden, so Erdin.

Ob die IG so lange warten will, ist offen. Es sei schade, dass sich der Stadtrat nicht inhaltlich geäussert habe, sagt Piaget. «Wir überlegen uns, das Projekt von uns aus aufs politische Tapet zu bringen.» Da die Auffüllung der Kiesgrube schon weit fortgeschritten sei, würde ein baldiger Entscheid seiner Meinung nach Sinn machen. «Denn für einen Naturraum, wie wir ihn uns vorstellen, braucht es keine kultivierbare Deckschicht.»

Erdin hält dagegen, dass die Rekultivierung gemäss kantonaler Bewilligung erst bis Ende 2021 erfolgen müsse. Weiter weist er darauf hin, dass im Zusammenhang mit der Auffüllung der Grube «erhebliche Investitionen in die spätere Bebaubarkeit» getätigt worden seien. «Die nun vorgestellte Idee steht damit im Widerspruch zu allen bisherigen Überlegungen der letzten Jahrzehnte.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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