Die Schweiz steht vor einer grossen Herausforderung (wieder einmal), geht es doch in Kürze um die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative. Der Hauptpunkt darin besteht in der Forderung, dass wir keine fremden Richter anerkennen wollen, getreu dem Text aus dem Bundesbrief anno 1291, dass nur eigenen Richtern zu gehorchen sei.

Die EU versteht sich zwar als Demokratie, aber nicht in unserem Sinne. Das Volk hat grundsätzlich die Wahl einer Partei und die damit verbundenen Spitzenkandidaten. Als bei uns die SVP an die Öffentlichkeit trat (EWR-Abstimmung), wurde der Schweiz der Untergang prophezeit. Das Gegenteil trat ein. Wir hatten immer tiefere Arbeitslosenzahlen als die EU-Staaten.

Die Nichteinführung des Euro rief erneut die Pessimisten auf den Plan. Wieder erfolglos. Wir boten Zusammenarbeit an, nahmen einige Wünsche wahr, aber wir unterstellten uns nicht dem EU-Recht. Also fand die Grossindustrie einen Ausweg; die führenden Köpfe wurden und werden durch ausländische Personen ersetzt, denen die schweizerische Mentalität erstens fremd und zweitens egal ist. Es beginnt das Zeitalter der Drohungen: ohne Rahmenabkommen keinen Zugang zu Schengen-Daten. Das Waffengesetz muss deutlich verschärft werden. Firmensitze wandern ab. Die Schweizer Grenze wird zur Aussengrenze. Der Exporthandel wird massgebend erschwert. Unsere Konkurrenzfähigkeit wird untergraben. Der totale Untergang steht bevor.

Wer am globalen Markt mitmischen will, darf sein Augenmerk doch nicht nur auf Nachbarstaaten richten. Es gibt in fernen Ländern genügend lukrative Aussichten. Also, warum sich erpressen lassen von Regierungen, die lediglich machthungrig sind, aber denen das Schicksal des eigenen Volkes im Grunde genommen absolut gleichgültig ist. Wer drohen muss, dem fehlen echte Argumente!

Und damit sind wir auch in der schweizerischen Politlandschaft angekommen. Geht es unseren Politikern wirklich nur um unser Wohl? Wir wissen doch mittlerweile selbst nicht mehr, was wir noch tun dürfen. Für jeden Flohschiss wird eine Richtlinie erstellt in jahrelanger Arbeit.

Was dann dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird, sind die Grundsätze. Erst danach folgt die Vollziehungsverordnung; ab dann – und erst ab dann – sehen wir, worüber wir tatsächlich abgestimmt hatten. Und manche reiben sich verwundert die Augen ob der Diskrepanz zwischen Gesetz und Verordnung. Am Wirtshaustisch wird heftig debattiert, doch aufwachen tut man erst, wenn es mal ums eigene Fleisch geht. Wie viel ist uns die Freiheit (noch) wert?

* René Picard arbeitet als Hundetrainer in Frick. Er ist Schauspieler, Sänger und fuhr lange Postauto.