Kaiseraugst
Wie viel ist ein Landgasthof wert?

Die Ortsbürgergemeinde soll den Gasthof Adler kaufen – zu einem «überteuerten Preis», wie die Gemeinde schreibt. Der Wert für das Dorf sei aber grösser.

Nadine Böni
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Der Vorplatz des «Adlers» soll vom Parkplatz zur Terrasse werden. Archiv

Der Vorplatz des «Adlers» soll vom Parkplatz zur Terrasse werden. Archiv

Dennis Kalt

Seit rund einem Jahr ist der Landgasthof Adler in Kaiseraugst geschlossen. Im Gebäude wohnen Kurzaufenthalter aus dem Ausland. Das soll sich – geht es nach dem Gemeinderat und der Ortsbürgerkommission – aber wieder ändern. An der ausserordentlichen Ortsbürgerversammlung vom 7. April wird der Kauf der Liegenschaft beantragt. Das Ziel ist klar: die Sanierung des «Adlers» und dessen Wiedereröffnung.

Schwierige Suche nach Mieter

Der Preis dafür allerdings ist hoch, das schreiben Gemeinderat und Ortsbürgerkommission in der Botschaft zur Versammlung offen. Der Eigentümer verlangt für das 538 Quadratmeter grosse Areal mit dem Gasthof 2,2 Millionen Franken. Weiter stellen Gemeinderat und Kommission in der Botschaft fest, dass «der Gebäudezustand jämmerlich ist». Sie kommen zum Schluss: «Der vom Verkäufer verlangte Preis ist viel zu hoch angesetzt und widerspiegelt den tatsächlichen Wert des Gebäudes nicht.»

Um 300 000 bis 400 000 Franken sei der Preis zu hoch. Und: Um den Gasthof wieder als Restaurationsbetrieb führen zu können, wären «noch einmal Investitionen in der Höhe von einer bis eineinhalb Millionen Franken nötig».

Das mit einer Projekt-Einschätzung beauftragte Beratungsunternehmen Gastroconsult teilt diese Einschätzung. Neben dem Kaufpreis beurteilt es auch die künftige Rentabilität kritisch: «Der langfristige Mietwert von 96 000 Franken pro Jahr kann nur von einem sehr gut vernetzten Mieter mit einer sehr guten Küche und einem hervorragenden Team erwirtschaftet werden.» Die Suche nach einem Mieter dürfte sich entsprechend schwierig gestalten. Ausserdem würden die Mieteinnahmen «bestenfalls die zukünftig zu erwartenden Kosten decken».

Trotz allem: Gemeinderat und Ortsbürgerkommission beantragen an der Versammlung von kommender Woche die Zustimmung zum Kaufvertrag. «Die öffentliche Hand hat nebst der wirtschaftlichen Komponente noch weitere Faktoren zu berücksichtigen», heisst es in der Botschaft. «So stellt sich die Frage, ob im Dorfzentrum ein Gebäude stehen soll, auf das die öffentliche Hand keinen Einfluss hat.»

Mehr Nutzen als Wert?

Die Nutzung des «Adlers» als Restaurationsbetrieb sei für eine Privatperson keine Alternative. Deshalb komme der Nutzen für eine Gemeinde zum Tragen. Der Nutzen eines Restaurationsbetriebs, welcher «das Dorfleben massgebend beeinflusst», wie es in der Botschaft heisst. «Für Gemeinderat und Ortsbürgerkommission ist dieser Nutzen mehr wert als 300 000 bis 400 000 Franken.»

Die Ortsbürger stimmen am 7. April erst über den Kaufvertrag ab. Allfällige Projektierungs- und Verpflichtungskredite wären Traktanden an den kommenden beiden Versammlungen.