Unteres Fricktal

Wie sinnvoll ist die Kunststoff-Sammlung? Experten kritisieren das Konzept

Der Dachverband Swiss Recycling betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass der Nutzen einer Kunststoff-Sammlung gering sei. (Symbolbild)

Der Dachverband Swiss Recycling betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass der Nutzen einer Kunststoff-Sammlung gering sei. (Symbolbild)

Der Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) bietet seit einiger Zeit einen Sammelsack für Kunststoff an. Experten aber kritisieren dieses Konzept.

Die Freude ist Gisela Taufer anzuhören. Die Präsidentin des Gemeindeverbands Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) präsentiert erstmals Zahlen zum im Herbst angelaufenen Pilotprojekt zur Kunststoffentsorgung. Einwohner können seither ihre Plastikabfälle in separaten Säcken sammeln. Alle zwei Wochen werden diese abgeholt.

Da ist die «ständig steigende Menge an gesammeltem Kunststoff», die Taufer nun Freude bereitet. Hauptsächlich aber ist es eine andere Zahl: 15 Prozent. So viel – oder eben wenig – betrage laut dem Abnehmer Ökoservice die sogenannte Ausschussmenge, sagt Taufer. «Das heisst, dass 85 Prozent des gesammelten Kunststoffs derzeit als sortenreines Material in
den Recyclingprozess kommen.» Daraus entstehen Kunststoffrohre und
Kabelisolierungen, aber auch Alltagsgegenstände wie Kugelschreiber oder Lineale.

Zukunft noch offen

Auch im Vergleich mit anderen Sammelprojekten seien die 85 Prozent ein guter Wert, sagt Taufer. Und vor allem: ein entscheidender Wert. Derzeit ist es die Handsortierung bei Ökoservice, die für den Wert von 85 Prozent Material im Recyclingprozess sorgt. «Bei einer maschinellen Sortierung wird davon ausgegangen, dass die Verwertungsquote deutlich tiefer, bei etwa 50 Prozent, liegen würde», sagt Taufer.

Ob diese Handsortierung aber auch nach der zweijährigen Pilotphase fortgeführt würde, ist derzeit offen. Geht es Ende 2018 darum, ob das Pilotprojekt weitergeführt wird, dürften die GAF-Verantwortlichen also diesen Faktor berücksichtigen. Denn es gibt durchaus auch Kritiker am System – und diese zielen unter anderem auf die Verwertungsquote.

Der Dachverband Swiss Recycling etwa betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass der Nutzen einer Kunststoff-Sammlung gering sei. Dies, weil über 70 Prozent des Plastiks, der in Haushalten anfällt, gar nicht mit einem verhältnismässigen Aufwand rezyklierbar sei.

«Stattdessen tragen die Säcke massgeblich zur Verwirrung bei, die dafür sorgt, dass in Separatsammlungen immer mehr Fremdstoffe landen», heisst es auf einem 2016 veröffentlichten Merkblatt des Verbands.

Studie soll Nutzen zeigen

Aktuell will Swiss Recycling keine Stellung nehmen und verweist stattdessen auf eine laufende Studie. Der Bund sowie mehrere Kantone und Branchenverbände haben diese im Herbst bei einem Umweltberatungsbüro in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die Entsorgungs- und Verwertungswege für separat gesammelte Kunststoffe auszuleuchten. Resultate sind bis spätestens im Sommer zu erwarten. «Wir möchten diese Ergebnisse abwarten», heisst es bei Swiss Recycling.

Gisela Taufer weiss allerdings um die Argumente der Kritiker. «Die Gefahr, dass Fremdstoffe in den Kunststoffsäcken landen, ist da. Das hat sich in der Startphase des Projekts gezeigt», gibt sie offen zu. «Wichtig ist, dass wir ganz klar und deutlich kommunizieren, was in den Sammelsack gehört und was eben nicht.» Darauf werde ein besonderes Augenmerk gelegt. Auch, wenn das Projekt Mitte April bei der Gewerbeschau in Magden erneut der breiten Bevölkerung vorgestellt wird.

Die Sammlung solle in keiner Weise das bestehende und funktionierende System – gerade bei PET – beeinträchtigen, betont Taufer. «Die Werte, die wir aktuell erhalten, stimmen uns zuversichtlich. Der Anteil an PET-Flaschen im Sammelsack ist verschwindend klein», so die GAF-Präsidentin.

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