Mittleres Fricktal
Wie sicher ist der Steuerfuss von 98 Prozent wirklich?

Gleich vier Informationsabende wurden gehalten für das Fusionsvorhaben des mittleren Fricktals. Die Finanzen beschäftigen die Bevölkerung hierbei am stärksten.

Susanne Hörth
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Obermumpf ist eine der vier Fusionsgemeinden.

Obermumpf ist eine der vier Fusionsgemeinden.

Marc Fischer

An vier hintereinander folgenden Informationsabenden rund 540 Interessierten Red und Antwort zu stehen, gleicht einem Marathon. Entsprechend war der Projektleitung des Fusionsvorhabens «Zukunft mittleres Fricktal» die Erschöpfung am späteren Donnerstagabend dann auch anzumerken.

An diesem Abend wurde die schwül-heisse Luft im Versammlungslokal durch die vielen Wortmeldungen und kritischen Fragen zusätzlich aufgeheizt. Wie auch zuvor in Schupfart, Obermumpf und Mumpf stiess der Bereich Finanzen in Stein auf sehr grosses Interesse.

Kantonsvertreter Markus Urech und der Steiner Gemeinderat Werner Schneider hatten es an ihrem Stand «Finanzen» nicht einfach, den vorwiegend kritischen Fragen und Bemerkungen gerecht werden zu können.

Immer wieder wurde angezweifelt, dass der Steuerfuss von 98 Prozent (der heutige von Stein) für die Fusionsgemeinde «Stein im Fricktal» angesichts der deutlich höheren Sätze in den anderen drei Gemeinden sicher sei.

Urech betonte mehrfach, dass 98 Prozent für drei bis vier Jahre zugesichert werden können. Eine längerfristige Garantie gebe es nicht. Dass es diese Garantie auch bei einem Alleingang von Stein nicht gibt, wurde in einer der wenigen positiven Stimmen aus der Versammlung laut: «Ihr hängt von der Novartis ab. Dass die hierbleibt, ist nicht sakrosankt.»

Der grösste Arbeitgeber und Aktiensteuerzahler der Gemeinde könnte plötzlich entscheiden, sich woanders niederzulassen. «Bei der Pharma weiss man ja nie.»

Nettoverschuldung pro Kopf

Wie hoch ist die heutige Pro-Kopf-Verschuldung in den vier Gemeinden, wurde gefragt. Darauf Markus Urech: «In Stein zurzeit 1400, in Mumpf 5000 bis 7000, in Obermumpf 2700 bis 3000 und in Schupfart 4000 bis 5000 Franken.»

Aus der Diskussionsrunde fiel dann die Bemerkung: «Die anderen drei passen gut zusammen.» Im Zusammenhang mit der Pro-Kopf-Verschuldung machte Gemeinderat Werner Schneider noch deutlich, dass dieser Wert in Stein beim Alleingang noch steigen werde.

Aufgrund der hohen Schülerzahlen wird Stein in den nächsten Jahren im zweistelligen Millionenbetrag ein neues Schulhaus bauen müssen.

Der Kanton würde der neuen Gemeinde Stein im Fricktal während acht Jahren jährlich 600 000 Franken Finanzausgleich zahlen. Dass es danach damit fertig ist, verstand ein Anwesender nicht. Ein anderer erklärte, dass ohne Zusammenschluss Stein nicht vom Finanzausgleich profitiere, sondern einzahlen müsse.

Der Steiner Gemeindeammann Hansueli Bühler hatte eingangs erklärt, dass ein wichtiges Argument für die Fusion sei, dass man mit einer Grösse von rund 6000 Einwohnern mehr Gewicht nach aussen erhalte.

An diese Aussage lehnte sich die Frage an, weshalb Sisseln, Eiken und Münchwilen beim Fusionsprojekt nicht mitmachen würden. «Die würden viel besser zu uns passen.» Bühler blendete kurz einige Jahre zurück.

«Anfänglich war ein Zusammenschluss mit Stein, Sisseln, Eiken, Münchwilen, Mumpf, Obermumpf, Schupfart und Wallbach angedacht. Münchwilen zog sich als erste Gemeinde zurück. Dann auch Sisseln und Eiken.»

In Wallbach lehnte das Stimmvolk den Projektierungskredit für die Fusionsabklärungen ab. Auf entsprechende Frage, sagte Bühler, dass die drei anderen Sisslerfeldgemeinden keine Erklärungen für ihren Rückzug gemacht hätten.

Vor- und Nachteile auf den Tisch

Ein Votant störte sich daran, dass nur positive Argumente genannt würden, die negativen Auswirkungen einer Fusion gehörten ebenso auf den Tisch. Darauf machte die Projektleitung auf die aufgeschalteten Berichte auf der Internetseite des Projektes sowie die nun zum zweiten Mal erschienene Broschüre aufmerksam.

Die Nachteile seien hier ebenfalls aufgeführt. Als nachteilig empfand es ein Steiner, dass schon am 18. September über etwas abgestimmt werden muss, was erst 2018 startet. Hierzu erklärte die Projektleitung, dass beim Zustandekommen der Fusion, eine Umsetzungskommission zwei Jahre Zeit habe, die neue Gemeinde vorzubereiten.
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