Da ist sie wieder, diese innere Stimme, die inbrünstig ruft: «Blase an Besitzer: Der Wasserstand ist gefährlich hoch.» Just jetzt, wo man unterwegs ist, irgendwo mitten im WC-Nirgendwo. Ein Blick nach links, einer nach rechts, wo hat es bloss ein stilles Örtchen? Da, Glück gehabt, schnell hin, Türe auf – und der Drang ist wie weggeblasen.

Öffentliche WC-Anlagen geniessen einen schlechten Ruf. Man geht, wenn es gar nicht anders geht; und manchmal geht man auch wieder, bevor es geht. Doch sind sie wirklich derart schlimm?

Die az machte die Probe aufs Exempel und wagte sich in 10 öffentliche Toiletten im Fricktal vor. Fazit: Alle getesteten stillen Örtchen waren, zumindest zum Testzeitpunkt, gefahrlos und (mutmasslich) bedenkenfrei benutzbar – und sie waren, ganz im Wortsinn, still, denn der Reporter pflegte überall der Einzige zu sein, der auf ihnen thronte.

Zugegeben, nicht alle waren gleich sauber, bei einigen hatte der letzte Notdurftlasser vergessen, zu spülen, bei anderen, seine Spuren zu beseitigen, und generell stieg einem eine mehr oder minder unangenehme Duftmarke in die Nase. Aber was ist das schon, eingedenk all der Horrorgeschichten, die im Freundeskreis herumgeboten werden, nicht nur von Männern.

Ein Toi Toi steht im Walde

Nur einmal, da stand der Reporter an: Nicht, weil da jemand ungebührlich lange auf dem Thron sass, sondern weil das WC geschlossen ist: Das Toi Toi am Sinnespfad in Gipf-Oberfrick, das die Forstverwaltung in ein schmuckes Holzhäuschen verpackt hat, ist erst wieder ab dem 1. April in Betrieb. Gleiches gilt für seinen Toi-Toi-Kollegen am Chriesiwäg.

Dass es, mitten in der Natur, überhaupt eine (offizielle) Möglichkeit gibt, sich zu erleichtern, ist nicht selbstverständlich. Es habe einiges gebraucht, bis der Kanton die Bewilligung erteilt habe, erklärt Gemeindeschreiber Urs Treier. «Für uns war aber immer klar: Wir haben mit den Themenwegen ein Angebot, das viele Leute nutzen, also braucht es auch ein WC.» Geleert und gereinigt werden die beiden Toi Toi einmal pro Woche durch die gleichnamige Firma. Die Kosten, rund 70 bis 100 Franken pro Toilette und Monat, übernimmt die Gemeinde.

Erstaunlich dabei: Bei den Mobiltoiletten gibt es kaum je Beanstandungen – zumindest deutlich weniger, als es eine Zeit lang bei der dritten öffentlichen WC-Anlage in Gipf-Oberfrick, jene beim Friedhof, der Fall war. Die Gemeinde reagierte – und seither schliesst die WC-Anlage um 19 Uhr automatisch.

Mit der partiellen Schliessung, vor allem über Nacht, haben auch andere Gemeinden gute Erfahrungen gemacht. Die WC-Anlagen sind seither sauberer – und weniger verschandelt oder verwüstet. Noch einen Schritt weiter gehen die SBB am Bahnhof in Rheinfelden. Da weist ein Schild freundlich darauf hin, dass die WC-Anlage von Samstagnachmittag bis Montagmorgen geschlossen ist. «Wir bitten um Verständnis», steht noch da, worauf der eine oder andere Getriebene denken wird: «Sag das meiner Blase.» Was er weiter denkt und macht – eine andere Frage ists.

Eine zweite Massnahme, damit die WC-Anlagen nicht aus dem Rahmen fallen, ist eine regelmässige Kontrolle. Das WC auf dem Friedhof in Stein wird – wie die meisten öffentlichen WC-Anlage – zwar «nur» einmal pro Woche gereinigt, doch Bauamtsmitarbeiter Thomas Kaufmann kommt täglich vorbei und sieht nach dem Rechten.

Die Unterhose aus dem WC

Dass der Zustand, in dem die az die Toiletten antraf, zwar der Normalfall, aber nicht immer die Regel ist, bestätigen Kaufmann und andere WC-Verantwortliche. Herumliegende Kondome und Dosen, verdreckte Lavabos oder Spuren in der WC-Schüssel sind da noch die harmlosesten Verwüstungen.

Der «Worst case» für jeden WC-Reiniger sind die Benutzer, die sich für das grosse Geschäft nicht setzen, sondern auf den Rand der Toilette stellen – weil sie Unfug treiben oder weil sie es in der Heimat so gewohnt sind. «Da hat man dann die Bescherung», meint Kaufmann lakonisch und Ivo Lanter, Hauswart der katholischen Kirche in Frick, ergänzt: «In solchen Fällen schrubbt man schnell zwei Stunden.» Er erlebt einen solchen Schmutzfall rund zweimal pro Jahr.

Aber auch Kurioses erleben die WC-Reiniger immer mal wieder. Als beim Friedhofs-WC in Frick einmal der Abfluss verstopft war, grübelte Lanter lange – und zog eine Unterhose hervor.

In letzter Zeit, das bestätigen alle Befragten, sind die Toiletten weniger verdreckt als auch schon. «Seit Anfang Jahr ist es recht ruhig», sagt Eugen Ege von der Suter Reinigung AG, welche die WC-Anlage am Widenplatz in Frick wartet. Er weiss aber auch: «Es sind Wellenbewegungen. Es kommt wieder anders.»

Die Frage aller Fragen, die nämlich, ob Männer- oder Frauen-WCs verschmutzter sind, mag keiner der WC-Profis abschliessend beantworten. Nur so viel lässt sich Lanter entlocken: «Die bislang grösste Sauerei traf ich auf einem Damen-WC an.»