Fricktal

Wie Menschen auf dem Campingplatz Weihnachten feiern

Die Streetworkerin Peli Senn hat mit selbst gebastelter Weihnachtsdekoration eine weihnachtliche Atmosphäre in ihren Wohnwagen gezaubert. ZEU

Die Streetworkerin Peli Senn hat mit selbst gebastelter Weihnachtsdekoration eine weihnachtliche Atmosphäre in ihren Wohnwagen gezaubert. ZEU

«Zusammensein und füreinander da sein, das ist für mich Weihnachten», sagt Streetworkerin Peli Senn. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie Menschen auf dem Campingplatz und im Zirkus Weihnachten feiern.

Einige trafen sich nur in der Waschküche oder auf dem Weg zur Toilette. Die Gespräche waren jeweils beiläufig, der Austausch beschränkte sich auf wenige Worte.

Vor ein paar Jahren flatterten Einladungen zum Weihnachtsapéro in die Wohnwagen der Camper ein, die das ganze Jahr über neben der Badi in Frick leben. Es war ein bitterkalter Weihnachtsabend. Minus 18 Grad zeigte das Thermometer an.

«Die Stimmung war locker und die Atmosphäre super. Wir haben einfach ein bisschen gefroren», erinnert sich Peli Senn zurück. Seit 2008 lebt sie auf dem Campingplatz.

Zehn Nachbarn versammelten sich an diesem Weihnachtsabend um die Feuerschale, tranken Glühwein und Punsch, assen mit Speck umwickelte Dörrpflaumen auf Spiesschen vom Grill. «An diesem Abend haben wir uns zum ersten Mal intensiv ausgetauscht und uns besser kennen gelernt», erklärt Peli Senn.

Jeder Tag soll Weihnachten sein

Auch im Wohnwagen hat sie schon Weihnachten gefeiert. Im kleinen Kreis der Familie, auf kleinstem Raum. «Ab fünf Personen wird es halt eng», meint sie zu den Platzverhältnissen.

Für ihre Gäste hat Peli Senn Älplermakkronen gekocht. «Nichts Kompliziertes. Ich habe kein fliessendes Wasser», erklärt sie.

Für ein gelungenes Weihnachtsfest sind ihr das Zusammensein und die Gemeinschaft wichtiger als das Drumherum. Dennoch macht sie jedes Jahr eine Weihnachtsdekoration «mit Glitzerzeugs, Lametta und was sonst noch da ist und passt».

Sie ist kreativ, bastelt aus Konservendosen Teelichter in Form von Kronen. Zusammen mit den Kugeln und Kerzen auf dem Glasteller zaubern sie eine weihnachtliche Atmosphäre in den Wohnwagen.

«Zusammensein und füreinander da sein, das ist für mich Weihnachten. Die Weihnachtsbotschaft, die Jesus uns vorgelebt hat, sollte man aber jeden Tag berücksichtigen, nicht nur an diesem Datum», führt sie aus.

Darum setzt sie sich als Streetworkerin für sozial Ausgegrenzte ein. «Speziell an ihren Geburtstagen und auch an Weihnachten ist es wichtig, dass man sie nicht vergisst und alleine lässt», erklärt Peli Senn.

Darum hat sie vor zwei Jahren zusammen mit der evangelischen Freikirche Bewegung Plus für die Randständigen eine Weihnachtsfeier in einer Waldhütte organisiert.

«Manchmal sind diese Leute misstrauisch, wenn man etwas für sie organisiert und ihnen auf diese Art etwas Gutes tun will. Aber das Fest war sehr schön und alle haben es geschätzt, dass wir sie eingeladen haben.» Ob dieses Jahr etwas Ähnliches stattfindet, ist noch unklar. Ideen hat sie schon, hält sich aber verschiedene Optionen offen.

Weihnachten im Zirkus

Im Nachbardorf stehen zurzeit auch Wohnwagen, aber nicht auf einem Campingplatz. Nach der Tournee 2014 hat der Circus Nock sein Winterquartier in Oeschgen bezogen. Die Zirkuswaggons stehen auf dem Vorplatz, die Tiere sind in den Stallungen. Esel, Pferde, Kamele, Lamas und Ponys überwintern hier.

Regelmässig bekommen sie Auslauf auf den angrenzenden Wiesen und werden von Franziska Nock in der Halle trainiert. Auch in dieser Wintersaison bezieht die Familie Nock die Wohnungen im Haus, die vier Zirkusmitarbeiter den Mannschaftswagen mit getrennten Abteilen.

«Wenn man bei uns vorbeigeht, gewinnt man den Eindruck, dass nicht viel läuft, aber hinter den Kulissen wird fleissig gearbeitet», erklärt Reto Berner von der Medienabteilung. Medienarbeit, Sponsorenakquisition, Planung der Tournee, Reparaturen der Waggons und die Fütterung sowie Beschäftigung der Tiere fallen in dieser Zeit hauptsächlich an. Im Bürowagen hängt ein Adventskalender.

«Vom Platz her ist es schwierig, gross zu dekorieren. Aber wir Büroangestellte feiern Weihnachten zu Hause mit unseren Familien», führt Berner aus. Das gilt auch für die Nocks. «Bei uns gibt es eine ganz traditionelle Feier mit Essen, Weihnachtsbaum und Geschenken», erklärt Franziska Nock. Sie geniesst diese Zeit besonders: Zu Hause sein, keine Aufführungen am Abend, Zeit für die Familie. Zu zehnt feiert die Familie Weihnachten, in der verdienten Ruhe.

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