az-Test im Fricktal
Wie kundenfreundlich und speditiv arbeiten die Gemeinden?

Für einen Test erhielten 12 Fricktaler Gemeinden virtuelle Post von der az. Die Antworten können sich sehen lassen.

Thomas Wehrli
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Erste Anlaufstelle für viele Zuzugswillige ist dabei die Gemeindekanzlei. Der erste Eindruck kann entscheiden. (Symbolbild)

Erste Anlaufstelle für viele Zuzugswillige ist dabei die Gemeindekanzlei. Der erste Eindruck kann entscheiden. (Symbolbild)

Keystone

Das Fricktal ist als Wohnregion gefragt: Allein im ersten Halbjahr 2014 liessen sich 2562 Personen in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden nieder. Rechnet man die Wegzüge ab, stieg die Zahl der Einwohner um 630 Personen.

Erste Anlaufstelle für viele Zuzugswillige ist dabei die Gemeindekanzlei. Die az wollte deshalb wissen: Wie kundenfreundlich und speditiv arbeiten die Fricktaler Verwaltungen? Dazu schickte sie ein Mail an die sechs Gemeinden pro Bezirk, die am meisten respektive am wenigsten Zuzüger hatten.

Darin stellt Peter Klein, verheiratet, zwei Kinder, fünf Fragen zu einem möglichen Zuzug. Ihn interessiert der Steuerfuss, ob es in der Gemeinde eine Oberstufe gibt und wo die Jugendlichen andernfalls zur Schule gehen, wie es um das wirtschaftliche und kulturelle Leben im Dorf bestellt ist und ob es Zuzügern leicht fällt, sich im Dorf zu integrieren. Zudem fragt er die Lärmbelastung ab, da seine Frau lärmsensitiv sei.

Schnell und informativ

Für alle Gemeinden gilt: Test bestanden. Die zwölf Antworten landen flott im virtuellen Postfach von «Herrn Klein» und bieten ihm und seiner Familie eine gute Grundlage, um sich ein erstes Bild von der Gemeinde zu machen. Auch allfällige Schwachstellen – etwa eine erhöhte Lärmbelastung – verschweigen die Gemeinden nicht. Acht Beobachtungen:

Den «Bergpreis» in Sachen Tempo sichern sich die beiden Gemeinden Wölflinswil und Oberhof: Um 19.40 Uhr, keine 40 Minuten nach dem Senden der Mail, landen die Antworten im Posteingang. Da die zwei Gemeinden eine gemeinsame Verwaltung haben, antwortet Martina Schütz, Gemeindeschreiberin von Oberhof, für beide Kommunen. Sechs Gemeinden antworten am Tag nach der Anfrage, zwei tags darauf. Die letzten beiden Antworten, jene aus Möhlin und Olsberg, treffen am dritten Arbeitstag nach der Anfrage ein.

Grosse Unterschiede gibt es in der Ausführlichkeit der Antworten: Während Maria Aiuto aus Frick die Gunst der Stunde nutzt, um die Gemeinde «näher vorzustellen», beschränkt sich Christine Leuenberger in ihrem Mail auf die wichtigsten Infos. Sie bietet dem Zuzugswilligen gleichzeitig aber an, telefonisch weitere Auskünfte zu geben. Ein Angebot, das auch andere Gemeinden machen. Beliebt sind auch Verweise auf besondere Veranstaltungen und spezielle Einrichtungen.

Der Sprachstil der Antworten reicht von nüchtern-sachlich bis werbendinformativ. Das zeigt sich gerade im Umgang mit dem Steuerfuss. Während es Kaiseraugst bei einem «beträgt 90 Prozent» belässt, weist Frick (99 Prozent) darauf hin, dass die Gemeinde «deutlich unter dem kantonalen Durchschnittswert liegt und zu den steuergünstigsten Gemeinden des Fricktals zählt».

Mehrere Gemeinden motivieren «Herrn Klein», sich ein Bild vor Ort zu machen. Originell ist dabei der Vorschlag von Martina Schütz: «Falls es noch schneit, empfiehlt sich eine Schlittelpartie auf dem Benkerjoch.»

Die Frage nach der Lärmbelastung beantworten die Gemeinden offen: In Rheinfelden «kommt es auf das Quartier an», in Gansingen nennt Gemeindeschreiberin Patricia Bur die Kantonsstrasse als Lärmquelle, Frick und Gipf-Oberfrick verweisen auf die Bözberg-Bahnlinie. «Ganz ruhig ist es nur in wenigen Quartieren», räumt André Beyeler aus Möhlin ein. «Die Autobahn oder die Bahnlinie verursachen immer wieder Nebengeräusche.»

Die Integration ins Dorf beurteilen die Gemeinden als eher einfach – sofern man «sich darum bemüht» (Gansingen). «Wir heissen alle Neuzuzüger herzlich willkommen», schreibt Sabrina Stalder aus Zuzgen. Die wohl ehrlichste Antwort gibt Walter Marbot, Gemeindeschreiber von Laufenburg: «Diese Frage kann ich nicht beantworten. Bei einer Integration sind immer beide Seiten gefragt. Gefühlsmässig kann ich sagen, dass die Integration nicht leichter und nicht schwieriger ist als anderswo.»

Beliebt sind auch Links auf die Website der Gemeinde. Intensiv nutzen diese Verweise Oberhof/Wölflinswil (4), Rheinfelden und Gipf-Oberfrick (je 3). Gipf-Oberfrick kann dabei mit einem zusätzlichen Trumpf aufwarten: Die Bevölkerungsumfrage vom letzten Jahr, in der die Einwohner der Gemeinde gute Noten ausgestellt hatten.

Einen Anhang liefert einzig Frick mit – vier Fotos der Oberstufenschulanlage.