Laufenburg

Wie geht es mit dem 185 Jahre alten Grundbuchamt weiter?

Der Gemeindeverband des Bezirks Laufenburg hat im Vorfeld der Abstimmung für den 5-Millionen-Umbaukredit für das alte Grundbuchamt in Laufenburg eine Mietabsichtserklärung abgegeben.(Archiv)

Der Gemeindeverband des Bezirks Laufenburg hat im Vorfeld der Abstimmung für den 5-Millionen-Umbaukredit für das alte Grundbuchamt in Laufenburg eine Mietabsichtserklärung abgegeben.(Archiv)

Das als erhaltenswerter Bau eingestufte alte Grundbuchamt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Über die Zukunft des Gebäudes entscheiden die Laufenburger am 8. März.

«Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Nutzer.» Diese Aussage von Kurt Brandenberger aus Laufenburg steht im Zusammenhang mit dem umstrittenen Projekt Sanierung und Erweiterung des alten Grundbuchamtes für 5 Millionen Franken. Die Geschichte eines Hauses ist aber auch jene seiner Besitzer und jener, die darüber entscheiden.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt und bewegt die Liegenschaft die Laufenburger – Behörden wie Bevölkerung. Es wurde geplant, beschlossen und verworfen. Daneben nagte der Zahn der Zeit unaufhaltsam am historischen Gemäuer. Ob der Verfall weitergeht oder saniert und erweitert wird, entscheidet sich an der Urnenabstimmung vom 8. März.

Den in die Jahre gekommenen, aber in seiner Bausubstanz gut erhaltenen Komplex einfach abzureissen, geht nicht. Im Juni 2006 hat das Laufenburger Stimmvolk der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) die Zustimmung erteilt. Teil dieser, im Oktober desselben Jahres vom Regierungsrat ebenfalls gutgeheissenen BNO, ist die Spezialzone Hinterer Wasen-Grabengärten. In dieser befindet sich das als erhaltenswerter Bau eingestufte alte Grundbuchamt. «Erhaltenswert» bedeutet im Laufenburger Fall, dass diese Objekte in der Regel weder abgebrochen noch entfernt oder absichtlich beschädigt werden dürfen. Auch Ausbrüche im Innern haben auf historisch wertvolle Bauteile und die Typologie der Gebäude Rücksicht zu nehmen.

Erhaltenswerte Objekte werden von den Kommunen in ihren BNOs definiert und beschlossen. Die kantonale Denkmalpflege wirkt hier in den Aargauer Altstädten unterstützend mit. Denkmalpfleger Philipp Schneider erklärt den Unterschied von erhaltens- zu schützenswerten Bauten. Letztere unter kantonalem Denkmalschutz stehende Objekte dürfen ebenfalls weder abgebrochen noch entfernt werden. «Im Gegensatz zum kommunalen Schutzobjekt gilt für das kantonale Schutzobjekt das kantonale Kulturgesetz.

Ebenso dürfen allfällige bauliche Veränderungen, auch im Innern, nur im Sinne einer kunsthistorisch abgesicherten Restaurierung und nur in Zusammenarbeit mit der Aargauer Denkmalpflege erfolgen.» Die kantonale Unterschutzstellung erfolgt in der Regel auf Antrag durch den Eigentümer oder die Behörden der jeweiligen Standortgemeinde an den Kanton.

Als Armenhaus gebaut

Das alte Laufenburger Grundbuchamt hat seit seiner Grundsteinlegung im Mai 1830 einiges an Geschichte geschrieben. Seine vielen Nutzer haben Kapitel um Kapitel dieser Hausgeschichte gefüllt. Erbaut wurde das Gebäude als Armenhaus. Als solches wurde es bis 1866 auch genutzt. Bereits 1836 kam es mit dem Einrichten von zwei Schulzimmern für die neu geschaffene Bezirksschule zu einer zusätzlichen Nutzung. Nach 1866 stand das 2454 Kubikmeter grosse Gebäude ganz für die Schule zur Verfügung. Nicht nur die Bezirksschule, sondern auch die die Primarschule war hier einquartiert.

In einem Raum erinnert ausserdem eine aus den 1920er-Jahren stammende Friesmalerei – sie läuft als Band über alle vier Zimmerwände – an den einst hier geführten Kindergarten. Seinen Namen «Grundbuchamt» verdankt das Haus seiner längsten Bestimmung. Von 1912 bis 1979 waren die Büros des Grundbuchamtes in der Liegenschaft zu finden. Vorübergehend war in den 1930er-Jahren auch die Mundharmonika-Fabrik Fahrni untergebracht.

Verkaufsabsichten

Im Jahre 2000 lehnte das Laufenburger Stimmvolk eine Sanierung des imposanten Gebäudes aufgrund der damaligen Finanzlage der Stadt ab. Sechs Jahre später beschloss der Stadtrat, das Haus für 595 000 Franken zum Verkauf auszuschreiben. Mit den damaligen Planungen zum Bildungskleeblatt wurde das Verkaufsvorhaben auf Eis gelegt.

In den letzten Jahrzehnten stand das Haus für verschiedene Zwischenlösungen zur Verfügung. Mittlerweile seit 30 Jahren ist die Brockenstube des Frauenvereins Laufenburg untergebracht. Weiter eingemietet sind Mittagstisch und Ludothek. Und nun wird wieder ein Grundbuchamt-Kapitel geschrieben. Am 8. März entscheidet das Laufenburger Stimmvolk an der Urne, ob saniert und angebaut oder ob das Gebäude am Hinteren Wasen im heutigen Zustand verbleiben wird.

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