Frick

Wie es eine junge Inderin ins Fricktal verschlagen hat

Mehak Philip (vorne), umgeben von Samuel, Martin, Esra und Kezia Bebi (von links).  mf

Mehak Philip (vorne), umgeben von Samuel, Martin, Esra und Kezia Bebi (von links). mf

Von Pune nach Frick. Vom Bundesstaat Maharashtra ins Fricktal. Von Indien in die Schweiz. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag machte sich Mehak Philip auf den Weg in eine andere Welt und wird elf Monate bleiben.

«Für mich sollte der Austausch eine Herausforderung sein, ich möchte möglichst viel lernen», hielt die Schülerin gleich zu Beginn fest. In die USA wollte sie nicht, da sie bereits sehr gut Englisch spricht – die Herausforderung wäre ihr zu klein gewesen.

Die andere Alternative, Japan, hat sie wegen des Essens und auch wegen Fukushima verworfen. Nun ist sie in Frick gelandet und hat zunächst ein grosses Ziel vor Augen: Deutsch zu lernen. Einen Monat lang wird sie täglich einen Intensivkurs in Olten besuchen, der von der Austauschorganisation AFS angeboten wird. Danach wird sie in Muttenz die Fachmittelschule besuchen. Im Regelunterricht und als einzige Gastschülerin in der Klasse. Mehak Philip ist zuversichtlich, dass sie dann dem Unterricht folgen kann. «Wenn langsam gesprochen wird, verstehe ich jetzt schon einiges», strahlt sie.

In Frick in einer Grossfamilie

Überhaupt lacht die Schülerin oft, sie scheint sich in Frick nach einer Woche schon zu Hause zu fühlen. «Ich hatte nur am ersten Tag Heimweh», bestätigt sie. Mit ihrer kleinen Familie in der Heimat – ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrer Nanny – hält sie Kontakt mittels Internettelefonie. In Frick wurde sie von der Grossfamilie Bebi mit sechs Kindern, die erstmals eine Gastschülerin beherbergt, gut aufgenommen. Und sollte bei Mehak doch Heimweh aufkommen, helfen sicherlich die Erfahrungen von zwei Gastschwestern, die auch ein Jahr im Ausland im Austausch waren.

Pünktliche Züge statt Rikscha

Nicht nur sprachlich und familiär ist die Schweiz eine neue Welt. Auch im Alltag ist Vieles neu. Drei Küsschen zur Begrüssung beispielsweise. «In Indien ist nämlich schon ein Handschlag selten», so Mehak. Oder die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. «In Pune kann ich einfach in eine Rikscha steigen und mein Fahrziel angeben, hier muss ich pünktlich am Bahnhof sein und immer wieder umsteigen», schmunzelt die Schülerin. Und dann wäre da noch das Essen. Zwar schwärmt sie von Zwetschgenauflauf und «Hörnli und Ghackets», doch «etwas fad» sei das Essen in der Schweiz schon. Mehak ist aber vorbereitet. Sie hat zu Hause extra Kochen gelernt – und wird deshalb bald einen Hauch Indien durch das Esszimmer ihrer Gastfamilie wehen lassen.

«Es ist so ruhig hier»

Zwei Wochen ist Mehak nun bereits in der Schweiz. Den Rheinfall und viele «märchenhafte Ortschaften» hat sie schon gesehen, eine Schokoladenfabrik wird sie bald besichtigen. Was aber hat sie bisher am meisten beeindruckt? «Überrascht hat mich, dass es gar nicht so kalt ist», meint sie. Trotz Kälte, im Winter möchte sie dann doch in die Berge und Skifahren oder Snowboarden lernen. Beeindruckender aber ist die grosse Ruhe. «In Indien herrscht immer grosser Betrieb, hier ist es so ruhig.» Just bei diesen Worten hören Schweizer Ohren im Hintergrund das Rauschen der Autobahn. Alles eine Frage der Gewohnheit und der Betrachtungsweise. Apropos Betrachtungen: In der Schweiz seien viel mehr Sterne am Himmelszelt sichtbar als in Indien. «Dort konnte ich sie an einer Hand abzählen, hier funkelt es überall. Mir gefällt es und ich bin glücklich, hier zu sein.» Sagt es; und auch ihre Augen funkeln dabei.

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