Herznach
Wie eine Fricktaler Familie rumänischen Spitälern hilft

Familie Ruckli hat den Transport von 40 ausgemusterten Spitalbetten nach Rumänien organisiert.

Marc Fischer
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Angekommen: Die Betten aus den Fricktaler Spitälern wurden in Tîrgu Mureş von zahlreichen Helfern ausgeladen und ins Lager gebracht. zvg

Angekommen: Die Betten aus den Fricktaler Spitälern wurden in Tîrgu Mureş von zahlreichen Helfern ausgeladen und ins Lager gebracht. zvg

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In Tîrgu Mureş in Rumänien war dieses Jahr bereits Weihnachten. Als «vorweihnachtliches Geschenk» trafen dort nämlich 40 Spitalbetten, die in den Spitälern Laufenburg und Rheinfelden nach rund 30 Jahren ausgemustert worden waren. Organisiert hat die Lieferung Franz Ruckli aus Herznach mit seiner Familie. Seit rund zehn Jahren unterstützen Franz und Barbara Ruckli die Region Mureş in Rumänien – und zwar ausschliesslich öffentliche Institutionen, wie Franz Ruckli betont.

Bei Besuchen wird kontrolliert

«Wir kaufen nichts», so Ruckli weiter, «es sind alles Dinge, die in der Schweiz nicht mehr gebraucht werden und aussortiert wurden.» Feuerwehr- und Schulmaterialien haben so schon den Weg nach Rumänien gefunden, Fernsehgeräte aus Schweizer Gefängnissen stehen heute in rumänischen und einmal hat Ruckli ein Tanklöschfahrzeug nach Rumänien gefahren, das nun dort Brände löscht.

Die Fricktaler Spitalbetten sind mittlerweile in Tîrgu Mureş, einer Stadt mit knapp 150 000 Einwohnern, eingetroffen. Dort werden sie nun auf fünf oder sechs Spitäler verteilt. Ein erstklassiges Spital in Rumänien würde bei uns von der Infrastruktur her den Mindeststandard wohl nicht erreichen, sagt Franz Ruckli. «Viele Betten dort haben nicht einmal Räder.» Was in der Schweiz den Ansprüchen nicht mehr genüge, sei für rumänische Verhältnisse noch modern. Dank ihrer langjährigen Tätigkeit haben sich die Rucklis ein Netzwerk aufgebaut. «Leute und Institutionen kommen auf uns zu und fragen, ob es in Rumänien Bedarf für die Dinge gibt, die sie nicht mehr brauchen können», so Franz Ruckli. «Und wir wissen etwa, was dort gebraucht wird.» Derzeit seien Chromstahltröge für den Abwasch in Gefängnissen gesucht oder eine Kartoffelschälmaschine für ein Spital.

Wichtig ist Ruckli, dass er weiss, wo die Gegenstände in Rumänien hinkommen. Ein- bis zweimal im Jahr fährt die Familie selber nach Rumänien und lässt sich dort zeigen, was aus den Hilfslieferungen geworden ist. Damit will er Missbrauch verhindern. «Die Rumänen wissen, dass ich komme. Und sie wissen, dass sie ihre Quelle nicht hintergehen dürfen.»

Geldspenden und Entwicklungshilfezahlungen steht Ruckli dagegen skeptisch gegenüber. Er beschreibt sein Credo so: «Man muss den Menschen etwas in die Hand geben, womit sie arbeiten können. Man muss ihnen zeigen, wie es geht. Und man muss später kontrollieren, wie es funktioniert.» Ideal wäre es, so Ruckli weiter, wenn (Früh-)Rentner oder Arbeitslose aus der Schweiz für eine gewisse Zeit im Entwicklungsland leben und die Einheimischen ausbilden könnten. Dass sich dafür das komplette Entwicklungshilfesystem ändern müsste, ist Ruckli bewusst. Also versucht er «direkt an der Wurzel» zu helfen. Die nächste Lieferung ist bereits geplant. Anfang Jahr machen sich erneut 40 Spitalbetten sowie Schulbänke auf den Weg nach Rumänien.

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