Lourdesgrotten
Wie die Fricktaler die Maria verehren

Vor über 100 Jahren brach ein regelrechter Lourdesgrotten-Bauboom aus. Den Anfang machte Kaisten, wo 1892 eine Lourdeskapelle errichtet wurde. Bald zogen auch Gansingen, Wittnau und Hornussen mit eigenen Grotten nach.

Karin Pfister
Drucken
Teilen
Lourdesgrotte in Hornussen.

Lourdesgrotte in Hornussen.

Karin Pfister

Wer in diesen Tagen die Fricktaler Lourdesgrotte in Hornussen besucht, trifft auf einen friedlichen, stillen Ort – fernab von Hektik. Durch schattigen Wald nimmt man einen steilen Weg unter die Füsse und folgt den verschiedenen Stationen des Kreuzweges, der zur eigentlichen Grotte führt. Dort brennen oft Kerzen, die davon zeugen, dass die Grotte regelmässig besucht wird.

Um einiges lauter ging es wohl bei der Einweihung vor über 100 Jahren zu und her, wie die Unterlagen des Lourdesgrottenvereins vermuten lassen: «Mit Böllerschüssen wurde die Feier eröffnet. Es war ein heisser Tag. Die Leute kamen zu Fuss oder mit der Bahn von Ittenthal, Kaisten, Sulz, Zeihen, Herznach, Ueken und Frick. Zirka 3000 Personen wurden geschätzt. Alle mussten anschliessend verpflegt werden. Kein Privathaus war ohne Besuch und Gäste.»

Wallfahren, wenn es möglich ist

Die Hornusser Grotte wurde auf Initiative einer Frau gegründet. So heisst es weiter in den alten Akten: «Emilie Keller, Gattin von Herrn Oskar Keller zur Postablage und Bezirksverwalter, sprach zu Gustav Oeschger: Diese Wallfahrtsorte (gemeint sind Lourdes und Wittnau) zu besuchen, ist schön und recht, aber könnte man nicht auch hier in Hornussen eine solche Lourdesgrotte errichten, damit man an Sonntagen und an Werktagen oder wenn es die häuslichen Arbeiten erlauben, eine Andacht zur Muttergottes von Lourdes abhalten könnte.» Gustav Oeschger nahm diesen Vorschlag an und brachte ihn unters Volk, wo er auf begeisterte Zustimmung stiess. Johann Fridolin Pabst, Dekan des Priesterkapitels Siss-Frickgau und Domherr des Standes Aargau, hiess den Plan seiner Pfarrei gut und äusserte sich, das er sich freue würde, wenn sie etwas Rechtes zustande brächten.

Lourdesgrotten

Als Lourdesgrotte oder Mariengrotte werden die Nachbildungen der Höhle von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich bezeichnet, in welcher im Jahr 1858 der heiligen Bernadette die Muttergottes erschienen sein soll. Die heilige Bernadette Soubirous (7. Januar 1844 bis 16. April 1879) war eine französische Ordensschwester, die als Mädchen mehrere Marienerscheinungen hatte. Die Verehrung nach ihrem Tod führte dazu, dass Lourdes einer der bedeutendsten europäischen Wallfahrtsorte wurde. An der Stelle der Marienerscheinungen ziert eine Madonnenfigur die Grotte, deren Original Joseph-Hugues Fabisch 1864 nach den Angaben Bernadettes für Massabielle schuf. (kpf)
Quellen: kath.ch; Lourdesgrottenverein Hornussen

Die Vorarbeiten zur Lourdesgrotte Hornussen wurden in Fronarbeit erstellt. Auch dies ist gut dokumentiert: «Ein grosses Gesträuche und eine Dornhecke wird ausgerüttet, die Steinmaden entfernt und an derer Stelle der breite Fussweg angelegt. Auf der Höhe werden Felsen gesprengt für die Grotte und Mauern angelegt. 20 bis 30 Arbeiter von Hornussen sind fast die beiden Monate März und April an der Arbeit. Pferdegespanne von Herrn Birri zu den Schwertern bringen Sand und Kies auf die Höhe. Die Grottensteine werden in Oberzeihen geholt. Dieses alles wurde unentgeltlich geleistet. Und das Land wird von den Besitzern geschenkt.»

Steine einsammeln und tragen

Auch die Gansinger Lourdesgrotte, welche seit 1899 besteht, wurde in Fronarbeit erstellt. Dort leisteten auch die Schüler einen Beitrag: «Die Schüler der oberen Klassen mussten die im Bürer Rebberg gesammelten Steine einsammeln und für den Bau der Grotte auf den Laubberg tragen.» Die Gansinger Grotte befindet sich hoch über dem Dorf, unterhalb der Spitze des Laubbergs. Von der Lourdesgrotte im Wald führt ein steiler, kurzer Stationsweg zu einer kleinen Kapelle. Die Initiative für den Bau kam vom damaligen Pius-Verein. In den anderen Fricktaler Dörfern waren es meist die Pfarrherren, die den Anstoss gaben. Neben Gansingen und Hornussen gibt es im Fricktal noch 5 weitere Lourdesgrotten und zwar in Eiken, Wittnau, Sulz, Wegenstetten und Kaisten. Die jüngste ist die Sulzer Grotte, die 1958 eingeweiht wurde. In Kaisten steht keine eigentliche Grotte, sondern eine Lourdeskapelle, die 1892 durch Anregung von Pfarrer Franz Xaver Strebel auf dem hinteren Fasnachtsberg errichtet wurde. Ein Kreuzweg verbindet die Kapelle, in deren Innerem eine Felsenlandschaft gezeigt wird, mit der Pfarrkirche.

Die meisten Lourdesgrotten erfreuen sich auch heute noch grosser Beliebtheit. «Die Besucher kommen nicht nur aus den umliegenden Gemeinden, sondern teilweise von weit her. Viele werden durch die Hinweistafel an der Hauptstrasse darauf aufmerksam», weiss Georg Weber vom Lourdesgrottenverein Hornussen. Auch die Hornusser nützen die Grotte. So findet etwa im Mai jeden Sonntagabend eine Andacht statt.

Auch heute noch steckt hinter der Lourdesgrotte viel Fronarbeit. So ist für den Unterhalt jeder Station eine andere Familie verantwortlich. Umso trauriger ist es deshalb, dass diese friedliche und liebevoll gepflegte Andachtsstätte vor einige Zeit von Vandalen heimgesucht wurde. «Auf die Marienfigur wurden Steine geworfen», so Georg Weber. Er hofft sehr, dass dies in Zukunft nicht mehr vorkommt.

Aktuelle Nachrichten