Wölflinswil
Wie die Familie Al Refi dem Elend in Syrien entrinnen konnte

Der Dorfverein «Dorf plus» lud ein zu einem Gespräch mit einer Flüchtlingsfamilie – das gab grosse Einblicke in deren Leben.

Peter Bircher
Merken
Drucken
Teilen
Wertvoller Austausch: Gemeindeammann Köbi Brem (von links), die Flüchtlingsfamilie mit Jehad, Ahmed Al Refi, Hanadi und Redhwan sowie Gemeinderätin Barbara Fricker.

Wertvoller Austausch: Gemeindeammann Köbi Brem (von links), die Flüchtlingsfamilie mit Jehad, Ahmed Al Refi, Hanadi und Redhwan sowie Gemeinderätin Barbara Fricker.

Hans Böller

Es war für die gegen 50 Frauen, Männer und Jugendlichen aus dem Dorf ein beeindruckender und lehrreicher Abend und für die Flüchtlingsfamilie ein «Aufsteller». Der gemeinnützige Dorfverein «Dorf plus» hatte eingeladen zum Treffen mit der Familie Al Refi. In corpore anwesend war der Gemeinderat. Er konnte sich überzeugen, dass es ein guter Entscheid war, die frühere Sozialwohnung im alten Gemeindehaus so herzurichten, dass sie Herberge für die Flüchtlingsfamilie bietet.

Von früherer Hochkultur ist der Nahe Osten zur brutalen Kriegszone geworden, wurde vom Gesprächsleiter Peter Bircher ausgeführt. Elend ohne Ende. Von 23 Millionen Bewohnern in Syrien befinden sich vier Millionen auf der Flucht ins Ausland und neun Millionen innerhalb des Landes. Aus dem ländlichen Raum findet die Flucht vor allem in die Hauptstadt und die Provinzstädte statt.

In den weniger stark besiedelten Gebieten wütet der Islamische Staat. Die frühere blühende Handelsstadt Aleppo ist dem Untergang geweiht. Der Unsinn des Krieges wird offenbar, wenn nicht einmal Spitäler verschont werden. So wurden seit dem Syrienkonflikt 700 Ärzte und Krankenpflegende getötet. Vor zwei Jahren wurde der Stadtteil, in welchem die Familie Al Refi wohnte, in Schutt und Asche gelegt.

Dramatische Flucht

Der jüngste Sohn schilderte, dass er nur dank den Weisungen seines Lehrers dem sicheren Tod entrinnen konnte. Die Familie bewohnte ein stattliches Haus mit Grundfläche. Die Eltern Redhwan und Hanadi Al Refi haben Chemie studiert und sorgten sich auch um eine gute Schulbildung der beiden Söhne. Aber der Krieg liess ihnen in Syrien keine Chance.

Sie flohen mit dem Auto in den Libanon und konnten sich mit dem Flugzeug in die Schweiz absetzen. Sie haben den Status «vorläufige Aufnahme» und wohnten bisher in Buchs und längere Zeit in einem Asylheim in Strengelbach. Im Juni wurde ihnen nun die Wohnung in Wölflinswil zugewiesen. Die beiden Söhne Jehad und Ahmed können schon sehr gut deutsch. Damit bot sich auch die Möglichkeit, zum direkten Gespräch der Flüchtlinge mit der Dorfbevölkerung einzuladen. Beide Söhne erwiesen sich als gute Übersetzer und ernteten für ihre spontane Offenheit immer wieder Applaus. Sie besuchen die Kantonsschule in Aarau und die Bezirksschule in Frick.

Gedanken zum Asylgesetz

Es wurde die Frage in den Raum gestellt, was wohl aus der Schweiz würde, wenn ein einziger Regent alle Macht an sich reissen würde. Wie lange gäbe es dann die Schweiz noch? Sie lebt von Rücksichtnahme, Schutz der Minderheiten, wirtschaftlicher Kraft und sozialer Verantwortung. Man könne viel kritisieren in der Asylpolitik, aber das Asylgesetz sei seit 1960 elf Mal revidiert worden, was die hohe Sensibilität und das Ringen um die bestmögliche Lösung bei diesem «Dauerbrenner» aufzeige.

Das Ehepaar Brigitte und Klaus Sattler haben vor dem Beginn der Katastrophe Syrien drei Wochen bereist. Mit einem bunten Strauss von Bildern konnten sie die reiche Geschichte, Kultur und Landschaft aufleuchten lassen.

Gute Erfahrungen gemacht

In der rege benutzten Frage- und Antwortrunde informierte Gemeinderätin Barbara Fricker über die Vorgaben des Sozialhilfe- und Asylgesetzes. Hauswart Hermann Stitz schilderte seine Erfahrungen und die gute Gesprächsbereitschaft der Familie. Aus ihrer praktischen Arbeit auf dem Sozialamt Frick konnte Gaby Reimann-Böller wertvolle Hinweise zur Flüchtlingssituation aus regionaler Sicht geben. Bei einem kleinen Apéro, angereichert mit Gebäck – nach syrischer Tradition von der Flüchtlingsfamilie zubereitet – fand der Begegnungsanlass in Wölflinswil seinen Abschluss.